Allein auf einer Party aufzutauchen, auf der man niemanden kennt, kann unangenehm sein. Aber dort praktisch der einzige Gast zu sein, kann schon befremdlich sein. So erging es Ende November einem Journalisten, der über ein von der EU organisiertes digitales Event berichten sollte. Die EU-Gala fand im Metaverse statt: Es gab elektronische Musik, zu der die eingeladenen Metaverse-Avatare tanzen konnten – nur, das lief nicht wie geplant.
„Nach anfänglichen verwirrten Gesprächen mit den etwa fünf weiteren Menschen, die gekommen sind, bin ich allein“, twitterte Vince Chadwick, Redakteur des Magazins Devex, an dem Abend, an dem er über die Veranstaltung berichten sollte.
Die digitale Gala war von der Abteilung für Auslandshilfe der Europäischen Kommission organisiert worden, um für die Global-Gateway-Initiative der EU zu werben.
Viel zu berichten gab es für Chadwick zwar nicht, allerdings hat er wenigstens dafür gesorgt, dass überhaupt jemand von der Online-Party der EU etwas mitbekommt. Besonders brisant angesichts des Flops, ist, dass die EU-Abteilung für die Entwicklung der Metaverse-Plattform 387.000 Euro ausgegeben hat, wie Devex berichtet: Warum so viel?
Ein Sprecher der Kommission erklärte gegenüber Devex, der Zweck des Events bestehe darin, „das Bewusstsein dafür zu schärfen, was die EU auf der Weltbühne tut“, und zwar bei 18- bis 35-jährigen, die hauptsächlich auf TikTok und Instagram zu finden und der EU gegenüber „neutral eingestellt“ seien.
Die digitale Plattform, auf der die Party stattfand, beschrieb der Sprecher der Exekutive als „ein spezielles Metaverse, in dem man die Bedeutung des Global Gateway durch eine Reihe von ‚Helden‘-Geschichten in einer virtuellen Umgebung erkunden kann“.
Das Global Gateway, das im Dezember 2021 zum Teil als Antwort auf Chinas „Belt and Road“-Initiative ins Leben gerufen wurde, ist ein rund 300 Milliarden Euro schwerer Fonds zur Verbesserung der Infrastruktur in armen Ländern in den Bereichen Digitales, Klima und Energie, Verkehr, Gesundheit und Bildung.
Schon vor dem Flop des Abends hatten einige Kommissionsmitglieder das Projekt scharf kritisiert. „Deprimierend und peinlich“, hatte einer von ihnen anlässlich der Veröffentlichung des Trailers der Plattform gegenüber Devex erklärt. „Digitaler Müll“, hatte ein anderer hinzugefügt. „Wir sagten uns. WTF? Wer hat das genehmigt?“, hatte ein Dritter gesagt. Ein vierter, dem der Preis für die gesamte Kampagne des Metaversums genannt wurde, antwortete schlicht: „Jesus“.
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