Es waren zumindest deutliche Worte, die Walter Veltroni am Ende einer Krisenwoche fand. "Wir müssen uns erneuern oder wir werden scheitern", sagte der Chef der Demokratischen Partei (PD) bei einem Treffen der Parteispitze am Freitag. Immerhin trat dort nicht ein, was manche schon erwartet hatten: dass er die Zusammenkunft politisch nicht überstehen würde. Angesichts einer ganzen Reihe schwerer Korruptionsskandale, die die stärkste Partei der Opposition erschüttern, und einer schweren Niederlage bei einer Regionalwahl bewies man lieber Geschlossenheit.Doch der Kitt, der die PD zusammenhält, ist dünn und brüchig, und das ist auch, aber nicht nur Veltroni anzulasten. Denn die Partei leidet bis heute unter ihren Geburtsfehlern, die sie jetzt wieder einholen: Allzu hastig musste zusammenwachsen, was kaum zusammenpasst. Erst im Oktober vergangenen Jahres gekürt, musste Veltroni nach dem Sturz der Regierung Prodi in eine Wahl ziehen, der die Partei personell und organisatorisch kaum gewachsen war. Veltroni verlor, wenn auch achtbar, und davon hat er sich bis heute nicht erholt.Der einst als Hoffnungsträger der Linken gefeierte ehemalige Bürgermeister von Rom leidet unter Führungsschwäche. Er hat nicht einmal den Mut gefunden, einen Parteitag einzuberufen, um über die Ursachen der Niederlage zu diskutieren. Denn er muss befürchten, dass seine parteiinternen Widersacher, allen voran der mächtige einstige Außenminister Massimo D'Alema, zum Putsch gegen ihn blasen. Die in der PD vereinigten Postkommunisten und linken Christdemokraten liefern sich erbitterte Richtungskämpfe, und D'Alema lässt keine Gelegenheit aus, Veltroni vorzuführen.Der bietet ihm jede Menge offener Flanken. Er zaudert und schwankt zwischen Totalopposition und Bereitschaft zum Dialog mit Silvio Berlusconi - und bestätigt damit das verheerende Image, das die italienische Linke ohnehin hat: notorisch zerstritten, regierungsunfähig. Dass sie nun auch noch eingeholt wird von einer stattlichen Reihe von Korruptionsskandalen, ist zwar nicht Veltroni persönlich anzulasten. Die Erneuerung aber, die er auch früher schon versprochen hat, hat er bislang nicht angepackt.Selbst viele Anhänger Veltronis befürchten, dass er doch nicht der Richtige ist, um Italiens Linke zu einen und zu einer neuen sozialdemokratischen Partei zusammenzuschweißen. Nur: Alternativen sind nicht in Sicht, eine neue Generation ist noch nicht herangewachsen. Die Rolle des heimlichen Oppositionschefs übernimmt stattdessen einer, der gar nicht zur PD gehört und auch kein Linker ist: Antonio Di Pietro, der sich mit seiner Kleinpartei "Italien der Werte" als einzig nicht belastete "neue" politische Kraft inszenieren kann und immer populärer wird. Als Staatsanwalt hatte er zu Beginn der 90er-Jahre unter dem Markenzeichen "mani pulite" ("saubere Hände")die landesweiten Untersuchungen gegen Korruption und Amtsmissbrauch geleitet.Der lachende Gewinner dieses Trauerspiels heißt Silvio Berlusconi. Ausgerechnet er, der Prototyp eines neuen Politikers, der Politik und Geschäft wie kein zweiter miteinander vermengt, darf sich nicht nur politisch stärker fühlen als je zuvor. Er, der wegen Bestechung, Bilanzfälschung und anderen Delikten mehrfach vor Gericht stand, mokiert sich nun genüsslich über das "moralische Problem" der Linken. Und dreist fordert er Veltroni auf, jetzt zu beweisen, wie demokratisch seine Partei wirklich ist.
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