Nächsten Sonntag ist wieder Leistungsschau der Einwanderungsstadt Berlin: Menschen aus 180 Länder lassen sich während des Karnevals der Kulturen von hunderttausenden Neugierigen beim Feiern zusehen. Eine große Gruppe von Hauptstadt-Immigranten fehlt allerdings: Die Rheinländer machen nicht mit. Karnevalhits gegen HeimwehDafür können Zugewanderte aus dem Raum Köln/Bonn heute und morgen Abend im Tränenpalast heimisches Liedgut tanken. Die Kölner Mundart-Band "Höhner" wird sie mit ihren Karnevalhits "Die Karawane zieht weiter" und "Pizza Wundaba" zum Toben bringen. Gastgeber ist natürlich die "Ständige Vertretung" - jene Kneipe am Schiffbauerdamm in Mitte, in der Vertriebene beim Stängchen Kölsch Pläne schmieden, wie sie die neue Heimat der alten ein wenig angleichen können. Was dabei herauskommt, konnten die Berliner bereits im Februar erleben: Nach 43 Jahren zog erstmals wieder ein Karnevalsumzug durch die Stadt, 150 000 Menschen säumten die Strecke. Der Organisator war StäV-Inhaber Harald Grunert. Der Missionar rheinisch-katholischen Frohsinns glaubt, dass immerhin ein Drittel der Besucher des "Höhner"-Konzerts Berliner sein werden. Die Mehrheit, und daran lässt der Exil-Kneipier keinen Zweifel, wird freilich aus der Heimat kommen. Zwar verdankt die Band ihren Ruhm am Rhein vor allem Polonaise-tauglichen Hits, bei Konzerten außerhalb der närrischen Saison spielen die "Höhner" davon jedoch nur wenige. Im Laufe von beinahe dreißig Jahren im Dienste der Folklore haben die Musiker mehr als 250 rockige, mehr oder minder unverständliche Songs in ihrem Repertoire gesammelt. Dazu gehört ein ganzes Zirkusmusical. Vier Wochen lang standen die sechs gesetzten Herren in der Manege von Roncalli in Köln, und jeden Tag war das Zelt ausverkauft. Auch wenn die Musiker einmal im Jahr mit rheinischen Sinfonikern auftreten, sind die Karten in nur einer Stunde weg. "Ich muss mich sehr dran gewöhnen, dass das in Berlin anders ist", sagt Frontmann Henning Krautmacher. Hier wird sich der Tränenpalast wohl auch füllen, aber mit ein biss-chen Glück gibt es an der Abendkasse sogar noch Karten."Auch Berliner können kein G"Henning Krautmacher hält die neuen Hauptstädter in Sachen Karneval und Rheinisch-Sein aber dennoch für missionierbar, hat er doch Gemeinsamkeiten ausgemacht: "Auch Berliner sind von lebenslustiger Natur, und ein G können sie auch nicht aussprechen", sagt er. Er räumt ein, dass ein passender Soundtrack zum närrischen Treiben in Berlin noch fehlt, ist jedoch optimistisch, "dass sich das schon noch entwickelt". Ihr Konzert sieht Krautmacher durchaus als eine Pioniertat im Land der Karneval-Laien: "Wenn in zehn Jahren Berlin eine Stimmungshochburg ist, können wir sagen, dass wir von Anfang an dabei waren." Berlin-Immigrant Guido Westerwelle wird die Heimatklänge verpassen. Das, so versichert der frisch gebackene FDP-Chef, breche ihm als Rheinländer "fast das Herz".Die "Höhner": 30. und 31. Mai im Tränenpalast, Reichstagsufer 17 am Bahnhof Friedrichstraße. Beginn: 20 Uhr.PROMO Am Anfang traten die "Höhner" in Federkostümen auf, die ihre Mütter angefertigt hatten. Heute wollen sie auch als Musiker ernst genommen werden.
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