Victoria Mauer ist Fußball-Fan, sagt sie. Die 25-Jährige hat die vergangenen vier Pokalendspiele im Berliner Olympiastadion miterlebt. Und sie wird auch am Sonnabend dabei sein, wenn Bayern München versuchen wird, seinen Titel gegen Borussia Dortmund zu verteidigen. Nur leider hat Victoria Mauer in all den Jahren nicht eine Minute Fußball auf dem Rasen sehen können. Sie musste arbeiten.
Victoria Mauer ist angestellt bei der Agentur Zaechel aus Kreuzberg. Zu den Kunden der Kreuzberger zählt seit zwölf Jahren auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB), der das Pokalfinale ausrichtet. Zum fünften Mal in Folge übernimmt die Agentur aus der Bergmannstraße dafür am Tag der Tage alle Hospitality-Dienstleistungen. Das heißt, die 50 Mitarbeiter betreuen die etwa 7 500 Gäste des DFB, die am Sonnabend Zugang zu den VIP-Bereichen im Stadion (Platz für 4 000 Gäste) und in einem 3 500 Gäste fassenden DFB-Village genannten Zeltdorf auf dem Maifeld haben. Dafür engagiert Zaechel 700 Hostessen – Victoria Mauer weist sie ein und koordiniert ihre Arbeit.
Drei Stunden vor Spielbeginn, das heißt um 17 Uhr, öffnen die VIP-Bereiche, die After-Match-Party geht dann bis mitten in die Nacht – voriges Jahr legte bei der Gelegenheit Star-DJ Paul Kalkbrenner auf. Erfahrungsgemäß ab 18 Uhr sind die VIP-Bereiche gut gefüllt. Es gibt Essen und Trinken satt. Spätestens um 20 Uhr sollen alle an ihren Sitzen auf der Haupt- beziehungsweise der Extra-Tribüne am Marathontor angekommen sein. Dann rollt der Ball.
„Wir sorgen dafür, dass alle sich wohlfühlen und alles glatt läuft“, sagt Victoria Mauer. Dazu gehöre, den Gästen nicht nur den Weg zu Toiletten, Garderobe und Stadionplatz zu zeigen, sondern bei Bedarf auch den Transport vom und zum Hotel zu organisieren. Was man so erwarten darf, wenn man 600 Euro plus x für ein Fußballspiel bezahlt.
Dortmund rechnet mit 50 000 Schlachtenbummlern
Wie viele dieser Gäste ihre Karte bezahlen, verrät der DFB nicht. Der Verband lädt Ehrengäste und Geschäftspartner ein. Aber es gibt auch Firmen, die das Spiel zur Image- und Kundenpflege nutzen und Kartenkontingente ordern. „Das DFB-Pokalfinale hat sich in den vergangenen zehn Jahren eben zu einem gesellschaftlichen Ereignis entwickelt“, sagt Zaechel-Geschäftsführer Olaf Bauer. Selbst beim eher provinziell besetzten Finale 2011, als Schalke gegen Duisburg spielte, war der VIP-Bereich ausverkauft.
Um die Versorgung der sehr wichtigen Gäste braucht sich also niemand zu sorgen. Für die Betreuung der weitaus größeren Anzahl Normalo-Fans sind die jeweiligen Finalteilnehmer zuständig, und da gibt es große Unterschiede. Borussia Dortmund rechnet mit 50 000 Schlachtenbummlern in Berlin. Nicht alle haben Stadiontickets, die zu je einem Drittel über beide Klubs und den DFB beziehungsweise den Berliner Fußballverband abgegeben wurden. Obwohl mit einem mehrheitlich schwarz-gelben Stadion gerechnet wird, werden 14 000 weitere BVB-Anhänger beim Public Viewing des Vereins im Sommergarten auf dem Messegelände erwartet. 5 Euro kostete der Eintritt, die Karten waren binnen Stunden ausverkauft.
Dagegen bietet der FC Bayern seinen Anhängern in Berlin (fast) nichts – drei Lastwagen mit Fernseher und Vereins-Merchandising an Bord stehen in der Stadt rum (davon zwei direkt vor dem Stadion), ansonsten gibt es keine Fanbetreuung, kein Public Viewing, gar nix. Auf das Ungleichgewicht gegenüber dem BVB angesprochen spricht Bayern-Sprecher Markus Hörwick von „einer gewissen Sorgfaltspflicht gegenüber unseren Fans“. Schließlich habe sich die Berliner Polizei massiv gegen einen Aufruf ausgesprochen, ohne Eintrittskarte nach Berlin zu fahren, wie es die Dortmunder vor zwei Jahren und diesmal auch wieder getan hätten.
„Wir sagen: Bitte nicht ohne Tickets nach Berlin! Damit tun wir also auch etwas für unsere Fans, wir garantieren nämlich deren Sicherheit“, sagt Hörwick. Die Berliner Polizei weist jede Einflussnahme von sich. Heiko Homolla, Sprecher der zuständigen Direktion 2, sagte, solch eine Ansage habe es weder in der Vergangenheit gegeben, noch werde es sie in der Zukunft geben. „Wir sind eine offene Stadt. Alle sind willkommen.“
Das wird erst recht für das nächste Jahr gelten. Da wird im Olympiastadion nicht nur der DFB-Pokalsieger ermittelt, erstmals erhielt die Stadt auch den Zuschlag fürs Champions-League-Finale, traditionell eine Woche danach. Zaechel-Geschäftsführer Olaf Bauer sagt, man wolle versuchen auch diesen Auftrag an Land zu ziehen. „Schließlich kennen wir uns bestens aus im Stadion.“ Und auch die Tatsache, dass bei der Champions League die Gäste aus Manchester, Madrid oder Moskau kommen könnten und nicht aus Bayern und Westfalen macht ihm keine Angst. „Berlin ist so international. Es wird kein Problem sein, entsprechende Hostessen zu bekommen“, sagt er.
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