Die amerikanischen Drogenlügner

Günther Grosser
2 Min

Der Engländer R. J. Ellory nimmt in seinem als amerikanischer Kriminalroman getarnten Politthriller "Vergib uns unsere Sünden" - ein blödsinnig-nichtssagender Titel im Vergleich zu dem eleganten "A Simple Act of Violence" des Originals - sehr viel Anlauf, mindestens zweihundert Seiten einer langwierigen Mordermittlung in Washington, bis sich dahinter urplötzlich weit über einen simplen Akt von Gewalt hinaus ragende Zusammenhänge auftun. Es sei hier nur das Stichwort "Finanzierung des Nicaraguakrieges per Drogenhandel der CIA" genannt. Das klingt schnell nach Verschwörungstheorie, Ellory allerdings breitet die Fakten so geschickt innerhalb seiner Erzählung aus - eben jener immer mysteriöser werdenden Mordermittlung - dass die Überzeugungskraft von Schritt zu Schritt wächst, auch die des Vorwurfs Ellorys, dass die Crack-Epidemie der 90er-Jahre allein der Skrupellosigkeit der Geheimdienste zu verdanken war. Man sieht ihm sogar die simple Moralistik seiner Figuren und die ewige Polizeiarbeit nach (allerdings nicht die Fehler der Übersetzung). Denn "Vergib uns unsere Sünden" ist ein hervorragendes Geschichtsbuch der anderen Art und eine brillante Illustration des Zusammenhangs von Demokratie und Gewalt. Es ist erst der zweite ins Deutsche übersetzte Roman des 45-jährigen Ellory, dem man in England lange Zeit zum Vorwurf machte, er schreibe zu amerikanisch (und umgekehrt), und man darf gespannt sein auf die anderen sechs, die der Verlag hoffentlich nachreichen wird.------------------------------R. J. Ellory: Vergib uns unsere Sünden. Aus dem Englischen von Walter Ahlers. Goldmann, München 2010. 672 S., 9,95Euro.

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