Die erste elektrische Bahn der Welt fuhr in Berlin

Wer machte als Erster auf der Welt Bekanntschaft mit der Elektromobilität? Es waren die Besucher einer Berliner Gewerbeausstellung vor genau 140 Jahren. Am damaligen Lehrter Bahnhof präsentierte der Erfinder Werner Siemens ein mit elektrischem Strom betriebenes Gefährt auf Schienen, das drei Wagen für je sechs Passagiere zog. Im Sommer des Jahres 1879 fuhren sogar 86.000 Menschen mit auf der kleinen ...

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Berlin - Wer machte als Erster auf der Welt Bekanntschaft mit der Elektromobilität? Es waren die Besucher einer Berliner Gewerbeausstellung vor genau 140 Jahren. Am damaligen Lehrter Bahnhof präsentierte der Erfinder Werner Siemens ein mit elektrischem Strom betriebenes Gefährt auf Schienen, das drei Wagen für je sechs Passagiere zog. Im Sommer des Jahres 1879 fuhren sogar 86.000 Menschen mit auf der kleinen 300-Meter-Runde.

Begeistert schrieb Siemens, dass sein Zug „viel Spectakel“ machte – und am liebsten hätte er sofort nach diesem Erfolg eine ganze elektrische Hochbahn-Linie in Berlin gebaut. Doch das musste warten. So wurde es dann eine Strecke draußen vor der Stadt, auf der Siemens eine erste regulär betriebene Elektro-Straßenbahn in Betrieb nahm. Das war nur zwei Jahre später, 1881, in Lichterfelde.

Es waren Soldaten, die die Elektromobilität als Pioniere nutzten. Die Bahn führte nämlich zu ihren Kasernen im Süden Berlins. Heute muss man etwas länger suchen, bis man ein kleines Denkmal für die erste E-Tram der Welt findet. Es steht seit den 1980er-Jahren nahe dem S-Bahnhof Lichterfelde-Ost an einer Straßeneinmündung und soll wohl an eine Haltestelle erinnern. Im Boden liegt ein altes Stück Schiene.

Erste elektrischer Bahn der Welt in Berlin: Viele Verkehrsgesellschaften trauten der Technik nicht 

Von der Tramlinie selbst, deren Strecke hier einst begann, ist nichts mehr zu sehen. Es gibt nur die Brücken der S- und der Fernbahn und die lange, breite Königsberger Straße, die vom östlichen Lichterfelde in den westlichen Ortsteil führt.

Genau diese Route nahm damals auch die revolutionär moderne Siemens-Bahn. Schließlich führte sie weiter bis zur heutigen Finckensteinallee.

Insgesamt zweieinhalb Kilometer hatte die erste „Elektrische“ der Welt zurückzulegen und war mit bis zu 20 Stundenkilometern schneller als eine der von Pferden gezogenen Straßenbahnen, die sonst zu dieser Zeit üblich waren. Über Stromabnehmer an den Schienenpaaren bezog das neuartige Vehikel seine Energie, an die 20 Fahrgäste fanden darin Platz.

Mit der Versuchsbahn von 1879 hatte das neue Verkehrsmittel von Siemens allerdings nichts mehr gemein – bis auf die moderne Antriebsart. Werner Siemens, damals noch nicht geadelt, setzte gegen alle Skeptiker auf den urbanen Massentransport. Er kaufte die Strecke in Lichterfelde und bewies, dass eine elektrische Bahn zuverlässig fahren kann. Denn viele Verkehrsgesellschaften trauten der Technik noch nicht.

Die Strecke zu den Kasernen hingegen gab es. Siemens übernahm sie günstig und baute sie für seine Tramlinie aus. Im Jahr 1895 entstand aus der Vorzeige-Linie sogar ein Netz, weitere Straßenbahnlinien kamen hinzu, allesamt elektrisch wie nunmehr in allen Gebieten in und um Berlin. Seine Lichterfelder Tram-Gesellschaft verkaufte Siemens ein weiteres Jahrzehnt später für 1,45 Millionen Mark an den Kreis Teltow.

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