Wenn die Oberen vom Frieden reden, schrieb einmal Bertolt Brecht, dann weiß das gemeine Volk, es gibt Krieg. Wenn Politiker von Nachhaltigkeit reden, steht es schlecht um die Umwelt. Und wenn Finanzpolitiker von Stabilität reden, so ist der Zustand der Weltfinanzen eher prekär.US-Finanzminister Timothy Geithner mahnte gestern abermals Stabilität im Weltwährungssystem an und warnte davor, Währungen als Waffe zu gebrauchen. Ähnliches hört man derzeit aus vielen Hauptstädten Europas, Asiens und Lateinamerikas. Stein des Anstoßes: Immer mehr Länder sind unzufrieden mit den Wechselkursen. Zunehmend versuchen Regierungen, den Wert der heimischen Währung zu drücken und schüren damit bei den Konkurrenten den Verdacht der unlauteren Exportförderung. Denn eine schwächere Währung macht die Exporte eines Landes billiger. Schon wird von einem weltweiten "Währungskrieg" gesprochen.Diese Gefahr darf man getrost als gering einschätzen. Denn es ist gar nicht so einfach, die eigene Währung als Waffe einzusetzen. Das zeigt das Beispiel USA, die von China eine Aufwertung des Yuan fordern.Was würde passieren, wenn der Yuan auf- und der Dollar abgewertet würden? Importe aus China würden für Amerikaner wohl teurer. Doch ist es unwahrscheinlich, dass die seit Jahrzehnten schrumpfende US-Industrie dies mit eigenen Angeboten ausnutzen könnte. Die Amerikaner würden also weiter chinesische Waren kaufen, müssten dafür aber mehr bezahlen. Sie würden ein Stück ärmer, und die USA importierten sich Inflation. Und sollte Chinas Export tatsächlich schrumpfen, nähme das Land weniger Dollars ein und könnte den USA weniger Kredit geben. Das wäre ein Problem, schließlich ist Peking der größte Gläubiger Washingtons.Es ist also nicht so leicht für ein Land, den idealen Wechselkurs zu finden. Daher gibt es auch keinen Währungskrieg. Doch zeigen die Warnungen: Die Lage ist angespannter, als die recht ordentliche Konjunkturlage glauben macht. Die Erholung ist wesentlich schwächer als nach früheren Krisen, und sie lässt schon wieder nach. Zugleich sind alle Staaten hoch verschuldet, was höhere Wachstumsraten nötig macht.Die USA verlegen sich nun darauf, sich noch höher zu verschulden, um die Konjunktur anzukurbeln. Gleichzeitig werfen sie Ländern wie Deutschland vor, zu wenig für die Konjunktur zu tun. Deutschland und Europa gehen auf Sparkurs und zeihen Amerika der unsoliden Haushaltspolitik. Und beide - EU und USA - schimpfen auf Chinas Wechselkurspolitik. Peking wiederum weiß, dass die Industrie Amerikas und Europas am chinesischen Boom hängt und lässt die Beschwerdeführer abblitzen.Diese Differenzen sind derzeit nicht zu beheben und lassen sich auch durch ein häufig gefordertes Neues Weltwährungssystem nicht einfach wegregulieren. Trotz all ihrer Spannungen sollten die Staaten jedoch versuchen, auf dem heutigen Treffen des Internationalen Währungsfonds Geschlossenheit zumindest zu demonstrieren. Denn ihr Zusammenhalt ist die Basis für das Vertrauen der Weltfinanzmärkte. Und was passiert, wenn dieses Vertrauen abbröckelt, hat die jüngste Finanzkrise gezeigt.
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