Berlin

Deutlich weniger Hausbesuche von Bereitschaftsärzten

Mehr als 400 Hausbesuche täglich absolvierten Bereitschaftsärzte der Kassenärzte in Berlin noch vor ein paar Jahren. Nun sind es weniger als halb so viele. D...

dpa
3 Min
ARCHIV - Ein Stethoskop liegt auf dem Tisch in einem Untersuchungszimmer.  ld

ARCHIV - Ein Stethoskop liegt auf dem Tisch in einem Untersuchungszimmer. ld

© Christian Charisius/dpa/Symbolbi

Den deutlichen Rückgang seit 2018 begründet die KV in der Senatsantwort vor allem mit der Anwendung einer Software. Mit deren Hilfe wird der Versorgungsbedarf von Patientinnen und Patienten am Telefon eingeschätzt. Nach einigen gezielten Fragen an der Hotline gibt das Programm Empfehlungen dazu ab, wie dringlich eine Behandlung ist und welcher Ort dafür angemessen ist. „Seit dem Einsatz dieser Ersteinschätzung konnte der Bedarf an Hausbesuchen reduziert werden“, heißt es in der Antwort. Hinzu kämen noch viele andere Begleitfaktoren, die die Zahl der Hausarztbesuche beeinflussen.

Vor der Einführung der Software 2020 sei der Bereitschaftsdienst zu allen Menschen gefahren, die einen Hausbesuch wollten, erklärte eine KV-Sprecherin auf Anfrage. „Dies ist heute anders: Wenn nach der Ersteinschätzung festgestellt wird, dass ein Besuch nicht nötig ist, dann kommt der fahrende Hausbesuchsdienst nicht mehr, was zu einer spürbaren Entlastung geführt hat.“ Zu Menschen, die so schwer krank sind, dass sie nicht selbst in eine Praxis gehen können, oder die etwa am Wochenende dringende medizinische Hilfe benötigen, werde der Hausbesuchsdienst weiterhin geschickt. Wenn die Leitstelle einen lebensbedrohlichen Fall feststellt, wird laut KV direkt der Rettungsdienst kontaktiert.

Andere Patienten würden an „die richtige Versorgungsstruktur“ verwiesen, hieß es. „Das kann der Besuch einer Hausarztpraxis am nächsten Tag sein, der Besuch einer dienstbereiten Praxis bzw. einer der elf KV-Notdienstpraxen oder das Telefongespräch mit Beratungsärzten, die in der Leitstelle der KV Berlin sitzen“, teilte die Sprecherin weiter mit. Auch die Beratungsärzte hätten einen spürbaren Anteil am Rückgang der Hausbesuchszahlen. Voriges Jahr habe es bei ihnen circa 70.000 Anrufe gegeben, wobei die Anliegen in zwei Drittel der Fälle abschließend geklärt worden seien. Das heiße, dass die Anrufer nicht zu anderen Versorgungsstrukturen mussten.

Der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, kritisierte am Donnerstag in Anbetracht der Zahlen „die schwindende Erreichbarkeit und Präsenz der kassenärztlichen Angebote“. Diese seien auch Ursachen dafür, dass Rettungsdienste und Notaufnahmen der Krankenhäuser in Berlin seit Jahren überlastet seien. Die Begründungen der KV bewertete Brysch als vorgeschoben. „Es wird Zeit, dass der Verband dem Sicherstellungsauftrag endlich wieder nachkommt.“

  • [object Object]
  • [object Object]
Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema