Umfrage

Umfrage: Deutsche sehen Zukunft positiv – doch Vertrauen in Demokratie bröckelt

Trotz Krisen blickt über die Hälfte der Deutschen optimistisch in die Zukunft – doch das Misstrauen in Politik und Demokratie wächst.

2 Min
Viele Deutsche haben kaum mehr Vertrauen in die Demokratie

Viele Deutsche haben kaum mehr Vertrauen in die Demokratie

© Kay Nietfeld/dpa

Trotz zahlreicher Krisen blickt gut jeder zweite Deutsche optimistisch in die eigene Zukunft. Das ergab eine neue Umfrage der Körber-Stiftung. 52 Prozent der Befragten stimmten dieser Aussage zu – sechs Prozentpunkte mehr als im Vorjahr und damit der höchste Wert seit fünf Jahren. Gleichzeitig offenbart die repräsentative Befragung deutliche Zweifel am Zustand der Gesellschaft: Drei Viertel der Befragten bewerteten die wirtschaftliche Lage negativ, 62 Prozent sahen die Bundesrepublik nicht ausreichend für kommende Herausforderungen gerüstet.

Im Osten sind die Zweifel noch stärker ausgeprägt: 76 Prozent zeigten sich unzufrieden mit der Bundesregierung, bundesweit waren es 64 Prozent. Auch demokratische Grundwerte gelten zwar weiterhin als wichtig – 90 Prozent nannten Gleichberechtigung, freie Wahlen und Meinungsfreiheit als zentrale Prinzipien. Doch nur noch die Hälfte der Befragten empfindet Deutschland als gerecht. Lediglich 45 Prozent äußerten großes Vertrauen in die Demokratie. Besonders kritisch fiel die Bewertung der Medien aus: Drei Viertel misstrauen ihnen, während das Vertrauen in die Wissenschaft von 64 auf 71 Prozent stieg.

Sorge um Demokratie und Kampf gegen Populismus

Die Skepsis schlägt sich auch in konkreten Forderungen nieder. 80 Prozent der Befragten betrachten Populismus als Gefahr für die Demokratie – unter AfD-Anhängern waren es nur 39 Prozent. Mehr als die Hälfte sprach sich für ein Verbot populistischer Parteien aus, 85 Prozent fordern ein härteres Vorgehen gegen Fake News. Ebenso viele sind der Ansicht, soziale Medien befeuerten Hass und Polarisierung. Zwei Drittel plädieren zudem für eine Lockerung des Datenschutzes, um Hetze im Netz wirksamer verfolgen zu können.

Der Leiter des Bereichs Demokratie und Zusammenhalt der Körber-Stiftung, Sven Tetzlaff, sieht darin ein klares Warnsignal: Viele Menschen hätten Angst um ihre Freiheit, misstrauten staatlicher Macht und verlören das Vertrauen in zentrale Institutionen. Zwar wünschten sich 94 Prozent starke Kontrollmechanismen durch Parlamente und Gerichte, doch nur 56 Prozent glaubten, dass diese aktuell wirksam seien – ein Rückgang um 19 Punkte gegenüber dem Vorjahr.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de