Neue deutsche Literatur

„Der Vorweiner“ von Bov Bjerg: Bärbel Wagenweidel stürzt vom Balkon

Früher mag alles besser gewesen sein, aber künftig wird alles schlimmer. Der bös-komische Roman des Berliners Bov Bjerg überhöht unsere Probleme.

6 Min
Bov Bjerg bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse.

Bov Bjerg bei einer Lesung auf der Frankfurter Buchmesse.

© imago

Unser Jahrhundert neigt sich dem Ende zu. Vieles ist eingetroffen, wovor Klimaaktivisten, Natur- und Wirtschaftswissenschaftler gewarnt haben. Bov Bjerg, der uns mit „Auerhaus“ eine Gruppe Jugendlicher ans Herz drückte und mit „Serpentinen“ einen ziemlich verzweifelten Vater mit seinem kleinen Sohn auf Reisen schickte, lässt seinen neuen Roman in einer ungemütlichen Zukunft spielen. Nordresteuropa existiert nur noch, weil es auf einen Betonsockel gesetzt wurde. So einiges, wie zum Beispiel ein Großteil der Niederlande, ging dabei baden. Österreich ist an Vetternwirtschaft erstickt, in der Schweiz ist alles Gold verfault. „Der Vorweiner“ heißt das Buch, weil es sich mit einem für die neuen Zeiten wesentlichen Ritual beschäftigt: Die Leute der Oberschicht müssen noch zu Lebzeiten dafür sorgen, dass bei ihrer Totenfeier jemand Tränen für sie vergießt.

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