Die Juden als Vorbild für Muslime

Julia Gerlach
3 Min

Angela Merkels Bemerkung zum gescheiterten Multikulturalismus in Deutschland wurde von vielen arabischen Zeitungen aufgegriffen. Nur zu gut passt sie zu dem Bild, das sich derzeit viele Menschen in der arabischen Welt von Europa machen. Merkels Aussage bestätigt viele Zeitungsleser und Internet-Benutzer in ihrer Meinung, dass der Westen ein Problem mit dem Islam hat. "Warum hassen sie uns?" Diese simple Frage stellt eine Teilnehmerin des Online-Forums des Satellitensenders Al Arabija, die sich Aida nennt, und bringt damit die Sorgen vieler Menschen auf den Punkt."Es ist ungenau und verstörend, dass die Gastarbeiter immer wieder als Muslime identifiziert werden. Die Religion ist doch keine Staatsbürgerschaft. Es ist mir bewusst, dass die meisten Gastarbeiter aus der Türkei kommen, aber die deutsche Regierung sollte genaue Zahlenangaben machen über die Herkunft der Gastarbeiter. Ich vermute, dass nicht alle von ihnen Muslime sind, und es sollte die Staatsangehörigkeit und nicht ihre Religion hervorgehoben werden", so Leila Awad in einem Kommentar der Arab News aus Saudi-Arabien."Vielen politischen Beobachtern macht diese Entwicklung Sorgen, und sie befürchten ein Anwachsen der rechtsradikalen Parteien. Sie führen diese Entwicklung auf die Wirtschaftskrise zurück", so ein Beitrag auf der Webseite des Senders Al Dschasira.Auf der liberalen Internetseite Ahiwar-Dialog schreibt Kassim Habib eine lange Analyse der Islamdiskussion in Deutschland. Titel: "Sarrazin und die rassistische Hysterie gegen den Islam in Deutschland". Er kritisiert, dass die "Stimmungsmache gegen die Muslime in Deutschland und Europa Erinnerungen wachruft an das Anwachsen des populistischen Rassismus und des Hasses, der in Deutschland 1933 bis 1945 zum Faschismus führte." Dann bringt er eine Zusammenfassung der Aussagen Sarrazins im Bezug auf die Muslime und ihre Gene. Er fährt fort: "Wir in der arabischen Welt kennen uns aus mit diesen rassistischen Tendenzen. Sie wurden aus Europa übernommen. Nicht zuletzt Saddam Hussein hat einen rassistischen Krieg gegen die Kurden im Irak geführt. In Europa führte der Chauvinismus zum Krieg und zur Zerstörung. Doch es gelang der Wiederaufbau, und es kamen Millionen Menschen aus aller Welt, angelockt von dem Versprechen der Demokratie. Sie sind durch das Aufkommen des neuen Chauvinismus in Gefahr."Abdel Aziz Al Sued spannte bereits im September auf der religiösen Seite Der Islam heute den Bogen von Sarrazin über die umstrittene Preisverleihung Merkels an Kurt Westergaard bis hin zur Diskussion um die Moschee in Manhattan und forderte eine gemeinsame Strategie, mit der die islamische Welt der wachsenden Islamophobie im Westen begegnen kann: "Die Juden sind auch eine ähnliche Gruppe, und sie haben es geschafft, sich in die Mitte des Tisches zu setzen. Warum lernen wir nicht von den Juden? Sie schaffen es, ihre Interessen und Rechte durchzusetzen. Sie wehren sich gegen jegliche Aussage, die negativ gegen sie gerichtet ist. Auch wenn dies ein langer Weg für uns ist, er verspricht Erfolg". Julia Gerlach

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