Siebzig Jahre Barbara Junge. Und Kollege Mann gratuliert in aller Öffentlichkeit. Findet’s nicht mal peinlich, falls es das sein sollte.
Dieser Mann will damit gleich auch danken. Und zwar für drei Jahrzehnte mit den „Kindern von Golzow“, die zu Filmhelden zu machen, nicht zuletzt am Schneidetisch ein Stück Arbeit war. Womit sich zeigt, dass ein Ehepaar vielleicht keinen Witz zusammen erzählen, aber doch einen gemeinsamen Film hinkriegen kann.
Da konnte es bei elf überlangen „Golzow-Filmen“ und noch dazu fünf „Nicht-Golzow-Filmen“ mit der Frau als Co-Regisseurin kaum mehr darum gehen, wer wie oft recht hatte. Eine Idee musste sich da erst einmal als die unbestritten bessere erweisen, was sich bei ihrer Verwirklichung zeigt, aber auch dann noch Ansichtssache bleibt.
Und von der Idee bis zur Premiere ist es ja überdies bekanntlich ein langer Weg. Insbesondere beim 35-mm-Filmschnitt. Barbara hat sich dieser umständlichen, zeitaufwendigen Technologie bis zuletzt aussetzen müssen, weil wir nun einmal seit 1961 für das Kino drehten und es immer wieder mit Rückgriffen aufs archivierte Material zu tun bekamen. Barbara – so der Produzent – könnte in Deutschland die Letzte gewesen sein, die so arbeitete. Zu verkaufen war der teure Schneidetisch zu Ende unserer unendlichen Geschichte jedenfalls nicht mehr. So steht er nun am Drehort im Oderbruch und trägt dazu bei, die „Ständige Filmausstellung“ der Gemeinde zum Museum zu machen.
Wenn Barbara darin noch einmal Platz nimmt, tut sie’s kaum aus Nostalgie. Besuchern lässt sich alles am besten erklären, wenn man es einfach vormacht.
Barbara habe ich, wie mitunter vermutet, nicht in Golzow kennengelernt. Aber durch „Golzow“ – als zur Dokwoche Leipzig 1966 „Elf Jahre alt“ dabei war. Lustige, preisgekrönte 29 Minuten, der dritte von 19 Filmen unserer Langzeitchronik. Wer hätte ahnen können, dass die diplomierte Russisch-Englisch-Dolmetscherin, die im Berliner Defa-Dokfilm-Studio Synchronredakteurin und -regisseurin wurde, nach dem Tode meiner langjährigen Schnittmeisterin Charlotte Beck, ab 1983 endgültig die „Kinder von Golzow“ mitgestalten würde.
2007 hat sich Barbara mit dem abschließenden Vierteiler „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute …“ aus dem Beruf verabschiedet. Als Mitglied der Akademie der Künste, als Trägerin dreier Preise für ihr/unser Lebenswerk.
Und weil sie von ganzem Herzen Schnittmeisterin war und ihr dieses Herz so viel Einsatzbereitschaft verübelte, kommt es leider immer mal wieder ein bisschen aus dem Takt. Da hat sie also ein Souvenir mit in die Rente genommen, das daran erinnert, wie es zuging, wenn die Berlinale einen gemeldeten und angenommenen Film dann auch zum Termin haben wollte, wie das zehn Mal so war.
Fragte uns doch immer mal jemand, ob die gemeinsame Arbeit unserer Ehe gut getan habe. Antwort zu Barbaras Siebzigsten.: Klar!
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