BERLIN. Es ist nicht geklärt, wo die Füchse Berlin in der kommenden Saison ihren Hauptwohnsitz haben werden. Entweder in der Max-Schmeling-Halle, ihrem Stammquartier, oder in der größeren Arena am Ostbahnhof, ihrem aktuellen Festspielsitz. Der vergangene Sonntagnachmittag dürfte im Entscheidungsprozess ein weiteres Argument gebracht haben: Während des vorerst letzten Spiels am Ostbahnhof unterlagen die Berliner dem SC Magdeburg 21:28, in der ersten Hälfte trafen sie nur sechs Mal das Tor. Nun in der Schmelinghalle benötigten die Füchse gegen den HSV Hamburg, ein anderes Spitzenteam der Bundesliga, für ihre ersten sechs Tore lediglich sechs Minuten.Die Stimmung in der Schmelinghalle war bislang eine wichtige Grundlage für den Aufschwung der Füchse. Hier fühlen sie sich heimisch, selbstsicher, etabliert, hier können sie länger am Limit spielen als anderswo. Deutlich wurde das auch gegen den Tabellen-Zweiten aus Hamburg, der in Etat, Erfahrung und Potenzial weit vor den Berlinern liegt. Die Füchse verloren das Spiel zwar am Ende klar 27:35 (16:16), aber sie begegneten einem der besten Teams Europas lange auf Augenhöhe. "In der ersten Halbzeit haben wir eine optimale Leistung geboten", sagte ihr Trainer Jörn-Uwe Lommel. "Da war ich mehr als zufrieden. Die Mannschaft hat sich hervorragend verkauft."Fremde WahlheimatDie Füchse spielten von Beginn an schwungvoll und hartnäckig, obgleich ihnen in Spielmacher Bartlomiej Jaszka und Konrad Wilczynski zwei Leitfiguren verletzungsbedingt fehlten. Nach siebeneinhalb Minuten führten sie 7:4. Insbesondere die jungen Außenspieler Martin Murawski, 20, auf links und René Boese, 25, auf rechts bewiesen, dass sie sich in den vergangenen Monaten in Technik und Taktik weiterentwickelt haben. Beide nutzten Konterchancen, so dass die Füchse die Partie bis zur Pause offen gestalten konnten. In der letzten Sekunde der ersten Hälfte erzielte Murawski den Treffer zum 16:16. Die 9 000 Zuschauer in der ausverkauften Schmelinghalle übertönten mit ihrem Jubel nun sogar den äußerst schreiwütigen Hallensprecher.Danach hob der Favorit Hamburg das Niveau, gestandene Größen wie der Franzose Bertrand Gille, der Kroate Blazenko Lackovic oder der Däne Hans Lindberg erreichten nun Normalform. Im Berliner Tor konnte Petr Stochl nicht an seine starke erste Halbzeit anschließen, im Angriff schlossen Mark Bult und Kjetil Strand im Rückraum oder Rico Göde am Kreis nicht mehr so effektiv ab wie zuvor. "Leider ist uns ein wenig die Spielführung entglitten", kommentierte Lommel.Die Hamburger konnten ihren Vorsprung langsam erhöhen. In den letzten Minuten leisteten die Füchse kaum noch Gegenwehr. Am Karfreitag treffen sie nun auf das nächste Spitzenteam, den THW Kiel, den sie in der vorigen Saison zu Hause fast bezwungen hätten. Dieses Mal findet die Partie am Ostbahnhof statt. In der neuen Wahlheimat, wo die Berliner sich bislang ein wenig fremd vorgekommen sind.------------------------------Foto: Ausgleichsjubel: Handballer Martin Murawski hat sich gut entwickelt.
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