DFB Nationalmannschaft

Dem Jungbrunnen entstiegen

Miroslav Klose plant entschlossen seine vierte WM-Teilnahme 2014 in Brasilien

Matti Lieske
4 Min

Die Gefahr war groß, dass Miroslav Klose gleich bei der ersten Frage während der Pressekonferenz am Tag vor dem heutigen WM-Qualifikationsspiel gegen Schweden in Berlin (20.45 Uhr/ARD) einschlafen würde. „Das macht mich ein bisschen müde“, sagte er, als er auf die bösen Worte angesprochen wurde, die Uli Hoeneß kürzlich in die Richtung seines ehemaligen Angestellten gegiftet hatte. 80 Prozent seiner 65 Länderspieltore, „mindestens“, hätte Klose gegen „Liechtenstein und Co.“ geschossen, so der Präsident des FC Bayern München.

Das war völlig aus der Luft gegriffen, denn gegen Liechtenstein hat Klose überhaupt noch nie ein Tor geschossen. Ansonsten sind seine Treffer breit gestreut, wobei man Hoeneß zugestehen muss, dass etwa Spanien, Frankreich oder Brasilien noch nicht zu seinen Opfern zählen. Kann aber noch werden, denn der 34-Jährige ist wild entschlossen, bis zur WM 2014 in Brasilien durchzuhalten. „Der Weg ist noch nicht zu Ende“, sagte er in Berlin. Eine etwas vornehmere Variante seiner jüngst getätigten Aussage: „Ich werde meinen Kadaver noch ein bisschen durchschleppen.“

Kompletter Stürmer

Durchschleppen wird ihn auch Joachim Löw, solange es irgendwie geht. Das wurde sehr deutlich in den Äußerungen des Bundestrainers, nicht nur, als es um eine Replik auf die Hoeneß-Injurien ging. „Miroslav Klose hat viele wichtige Tore für Deutschland erzielt“, erklärte Löw, „insofern war das für mich nicht nachvollziehbar.“ Auch sonst ließ er keinen Zweifel daran, wie sehr er die Qualitäten des Stürmers von Lazio Rom schätzt.

„Gerade für unseren technisch ausgeprägten Fußball ist es wichtig, dass man einen Stürmer hat, der das Spiel weiterbringt“, sagte der Bundestrainer. Klose sei „ein guter Kombinationsspieler, er ist schnell und hat den Riecher, in die Räume zu gehen“. Kurzum: „Ein sehr, sehr kompletter Stürmer.“

Das klingt nicht so gut für den derzeit verletzten Mario Gomez, zumal Klose auch bei seinem Klub Lazio Rom schon wieder bestens funktioniert, während Gomez schauen muss, dass er nach seiner Genesung überhaupt wieder ins Bayern-Team findet. Fünf Treffer hat Klose in der Serie A schon erzielt, auch wenn er zuletzt mehr Aufsehen durch ein Tor erregte, das er nicht erzielt hatte. Beim Spiel gegen den SSC Neapel hatte er zwar zum vermeintlichen 1:0 getroffen, den Ball aber zuvor mit der Hand gespielt.

Nach wütenden Protesten der Neapolitaner versuchte der Schiedsrichter, zu Klose zu gelangen, was nach dessen Schilderung alles andere als einfach war. „Die gegnerische Mannschaft hat ihn umringt, und meine Mitspieler haben versucht, mich in die eigene Hälfte abzudrängen.“ Die Kollegen ahnten schon, was kommen würde. Als der Referee sich endlich befreit hatte und zum Deutschen durchdrang, gab dieser das Handspiel zu, der Treffer wurde annulliert, Lazio verlor noch 0:3. Für seine Aktion erhält Klose heute die Fair-Play-Medaille des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), den Schlitzohrpokal der Serie A kann er allerdings abschreiben. „Das war eine Selbstverständlichkeit für mich“, sagte er in Berlin, „wir haben eine Vorbildfunktion, wir müssen die Fairness im Sport bewahren.“

Vorbildlicher Sportsmann

Kommentare von Uli Hoeneß sind in dieser Sache bisher nicht überliefert, dafür wird Klose wohl in absehbarer Zeit, ob es dem Bayern-Chef passt oder nicht, Gerd Müllers Länderspieltorrekord von 68 Treffern überbieten. Wohl noch nicht in seinem 126. Match im Nationaltrikot gegen Schweden, gewiss nicht gegen Liechtenstein, aber vielleicht gegen Kasachstan, Färöer oder Österreich im nächsten Jahr. Auch was Gerd Müller angeht, der nur 62 Partien für seine 68 Treffer benötigte, erweist sich Klose natürlich als vorbildlicher Sportsmann. „Ich würde mich nie mit ihm vergleichen, das wäre ein Witz“, erklärte er, „mit ihm kann man niemanden vergleichen.“

So seltsam die Feindseligkeit von Uli Hoeneß anmutet, so deutlich ist Klose anzumerken, wie gut ihm der römische Jungbrunnen bei Lazio tut, nachdem er zuvor in München auf dem Abstellgleis gelandet war. „Es gefällt mir dort sehr, sehr gut, und ich bringe meine Leistung.“ Er genießt die Anerkennung, die er sich in der Serie A erworben hat, sich dort noch einmal durchgesetzt zu haben, erfüllt ihn sichtlich mit Genugtuung. Unbedingt zu erwarten gewesen war das nicht, aber Klose hat gelernt, in verschiedenen Systemen zu funktionieren und sein Spiel entsprechend anzupassen. Auch wem er die Wandlung vom einstigen Kopfballspezialisten zum „sehr, sehr kompletten Stürmer“ zu verdanken hat, verriet er in Berlin. „Das war bei Werder Bremen, bei Thomas Schaaf, im Zusammenspiel mit Johan Micoud, da habe ich sehr viel gelernt.“

Nicht mehr zum Einsatz kommt allerdings der Salto, mit dem er früher seine Tore zu feiern pflegte. „Es würde noch gehen“, ist Klose überzeugt, „aber ich werde es nicht versuchen, ich will ja 2014 noch dabei sein.“

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