Nein, besonders müde wirkt Marela Bone-Winkel nicht. Auch nicht erschöpft. Doch die Frau aus Nikolassee macht keinen Hehl daraus, dass ihre ehrenamtliche Arbeit als Chefin der Initiative "Keine Flugrouten über Berlin" zunehmend an ihren Kräften zehrt. Seitdem sie den Verband vor rund sechs Wochen ins Leben gerufen habe, arbeite sie "täglich von morgens um sechs bis tief in die Nacht", berichtet Bone-Winkel, die auch noch vier Kinder zu versorgen hat. Rund 1500 E-Mails habe sie bislang beantwortet, mehr als 50000 Unterschriften gemeinsam mit ihren Mitstreitern gesammelt. "Wir brauchen dringend Hilfe", sagt die 44-Jährige. Wobei sie vor allem die Betroffenen im Blick hat: "Von den regierenden Politikern steht uns niemand zur Seite."Es ist keine Hurra-Bilanz, die Marela Bone-Winkel zieht. "Wir haben noch nichts erreicht", sagt sie auf dem Podium im Theatersaal des Restaurants Tomasa in Zehlendorf. "Wir werden nicht informiert, wir werden für dumm verkauft." Die mehr als 350 Bürger, die auf Einladung der FDP zu dem Informationsabend gekommen sind, klatschen dennoch Beifall. Denn die Politologin sagt auch, dass sie sich nicht beirren lässt. Der Protest gehe weiter - und er werde heftiger, verspricht sie.Weitere Groß-Demos geplant"Berlin verträgt nicht besonders viel", sagt sie und warnt die Deutsche Flugsicherung (DFS), die weiterhin Flugrouten über Berlin plant: "Die Strategie-€ö weitermachen und einfach mal schauen, was passiert' wird hier nicht funktionieren." Sie ruft die Bürger dazu auf, zur nächsten Groß-Demonstration am 24.Oktober um 15 Uhr nach Teltow zu kommen, ein weiterer Protestzug ist für den 14. November in Stahnsdorf geplant. Dann werde wieder in Berlin demonstriert, wahrscheinlich im Südwesten, in Zehlendorf.Bone-Winkel spricht davon, dass sie mit "Brandenburger Freunden" zusammenarbeitet. Den bisherigen Platzhirsch in der Protestarena, den Bürgerverein Brandenburg-Berlin mit dem streitbaren Ferdi Breidbach als Ehrenvorsitzenden, meint sie damit aber nicht. Denn für Forderungen nach einem Stopp des Flughafenbaus in Schönefeld sowie einem Neustart bei Sperenberg, auf die Breidbach die neuen Initiativen einzuschwören versucht, "stehen wir nicht zur Verfügung. Uns geht es darum, die Flugrouten so zu ändern, dass Berlin umflogen wird."Klagechancen ungewissAuch von Gerichtsverfahren hält die Protest-Initiatorin nicht viel. "Wir können nicht darauf hoffen, auf dem Klageweg etwas zu erreichen", sagt sie. Der Luftrechtsexperte Elmar Giemulla, der ebenfalls auf dem Podium sitzt, mag ihr da im Prinzip nicht widersprechen. So ein Verfahren könnte fünf bis zehn Jahre dauern - und ob die Richter die Planungen so lange erst mal stoppen, wäre keineswegs sicher.Was also tun? "Die Bürger müssen ein Anhörungsverfahren erzwingen", empfiehlt Giemulla. Es widerspräche dem Rechtsstaatsprinzip, die Flugrouten unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu bestimmen. "Weiter demonstrieren und öffentlich Druck ausüben", rät Hans-Joachim Pfaff aus Stahnsdorf. "Dass ist außer Wahlen das einzige, worauf die Politik reagiert." "Wir sind das Volk", ruft Joachim Kiau, der zuvor mit mehr als 3 000 anderen Lichtenradern gegen die DFS-Pläne demonstriert hat. "Nun müssen wir vors Rote Rathaus ziehen."Große Erfolgschancen rechnet sich Kiau aber nicht aus. "Unser Protest gegen die Schließung des Flughafens Tempelhof 2008 hat auch nichts gebracht." Warum er im Fall Tempelhof nichts gegen Luftverkehr am Himmel über Berlin hatte, im Fall des neuen Schönefelder Flughafens aber schon, erklärt er nicht.------------------------------Foto: Es werden immer mehr. Bürger protestieren gegen die geplanten Flugrouten.
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