Schrumpfendes Geschäft

Deutsche Bank setzt auf Sparkurs

Der erhoffte Aufschwung bei der Deutschen Bank lässt weiter auf sich warten.

BLZ
3 Min
John Cyran, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender, bei der Aktionärshauptversammlung.

John Cyran, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Bank, und Paul Achleitner, Aufsichtsratsvorsitzender, bei der Aktionärshauptversammlung.

© AP

Die Erträge - also die gesamten Einnahmen der Bank - sanken im Vergleich zum Vorjahreszeitraum derweil um ein Zehntel auf knapp 6,8 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Frankfurt mitteilte. „Während das Umfeld für unsere Erträge eine Herausforderung bleibt, sind wir bei unseren wichtigen Initiativen deutlich vorangekommen“, bilanzierte Vorstandschef John Cryan.

Geschäft mit Postbank nimmt Formen an

So nimmt das gemeinsame Privat- und Firmenkundengeschäft mit der Postbank Gestalt an. Ab dem zweiten Quartal 2018 sollen rund 13.000 Beschäftigte der Deutschen Bank und 17.000 Beschäftigte der Postbank unter einem rechtlichen Dach arbeiten. Für die Kunden ändert sich zunächst nichts, beide Markennamen sollen erhalten bleiben. Steuern wird die neue „Deutsche Privat- und Firmenkundenbank“ ein gemeinsames Führungsteam von den Standorten Frankfurt und Bonn aus.

Dagegen gibt die Deutsche Bank die Traditionsmarke Sal. Oppenheim auf. Die verbliebenen Kunden und Geschäfte der 1789 gegründeten Kölner Privatbank werden bis zum kommenden Jahr auf andere Bereiche der Großbank aufgeteilt. Es sei „nie gelungen, die Marke Sal. Oppenheim wieder zu alter Stärke zurückzuführen, nachdem sie noch vor dem Kauf 2009 schweren Schaden erlitten hatte“, sagte Cryan. Die Vermögensverwaltung wird nun Teil der Deutschen Asset Management, die so vor ihrem anstehenden Börsengang aufgewertet wird. Die vermögenden Privatkunden werden vom Wealth Management der Deutschen Bank bedient.

Bis 2021 keine betriebsbedingten Kündigungen

Beim Zusammenschluss mit der Postbank müssen sich Mitarbeiter und Kunden darauf einstellen, dass mittel- bis langfristig Filialen abgebaut werden. Auf betriebsbedingte Kündigungen jedoch soll in der neuen Einheit bis 30. Juni 2021 verzichtet werden. Dies ist Teil der Tarifeinigung mit den Gewerkschaften für die etwa 18.000 Beschäftigten der Postbank, der BHW-Gruppe und weiterer Töchter.

Nach Angaben der Tarifpartner vom Donnerstag sollen zudem die Gehälter in drei Schritten steigen. Rückwirkend zum 1. April 2017 gibt es 1,7 Prozent mehr Geld, zum 1. Januar 2018 dann weitere 0,9 Prozent, der dritte Schritt mit plus 2,3 Prozent ist für Januar 2019 vorgesehen. Der Tarifvertrag läuft bis mindestens zum 31. Juli 2019.

Wenig Bewegung an Kapitalmärkten

„Es liegt noch viel Arbeit vor uns, und es sind noch verschiedene konkrete Interessensausgleiche abzuschließen“, erklärte Cryan zur Integration der Postbank. „Aber ich bin zuversichtlich, dass alle Beteiligten weiterhin erfolgreich zusammenarbeiten werden, um das beste Ergebnis im langfristigen Interesse unserer Bank zu erzielen.“ Ursprünglich wollte die Deutsche Bank die Postbank verkaufen, nun will der deutsche Branchenprimus mit gemeinsamer IT und Verwaltung im umkämpften heimischen Markt schlagkräftiger werden.

Die Deutsche Bank leidet wie andere Institute unter den niedrigen Zinsen, die das klassische Einlagen- und Kreditgeschäft weniger profitabel machen. Auch die anhaltend ruhigen Kapitalmärkte machen ihr zu schaffen, weil dies die Gebühreneinnahmen schmälert.

Für das Gesamtjahr 2017 hatte die Deutsche Bank nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten schwarze Zahlen in Aussicht gestellt. Allerdings machte der Vorstand wenig Hoffnung, dass das Tagesgeschäft zum Jahresende noch anspringen wird: Die Aktivität an den Kapitalmärkten sei auch im Oktober verhalten gewesen. (dpa)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de