In den kommenden Jahren soll es keinen Streit mehr um die Route und den Termin der Love Parade geben. Der Senat, CDU und SPD planen, die weltgrößte Techno-Party ab 2002 in den Veranstaltungskalender der Stadt aufzunehmen - wie den Berlin-Marathon oder den Karneval der Kulturen. Dann könnte der Umzug regelmäßig am zweiten Juli-Wochenende im Tiergarten stattfinden. Demonstrationen von Umweltschützern oder Love-Parade-Gegnern hätten keine Chance mehr, den Umzug auf der Straße des 17. Juni zu verhindern. "Es kann doch nicht sein, dass wir jedes Jahr vor dem Spektakel ein Spektakel um die Route durch den Tiergarten und den Termin erleben", sagte Jugendsenator und Bürgermeister Klaus Böger (SPD). Er plädierte für einen regelmäßigen Aufzug mit einem festen Datum. "Dann kann sich die Stadt auf die Love Parade einstellen", sagte Böger. Das gebe auch gerade den Veranstaltern Sicherheit. Die Junge Union (JU), die Nachwuchsorganisation der CDU, setzt sich ebenfalls für die Love Parade am zweiten Juli-Wochenende des Jahres ein. "Die Love Parade muss als traditionsreiche Veranstaltung vergleichbar mit dem Kölner Karneval ausgewiesen werden", sagte der JU-Vorsitzende Kai Wegner. Entscheidend für die Aufnahme in den Veranstaltungskalender ist aber, dass der Status der Love Parade geändert wird. Bisher wurde das Spektakel, das jährlich von über einer Million Ravern besucht wird, von den Veranstaltern Planetcom als politische Demonstration angemeldet. Das hat für die Organisatoren den Vorteil, dass die BSR und der Bezirk die Kosten für die Müllentsorgung und die Beseitigung der Schäden im Tiergarten übernehmen müssen. Der Status der politischen Demonstration ist aber umstritten, weil die Veranstalter nach unbestätigten Angaben jedes Jahr etwa zwei Millionen Mark Gewinn machen.Vor- und Nachteile werden geprüftNach den neuen Plänen des Senats müsste Planetcom für die Kosten aufkommen. "Wir prüfen zurzeit die Vor- und Nachteile und wollen dann mit den Veranstaltern darüber reden", sagte Claus Guggenberger, Sprecher von Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU). Für die Love-Parade-Macher bietet ein festes Datum Planungssicherheit. Brigitte Walz, Organisatorin des Karnevals der Kulturen, hat damit gute Erfahrungen gemacht: "Wir haben die Sicherheit, dass unsere Veranstaltung über Pfingsten stattfindet. Wir haben dann die Hoheit über die Strecke."Geld aus dem LandesetatEs gibt auch schon erste Vorschläge, wie die Love Parade 2002 finanziert werden könnte. Die JU plädiert dafür, dass der Senat 300 000 bis 400 000 Mark für den Umzug zur Verfügung stellt. Innerhalb des Senats wird das allerdings skeptisch gesehen. Jugendsenator Böger möchte Sponsoren beteiligen und Einnahmen aus dem Catering dafür verwenden. Auch eine Teilnahmegebühr "ähnlich wie beim Berlin-Marathon" kann er sich vorstellen. Der für die Techno-Parade zuständige Projektleiter Franz-Stefan Hornung von T-Mobil sagte, dass es für die Werbezwecke relativ gleichgültig sei, ob die Love Parade nun als Demonstration oder Straßenfest stattfindet. "Mir geht es vor allem um Planungssicherheit und die Qualität der Veranstaltung", sagt er. Er befürchtet allerdings, dass mit der Umwidmung der Veranstaltung auch Kosten auf die Sponsoren abgewälzt würden.Wann die Love Parade in diesem Jahr stattfindet, ist immer noch unklar. Der geplante Termin am 14. Juli musste wegen einer zuvor angemeldeten Gegendemonstration zur Rettung des Tiergartens abgesagt werden. Der neue Termin 21. Juli ist auch umstritten. Denn neben der Love Parade will eine Aktion 2000 mit einigen Tausend Skatern und Radfahrern "gegen die Enteignung öffentlicher Räume" demonstrieren. Innensenator Eckart Werthebach (CDU) will heute in einem Gespräch mit allen Veranstaltern eine Lösung suchen. Burkhard Lenz, Sprecher der Aktion 2000, sagte am Dienstag: "Wir werden an der Siegessäule demonstrieren. Wir wollen damit auch den Tiergarten schützen. Notfalls ziehen wir vor Gericht." Eine Gruppe von Lehrern, die ebenfalls am 21. Juli demonstrieren wollte, hat inzwischen eingelenkt und will nun im September gegen den Bildungsnotstand protestieren.Hotels, Partyveranstalter und auch die Deutsche Bahn hoffen nun darauf, dass die Love Parade am 21. Juli stattfinden wird.Vorbild zu Pfingsten // Der Karneval der Kulturen könnte ein Beispiel für die künftige Organisation der Love Parade sein. Der Karneval findet regelmäßig zu Pfingsten statt und hat einen festen Platz im Veranstaltungskalender der Stadt.800 000 Menschen standen im vergangenen Jahr an der Strecke der 113 Wagen in Kreuzberg oder feierten auf dem Straßenfest am Blücherplatz. Insgesamt kostet der Karneval der Kulturen etwa 650 000 Mark. Darin enthalten sind auch die Kosten für die Beseitigung des Mülls und für den Ordnungsdienst.Ein Drittel der Kosten übernehmen Sponsoren. Auch aus Lottomitteln wurde das Fest der Kulturen immer unterstützt. Der Großteil der Kosten wird aber durch Mieteinnahmen für die 250 Stände beim Straßenfest gedeckt.Gegen den Karneval der Kulturen gab es nie eine Gegendemonstration, gegen die Love Parade kämpfen dagegen die Umweltschützer, die den Tiergarten retten wollen.Informationen zum diesjährigen Karneval der Kuturen und auch zur Love Parade im Internet unter: www. karneval-berlin. de www. loveparade.de BLZ/MIKE FRÖHLING "Wir brauchen Sicherheit für die Love Parade. " Klaus Böger (SPD), Jugendsenator
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