ASTANA. Die beiden Herren argumentierten von unterschiedlichen Enden des Schicksals. Bernd Storck, der deutsche Chefcoach Kasachstans, rühmte in einem wohl letzten Versuch, seine Amtszeit in Zentralasien zu verlängern, den Auftritt seiner Kasachen beim 0:3 gegen Deutschland. "Was meine Mannschaft gegen eine der besten Mannschaften der Welt geleistet hat, war unglaublich. Meine Spieler hatten Krämpfe, aber sie sind über sich hinausgewachsen. Wir sind auf einem guten Weg", befand der 47-Jährige, der nach null Punkten aus vier Qualifikationsspielen und einer Torbilanz von 0:10 jedoch schlechte Argumente hat gegenüber seinem Verband und der verblüffend angriffslustigen Sportpresse Kasachstans.Auf der anderen Seite stand Joachim Löw. Es ging auf zwei Uhr zu, als der Bundestrainer eine spontane Bilanz zog. Zunächst vom Spiel gegen Kasachstan, das den erwartbar komplizierten Verlauf genommen hatte. Angepfiffen um 23 Uhr Ortszeit, ausgetragen auf Kunstrasen unter einem geschlossenen Hallendach - schwierige Bedingungen waren das. Bloß ein Mal hatte die deutsche Auswahl vor der Anreise auf Kunstrasen trainiert. So etwas kann schiefgehen, doch wenn genug Talent im Spiel ist, kann Schönes entstehen. Allerdings mussten die Zuschauer im Fall des WM-Dritten darauf lange warten.Zum Beispiel auf die drei Stürmertore: Miroslav Klose erzielte auf Podolskis Vorlage nach zäher, torloser erster Spielhälfte das 1:0 (47.). Jener Klose also, der beim FC Bayern in dieser Saison noch ohne Bundesligatreffer ist, in Kasachstan jedoch schon sein sechstes Tor im vierten EM-Qualifikationsspiel erzielte. Der 32-Jährige spielte wie eigentlich immer für Deutschland: Mit rührendem Ernst zog er einen Sprint nach dem anderen an und war bereits in der schwachen ersten Hälfte stärkster Mann auf dem Platz.Nach dem wahrscheinlichsten deutschen Torschützen traf der unwahrscheinlichste: Das 2:0 in der 76. Minute war Mario Gomez' erstes Pflichtspieltor im Nationaldress seit seinem 5:0 beim 6:0-Sieg am 2. Juni 2007 über San Marino. Und um den Abend perfekt zu machen, legte Lukas Podolski, der die beiden ersten Treffer vorbereitet hatte, nach schönem Sololauf das 3:0 (85.) nach. Podolski ist zwar an Kummer gewöhnt und im strengen Sinne derzeit wohl auch kein echter Krisenstürmer, weil es ihm ja eigentlich nie wirklich toll geht. Doch dürfte ihm ein erfolgreiches Länderspiel angesichts des Zustands seines Vereins 1. FC Köln Kraft geben für die kommenden Aufgaben.Fünf Punkte VorsprungTatsächlich hatten vor allem die Bedingungen in Astana der deutschen Elf zu schaffen gemacht. "Die Umstände waren etwas schwieriger zu bewältigen", sagte Löw und bezog sich auf das Roll-, Flug- und Sprungverhalten des Balles beim Hallenkick auf Plastik. Die Reise durch die Zeitzonen tat ihr Übriges. Und weil die Kasachen körperlich überraschend lang Widerstand leisteten, musste die DFB-Auswahl lange leiden - trotz zahlreicher Torchancen in der ersten Hälfte. "Wir haben es versäumt, das eine oder andere Tor mehr zu schießen. Und der Gegner hätte durchaus ein paar Chancen weniger haben können", befand Löw.Lukas Podolski interessierte sich anschließend vor allem für die Bilanz, und die ist großartig: "Es zählen nur die Punkte, jetzt sind wir erstmal vorne weg." Fünf Punkte stehen die Deutschen nach vier Siegen aus vier Spielen vor Österreich, sechs sogar vor den Türken, die man eigentlich als größte Bedrohung angesehen hatte. Von einer Vorentscheidung wollte Joachim Löw zwar nicht reden, allerdings räumte er ein, einen "großen Schritt" getan zu haben: "Das ist ein komfortabler Vorsprung. Aber eine paar Spiele müssen wir schon noch gewinnen", befand der Bundestrainer.Noch ein Mal wird er seinen Kader in diesem Jahr zusammenrufen, allerdings dürfte das Freundschaftsspiel am 17. November in Göteborg gegen Schweden eine Bewährungschance für den Nachwuchs darstellen. Die Stammbesetzung darf sich auf einen Abend vor dem Fernseher freuen, verdient hat sie es sich allemal, findet Löw: "Die Mannschaft hat nach der WM Enormes geleistet. Das war sensationell."------------------------------Foto: Erlösendes Tor: Mario Gomez.
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