Der SPD-Fraktionsvorsitzende nimmt zwei Monate nach Nieren-OP die Amtsgeschäfte wieder auf

Steinmeier ist zurück

Karl Doemens
3 Min

Berlin Die nächste Woche? "Da gibt es ein ganz normales Programm", sagen sie in der Fraktionsspitze. Eine Pressekonferenz hier, eine Podiumsdiskussion da und eine Rede im Bundestag. Das übliche Geschäft eines Oppositionsführers halt. Möglichst wenig Schlagzeilen! Und bloß keine neuen Spekulationen über angebliche Kanzlerkandidaturen: "Er will einfach seinen Job machen."Doch ganz so lautlos wird es kaum abgehen, wenn SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier nach zweimonatiger Pause an seinen Schreibtisch zurückkehrt. Den medialen Auftrieb ahnt man auch in der Partei: Nach der Bekanntgabe einer gemeinsamen Pressekonferenz von Steinmeier und SPD-Chef Sigmar Gabriel am Dienstag, bei der es offiziell um eine Einjahresbilanz der schwarz-gelben Koalition geht, sagten nacheinander Fraktionsvize Hubertus Heil und Generalsekretärin Andrea Nahles eigene Veranstaltungen an diesem Tag ab.Körperlich hat der 54-Jährige in der Auszeit, während derer er seiner kranken Frau Elke Büdenbender eine Niere spendete, einige Kilos verloren. Politisch hat er zumindest in den Augen der Öffentlichkeit durch diesen authentischen Liebesbeweis gewaltig an Gewicht gewonnen. Seit Wochen rangiert er in der Beliebtheitsskala bei Umfragen auf dem zweiten Platz hinter Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg - und weit vor dem erratisch-quirligen Hansdampf Gabriel.Von einem bevorstehenden Machtkampf zwischen den beiden Spitzengenossen will in der Partei trotzdem niemand etwas wissen. "Quatsch", heißt es im Steinmeier-Lager. "Die ergänzen sich gut", versichert ein Gabriel-Vertrauter. Tatsächlich hat sich das anfangs nicht spannungsfreie Verhältnis des instinktgesteuerten Machtpolitikers Gabriel und des äußerlich spröden Prinzipienmenschen Steinmeier offensichtlich eingependelt. Bei der Kanzlerkandidatur läuft derzeit alles auf Gabriel zu. Wenn der Parteichef trotzdem immer mal wieder andere Namen fallen lässt - darunter öfter den Steinmeiers und manchmal sogar den von Ex-Finanzminister Peer Steinbrück - dann tut er dies aus Koketterie. Steinmeier weiß das genau, und er kann damit zumindest derzeit gut leben.Gabriel mache einfach mehr Wind. Er sei "fantasievoller, wendiger und auch ruchloser", begründet ein Parteistratege vom linken Flügel die Präferenz. Er mobilisiere auch die eigene Basis. Zwar schneide Steinmeier bei den Umfragen stärker ab: "Die Leute, die ihn besser finden, wählen uns aber trotzdem nicht." Trotzdem sei Steinmeier für die Partei, die kaum noch über aktive Prominente verfügt, enorm wichtig.Tatsächlich ist das Spielfeld für Steinmeier seit seinem überraschenden Abschied im August eher größer geworden. Damals stand er als letzter Verfechter der Agenda-Politik da, der in der Debatte um die Rente mit 67 deutlich Federn lassen musste und manchen Genossen immer noch zu sehr an die Koalition mit der Union erinnerte. Einige wirre Debatten über Atom-Volksentscheide, Kandidaten-Vorwahlen und Parteiausschlüsse weiter erscheint seine Beständigkeit parteiintern als äußerst wohltuend. Und dank der zunehmenden Orientierung von CDU-Kanzlerin Angela Merkel auf die konservative Klientel etwa in der Einwanderungsdebatte fällt auch im Bundestag die Abgrenzung viel leichter.Die größte Aufgabe Steinmeiers dürfte darin liegen, die leicht orientierungslose Partei konzeptionell voranzubringen. Das auf dem Parteitag beschlossene Steuerkonzept besteht bislang nur aus einer Überschrift, und auch sonst hat die SPD zuletzt wenig Themen gesetzt. "Steinmeier hat Lust, wieder mitzumischen und den Laden auf einen vernünftigen Kurs zu bringen", heißt es in seiner Umgebung. Dazu gibt es genügend Gelegenheiten.Einen medienwirksamen öffentlichen Auftritt mit seiner Frau, deren Heilungsprozess gute Fortschritte macht, wird Steinmeier allerdings vorerst nicht absolvieren. Sie befindet sich zu Hause noch in ambulanter Behandlung.------------------------------Foto: Frank-Walter Steinmeier

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