Samstagnachmittag, Olympiastadion
Hertha spielt auswärts, das Stadion ist leer, doch in einer der exklusiven Logen – in diesem Fall ist es der Cooking Club – treffen sich zehn Kochteams zum Halbfinale der deutschen Meisterschaft der Hobbyköche.
Mehr als einhundert Bewerbungen gab es und bereits neun regionale Vorrunden. Einzige Bedingung war, dass die Teilnehmer keine ausgebildeten Köche sind und sich ihre Rezepte an der mediterranen Küche orientieren – und dass nach einer Stunde nicht nur das Essen fertig sein muss, sondern auch die Küche wieder sauber ist, fürs nächste Team.
Kochvorträge in der fünften Klasse
Anna Peinze und Marko Dietrich sind das Berliner Team, sie lernten sich im vergangenen Herbst nach einer Kochshow im Fernsehen kennen, da hatte sich Anna Peinze bereits für den Wettbewerb der Hobbyköche angemeldet. Also treffen sich die beiden zum Kochen, probieren aus, wie gut miteinander zurechtkommen. Es funktioniert. „Wir ergänzen uns gut“, sagt Anna Peinze.
Das Erfolgsrezept: Mediterrane Rotbarbe im Parmesanring, Oliven-Ricotta-Ravioli (mit Tintenfischtinte), marinierter Vanille-Paprika, Feigen-Tomaten-Chutney, marinierte Zucchini, lauwarme Cherrytomaten, Parmesanschaum, Tomaten-Oliven-Sorbet.
© Berliner Zeitung/ Markus Wächter
Die Biologielaborantin erzählt, dass sie gut strukturiert sei und gern nach Plan arbeite. Ihr Kochpartner Marko können wiederum schnell schnippeln und die Gerichte schön anrichten. Die beiden haben ein Vorbild: den englischen Koch Jamie Oliver. Und sie kochen gern saisonal, improvisieren gern und legen manchmal erst beim Einkaufen fest, was sie später kochen werden.
„Bei uns haben immer die Männer gekocht.“
Marko Dietrich erzählt, dass er als Kind anfing, Spiegeleier zu braten. Niemand wunderte sich. „Bei uns haben immer die Männer gekocht.“ Schon in der fünften Klasse hielt er Vorträge übers Kochen und über die verschiedenen Stufen des Garens, erzählt der Architekt und Grafikdesigner, der nebenbei eine Kochevent-Agentur betreibt.
Heute gehört Kartoffelsuppe zu seinen Favoriten, am liebsten nur halb püriert, noch mit Stückchen von Kartoffeln, Möhren und Sellerie – die Zwiebeln immer angeröstet.
Alles probieren, nichts ablehnen
Anna Peinze stand auch schon mit acht Jahren in der Küche. Sie mag Hühnerfrikassee und Kurzgebratenes, lehnt nichts ab, probiert alles aus, selbst Schweinekopfsülze. Sie kocht jeden Tag nach der Arbeit.
Am Sonnabend kurz vor 16Uhr kündigt der Moderator das Berliner Team an. Köche, Gäste und die Jury, zu ihr gehört Sternekoch Thomas Martin aus Hamburg, schauen zu. Man trinkt Weißwein und Champagner. Anna Peinze und Marko Dietrich arbeiten ruhig, konzentriert, der Ablauf steht ja auf dem Zettel. Und auch Roberto Enßlen ist bei ihnen. Der Gastronom und Kochkursleiter berät die beiden, hat die Rezeptur verfeinert und sie in den vergangenen Wochen vorbereitet.
Ein Zwischenfall: Der Herd funktionierte nicht
Anna Peinze bereitet das Tomaten-Oliven-Sorbet für die Eismaschine vor, sie knetet den Nudelteig für die Ravioli und häutet nach dem Blanchieren die Cherrytomaten. Marko Dietrich, er trägt für ein Filmprojekt eine Kamera am Kopf, schneidet flink Paprika, Feigen, Zwiebeln und Knoblauch.
Doch dann passiert etwas Unvorhergesehenes. Der Herd funktioniert nicht. Zwar leuchten alle Lämpchen und Temperaturanzeigen. Doch das sei nur der „Messe-Modus“, sagt ein Fachmann, der herbeigeeilt ist. Das Kochfeld sieht aus, als sei es in Betrieb, doch nichts wird heiß. Während der Fachmann die Gebrauchsanweisung liest, muss das Kochteam improvisieren. Sie kochen auf dem Grill und im Wok, ändern den Ablauf. Die beiden sind nervös, nichts läuft nach Plan. Roberto Enßlen beruhigt sie.
Die Jury verlängerte die Kochzeit
Nach zehn Minuten ist der Schaden am Herd behoben, die Jury entscheidet, ihre Kochzeit um genau diese Minuten zu verlängern.
Das reicht. Und überzeugt die Jury: Am Abend steht fest, dass Anna Peinze und Marko Dietrich den dritten Platz im Halbfinale belegen. Sie fliegen im Juni zum Finale nach Zypern. Dort findet zur gleichen Zeit der Gourmet Gipfel statt, ein Treffen der besten deutscher Spitzenköche.
Die Berliner Hobbyköche werden dort einen Abend lang mit den Profis kochen, etwa mit Harald Wohlfahrt und Kolja Kleeberg.
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