Wirtschaft

Deutsche Industrie streicht 2025 mehr als 124.000 Stellen – Autobranche am stärksten betroffen

Der Jobabbau in der deutschen Industrie verdoppelt sich nahezu. Eine Studie zeigt den dramatischen Beschäftigungsrückgang.

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Seit 2029 hat die deutsche Industrie 266.000 Jobs verloren.

Seit 2029 hat die deutsche Industrie 266.000 Jobs verloren.

© Jens Büttner/dpa

Die deutsche Industrie hat im vergangenen Jahr in großem Umfang Arbeitsplätze abgebaut. Laut einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY, die auf Daten des Statistischen Bundesamts basiert und Unternehmen mit mindestens 50 Beschäftigten erfasst, waren Ende 2025 noch rund 5,38 Millionen Menschen in der Industrie tätig – gut 124.000 weniger als ein Jahr zuvor. Damit fiel der Stellenabbau fast doppelt so hoch aus wie noch 2024.

Besonders schwer getroffen wurde die Automobilbranche, die allein rund 50.000 Arbeitsplätze verlor. Die Chemie- und Pharmaindustrie kam dagegen mit einem Minus von etwa 2000 Stellen vergleichsweise glimpflich davon. Auch die Papier- und Textilbranche verzeichneten deutliche Umsatzrückgänge, während Metallindustrie und Elektrotechnik gegen den Trend zulegen konnten.

„Die deutsche Industrie steckt in einer tiefen Krise", erklärte Jan Brorhilker, Managing Partner bei EY. Seit 2023 seien die Industrieumsätze um fast fünf Prozent geschrumpft. Den bisherigen Stellenabbau bezeichnete er angesichts dessen noch als moderat. Gleichzeitig stellte er klar: „Es bräuchte schon einen echten und deutlichen Aufschwung, um ein weiteres Abschmelzen der Beschäftigung zu verhindern."

Langfristiger Trend: 266.000 Jobs seit 2019 verloren

Die Studie zeigt, dass der Abwärtstrend weit über das Jahr 2025 hinausreicht. Seit dem Vor-Corona-Jahr 2019 ging die Zahl der Industriebeschäftigten um rund 266.000 zurück – ein Minus von knapp fünf Prozent. In der Automobilbranche fiel der Rückgang mit 13 Prozent oder 111.000 Arbeitsplätzen besonders drastisch aus.

Allein 2025 sank der Industrieumsatz laut EY um 1,1 Prozent. Das vierte Quartal des Jahres markierte bereits das zehnte Quartal in Folge mit rückläufigen Umsätzen.

Für 2026 rechnen die EY-Fachleute mit einer Fortsetzung des Trends. Schwache Auftragseingänge und hoher internationaler Wettbewerbsdruck dürften den Stellenabbau weiter antreiben. Hinzu komme eine steigende Zahl von Insolvenzen, insbesondere bei Automobilzulieferern, so Brorhilker. Außerdem verlagerten Autokonzerne zunehmend Produktion sowie Forschung und Entwicklung ins Ausland – „das geht auf Kosten der Arbeitsplätze in Deutschland".

Volkswirte erwarten frühestens 2027 breiten Aufschwung

Zwar prognostizieren Ökonomen für 2026 ein Wirtschaftswachstum von rund einem Prozent nach Jahren der Stagnation. Bis sich das jedoch in den Betrieben in Form neuer Arbeitsplätze niederschlägt, wird es nach Einschätzung von Volkswirten dauern. Ein breiter Aufschwung wird erst für 2027 erwartet, wenn die staatlichen Milliardenausgaben für Rüstung und Infrastruktur ihre volle Wirkung entfalten.

Marcel Fratzscher, Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), sieht die Lage ohne tiefgreifende Reformen der Bundesregierung allerdings pessimistisch. Es fehlten schlicht die Arbeitskräfte, um die Wachstumsraten der Vergangenheit wieder zu erreichen, sagte der Ökonom.

DIW-Chef plädiert für Subventionsabbau und Steuerreformen

Fratzscher spricht sich für ein umfassendes Reformpaket aus: Er fordert Steuererhöhungen und einen konsequenteren Abbau von Subventionen. Konkret schlägt er vor, Minijobs abzuschaffen und eine höhere Grundsteuer einzuführen, um den Anreiz zu erhöhen, Immobilien wirtschaftlich zu nutzen und zu entwickeln.

Darüber hinaus müssten nach Fratzschers Einschätzung sämtliche klimaschädlichen Steuersubventionen gestrichen oder zumindest gekürzt werden – darunter das Dieselprivileg, die Steuerbefreiung von Kerosin und die Pendlerpauschale. Diese machten zusammen rund 60 Milliarden Euro jährlich aus. Auch das Ehegattensplitting, das den Staat etwa 22 Milliarden Euro pro Jahr koste, solle abgeschafft werden, so der DIW-Chef.

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