DFB-Elf gegen Italien

Allzweckwaffe Philipp Lahm

Die vielseitige Verwendbarkeit des Nationalelfkapitäns Lahm stört inzwischen vorgeblich nicht mal mehr Lahm selbst.

Matti Lieske
3 Min
Immer da, wo er gebraucht wird: Philipp Lahm.

Immer da, wo er gebraucht wird: Philipp Lahm.

© Reuters Lizenz

Und nun das! Erst noch zögerlich, dann immer häufiger stellte Bayerns Trainer Pep Guardiola Rafinha auf die besagte Position, was für Lahm die Emigration ins Mittelfeld bedeutete, dorthin, wo sich kleine Spieler nach Guardiolas Meinung sowieso vorzugsweise aufzuhalten haben.

Lahm seht sich nach Ruhe und Sicherheit

Manchmal darf Lahm auch wieder zurück auf den angestammten Platz, doch wann, das weiß er vorher nie. Dabei sehnt sich der mittlerweile 30-jährige Kapitän so sehr nach Ruhe und Sicherheit. „Für einen Spieler ist es am schönsten, wenn er immer dieselbe Position spielt“, sagte er gestern einen Tag vor dem Testspiel gegen Italien (20.45) in Mailand.

Doch dieses Glück ist dem ewigen Wanderer Lahm nicht vergönnt, weder im Klub noch beim Bundestrainer. Guardiola-Fußball steckt nämlich an. Vor den letzten beiden WM-Qualifikationsspielen gegen Irland und Schweden hatte Löw kategorisch erklärt, Lahm sei bei ihm Rechtsverteidiger und sonst nix.

Doch schon beim 5:3 in Stockholm wurde er wortbrüchig, als er seinen Käpt’n in der Schlussphase ins Mittelfeld beorderte, damit der mit seiner Ballgewandtheit und Ruhe einen Kollaps wie beim 4:4 im Hinspiel verhindern möge. So wird das klitzekleine Ultimatum, das Lahm kürzlich formulierte, als er Klarheit über seine Verwendung im DFB-Team anmahnte, wohl wirkungslos verpuffen.

Ohnehin will er nicht mehr viel vom Vorpreschen wissen. „Ich habe keine Probleme damit, Positionen zu wechseln“, sagte er und erinnerte an die EM 2008, wo er zunächst „eineinhalb Spiele“ als Rechtsverteidiger absolviert hatte und dann nur noch links spielte. Inzwischen kann er froh sein, wenn er eineinhalb Spiele auf derselben Position bleibt.

Auf jeden Fall Kapitän

Aber egal, wo der Bundestrainer ihn hinstellt, Kapitän bleibt Lahm in jedem Fall, weshalb ihm auch am Donnerstag im Teamhotel Il Principe di Savoia die Aufgabe zufiel, das Spiel gegen Italien historisch einzuordnen.

Gleich die erste Frage war gemein: ob er dem Bundestrainer widersprechen würde? Damit war Lahm eher selten aufgefallen, aber diesmal ließ er sich nicht lumpen. Als „Traumgegner“ hatte Löw die Italiener bezeichnet, das wollte sein Musterschüler so nicht bestätigen: „Fußballerisch ist Italien nicht mein Traumgegner, schließlich gab es da die ein oder andere bittere Niederlage.“

Drei waren es, genau gesagt, beginnend mit dem desaströsen 1:4 im März 2006 in Florenz. „Das war ein einschneidendes Spiel“, erinnerte sich auch Teammanager Oliver Bierhoff, „weil man da vom öffentlichen Druck her das Gefühl hatte, dass es bei einer weiteren Niederlage vor der WM noch Überlegungen bezüglich eines Trainerwechsels geben könnte.“ Das Team habe sich jedoch zusammengerauft, und von da an sei es nur noch bergauf gegangen.

Bergauf ging es genau bis zum Halbfinale der WM, das mit 0:2 gegen Italien verloren ging, zuletzt waren die Azzurri dann beim 1:2 im Halbfinale die Endstation auch bei der EM 2012. „Man kann schon sagen, dass Italien einer der wenigen Angstgegner von Deutschland ist“, sagte Lahm.

Von einer Revanche wollte er nicht reden, „wir können ja nicht mehr ins EM-Finale kommen“, aber warum nicht in San Siro eine neue Zeitrechnung beginnen? „Wir können damit anfangen, eine Geschichte zu bauen, in der Italien nicht mehr unser Angstgegner ist.“ Vielleicht, da Bastian Schweinsteiger und Ilkay Gündogan verletzt fehlen, ja sogar mit Philipp Lahm im Mittelfeld.

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