Alles sollte recht gemütlich werden und auf jeden Fall sehr friedlich wirken, als Dieter Krauß in das kleine Bistro „Eat17“ in der Fruchthofhalle des Großmarkts Berlin an der Beusselstraße einlud. Es gab Kaffee und Schnittchen – und den Plan einer Übernahme, bei der noch nicht ganz klar ist, ob sie freundlich oder feindlich wäre.
Dieter Krauß steht der „Interessengemeinschaft Lebensmittel- und Frischecluster Berlin“ vor, zu der sich rund 100 Händler zusammengeschlossen haben. Sie wollen den landeseigenen Berliner Großmarkt am Westhafen übernehmen, um ihn fortan genossenschaftlich zu führen. Am Mittwoch informierte Krauß ansässige Großhändler über das Projekt „Selbstverwaltung“ im sogenannten Bauch von Berlin. Anfang Februar hatte die Interessengemeinschaft dem Senat ein Übernahmeangebot unterbreitet.
Eine Privatisierung des Großmarkts sei nicht geplant
Demnach will das Bündnis mit dem Land Berlin einen Erbpachtvertrag über 40 Jahre abschließen. 2,5 Millionen Euro würden die neuen Betreiber dem Land jährlich als Pacht überweisen. Laut Krauß ein Betrag, der etwa dem Gewinn entsprechen würde, den die Berliner Großmarkt GmbH jährlichen an das Land Berlin abführt und diesem zugleich eine risikofreie Einnahme sichere. Einmalig 22 Millionen Euro will die Interessengemeinschaft für die Gebäude des Großmarkts zahlen, womit sie dann auch Kreditwürdigkeit bei Banken erlangen würde.
Dass das Händlerbündnis somit die Privatisierung des Großmarkts plane, weist Krauß zurück: „Wir sind kein Immobilienunternehmen, sondern eine Genossenschaft und verstehen uns als Partner der Stadt“, sagt er. Das Bündnis wolle den Großmarkt zukunftsfähig machen. „Dafür brauchen wir aber die Freiheiten eines Eigentümer, nicht den Zwänge eines Mieters.“
Die Blumenhalle soll einem Parkplatz weichen
Bei Händlern ist das Projekt offenbar willkommen. Jetzt werde vor allem Miete kassiert, aber wenig für den Standort getan, heißt es bei Leuten, die nicht namentlich genannt werden wollen.
Heiko Gumz, Blumengroßhändler, war allerdings erstaunt, als er im „Eat 17“ erfuhr, dass die Blumenhalle nach Planungen des Bündnisses abgerissen werden soll. Nicht nur, dass dies die jüngste und modernste Halle auf dem Großmarktgelände ist, die Händler dort haben auch je 250.000 bis 500.000 Euro in die Halle investiert, bevor sie 2010 einzogen. Nun soll dort ein großer Parkplatz entstehen. Krauß versuchte zu beschwichtigen. Es sei ein Gesprächsangebot, nicht mehr.
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