DDR

Mauer in den Köpfen: Von Berlinern, die nicht in den anderen Teil der Stadt fahren

Er war kaum im Westen, sie kaum im Osten. Mehr als 35 Jahre nach dem Mauerfall erzählen ein Marzahner und eine Spandauerin von ihrer halben Stadt.

Albert Hammig
11 Min

Zwischen Marzahn im äußersten Nordosten und Spandau im äußersten Westen liegen knapp dreißig Kilometer. Es ist eine Strecke, die viele Berliner nie zurücklegen. Die meisten leben gefühlt ihr Leben lang im selben Kiez, und so gibt es bis heute Menschen im Westen der Stadt, die nie im Osten waren, und Menschen im Osten, die nie im Westen waren. Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall klingt das absurd. Doch es ist wahr.

Frank P., Jahrgang 1957, hat sein Leben im Osten verbracht. In die westliche Hälfte der Stadt hat es ihn nie gezogen. Gabriele Radtke, zwei Jahre jünger, ist im Westen groß geworden; den Osten hat sie ein paarmal besucht, vertraut ist er ihr nie geworden. Beide haben die Mauer erlebt und ihren Fall – und für beide ist der jeweils andere Teil Berlins ein fremdes Land geblieben. Bei ihm war das lange keine Frage der Wahl: Er durfte gar nicht hinüber. Bei ihr war es nie ein Verbot, sondern einfach ein fehlender Anlass.

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