Aus der Geschichte der Defa

Der Westen leuchtet: Die Karrieren des Gerhard Klingenberg

In der Defa-Komödie „Was wäre, wenn ...?“ zeigt ein DDR-Dorf sein wahres Gesicht. Der Regisseur Gerhard Klingenberg fängt dann in Österreich lieber von vorn an.

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 Alte DEFA-Filmkamera als Dekoration am Stand der Firma Wodtke

Alte DEFA-Filmkamera als Dekoration am Stand der Firma Wodtke

© imago

Wieder streckt der umtriebige Klingenberg seine Fühler aus. Unter anderem in Richtung Deutscher Fernsehfunk. Tatsächlich betraut ihn Adlershof bald mit der Regie von Fernsehspielen und Theateraufzeichnungen. Klingenberg absolviert sie mit Wiener Charme und preußischer Exaktheit: Krimis und Parodien, Komödien und Operetten. Immer gut vorbereitet, stets im Rahmen der geplanten Zeit und des vorgegebenen Budgets.

Das gefällt auch der Defa. Klingenberg hat in ihren Ateliers gerade den ersten Fernsehfilm „Spuk in Villa Sonnenschein“ abgedreht; nun soll er endlich einen großen Kinofilm inszenieren. Auf der Suche nach einem geeigneten Stoff fällt die Wahl auf ein Theaterstück von Hedda Zinner. Es heißt „Was wäre, wenn...?“, wurde gerade zum 10. Jahrestag der DDR-Gründung an elf Theatern des Landes parallel uraufgeführt und beschreibt brisante Vorgänge in einem Dorf an der Grenze zum Westen.

Dessen Bewohner werden mit dem Gerücht konfrontiert, dass ihre Gemeinde im Zuge eines Gebietsaustauschs an die Bundesrepublik ausgegliedert werden muss. Damit würden auch der Gutsherr und die alten Eigentumsverhältnisse zurückkehren. Der einstige Kammerdiener holt seine Livree hervor. Großbauern frohlocken, andere sind voller Angst. Die Jugend meutert. Erst ganz am Ende, als alle Beteiligten ihr wahres Gesicht gezeigt haben, entpuppt sich das Gerücht als Irrtum.

Klingenberg hat viel Spaß beim Drehen, er treibt das Geschehen in die aberwitzige Posse. Doch als der Film fertig ist, prasseln ideologische Einwände auf die Defa nieder. Der Reifeprozess der Bauern sei nicht realistisch erfasst. Der Film behaupte, dass die eigene politische Agitation auf dem Lande keinen Erfolg gehabt habe. Die meisten Figuren wirkten angesichts der bevorstehenden Ausgliederung an die BRD labil. Die Großbauern seien klüger als die Angestellten der LPG. Und so fort.

Das Tauziehen um „Was wäre, wenn...?“ zieht sich über Monate hin. Erst im September 1960 wird der Film in kleineren Berliner Randkinos gestartet, aber nach kurzer Zeit wieder aus dem Spielplan genommen. Gerhard Klingenberg darf zwar weitermachen, wird sogar von Wolfgang Langhoff dazu eingeladen, fortan am Deutschen Theater zu arbeiten. Dann aber wird die Mauer gebaut, er fürchtet um seine Freizügigkeit und fährt mit Westpass und Familie über die Tschechoslowakei nach Österreich zurück.

In der Bundesrepublik, wo er sich um Arbeit bemüht, erklärt ihm Egon Monk, der Fernsehspielchef des Norddeutschen Rundfunks: „Hier wartet niemand auf Sie.“ Wieder beginnt Klingenberg ganz unten. Und kommt 1971, als neuer Intendant des Burgtheaters, dann doch ganz oben an.

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