Kino

Deutsch-türkischer Film „Gölge“ im Sinema Transtopia: Unsichtbare Mauern

Ein frühes Beispiel deutsch-türkischen Kinos wurde frisch restauriert und ist am 19. März um 20 Uhr im Si̇nema Transtopia zu sehen.

4 Min
Am 19. März um 20 Uhr im Si̇nema Transtopia: „Gölge - Zukunft der Liebe“

Am 19. März um 20 Uhr im Si̇nema Transtopia: „Gölge - Zukunft der Liebe“

© sinema transtopia

Ein Gymnasium in Charlottenburg: Als der Geschichtslehrer in die Runde fragt, wann denn Hitler in Deutschland seine Macht voll entfalten konnte, blicken die Schüler unsicher zur Seite. Nur das türkische Mädchen Gölge hebt zaghaft die Hand, spult dann korrekt die Fakten ab. Ja, richtig, das war nach dem Tod Hindenburgs, im Sommer 1934, bestätigt der Pädagoge. Er ärgert sich dabei mehr über das Desinteresse der Klasse, als dass er sich über die Kenntnisse Gölges freuen kann. Wegen ihres Eifers gemieden, kehrt sie allein zurück nach Kreuzberg, wo sie mit ihren Eltern und der nervenden Backfisch-Schwester in einer niedrigen Zweizimmerwohnung lebt. Zwischen Esstisch, TV-Bildschirm und den klobigen Sofas, die den Geschwistern gleichzeitig als Nachtlager dienen, versucht sie täglich, sich ein paar Momente und Quadratmeter Freiraum zu erkämpfen. Sie lernt für das Abitur, ihr sehnlichster Wunsch ist es, Schauspielerin zu werden. Wenn sich der Vater allabendlich unter dem Atatürk-Porträt an der Wand mit Raki ins Koma trinkt, wenn gleichzeitig Fernseher und Radio tönen, wenn Mutter mit den Kochtöpfen klappert und sich die Eltern streiten – dann kommt auch Gölge an die Grenzen ihrer Engelsgeduld. Ihr stehen dann nur noch innere Räume als Rückzugsort zur Verfügung. Gölge träumt sich davon. Und diese Träume nehmen immer mehr Platz in ihrem Leben ein. Sie bewegt sich auf schmalem Grat zwischen weit auseinanderliegenden Welten.

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