Auf der Autobahnbrücke lehnt ein Wanderstock am Geländer, darauf hängt sein breiter schwarzer Hut. Unten liegt die Leiche des jungen Wandergesellen Mario Leitgeb (Tristano Casanova). Schnell wird klar, dass der Selbstmord, auf den zuerst alles hindeutet, nur vorgetäuscht werden soll. Die Pathologin findet heraus, dass der Handwerker zuerst erschlagen, dann tot irgendwo anders heruntergeworfen und erst zuletzt an den Fuß der Autobahnbrücke geschafft wurde.Eine fremde WeltDer junge Mario - das hat der Zuschauer zuvor erfahren - ist erst vor kurzem auf Wanderschaft gegangen. Seine Mutter und sein Onkel waren tief gerührt, als er das heimatliche Dorf verlassen hat. Aber seit er sich die Kluft angezogen hat, lief irgendwie alles außer Plan. Erst hat er dem windigen Bauunternehmer Pirner die Brieftasche gestohlen und dessen wachsamen Terrier Bazi vom Dachstuhl geschmissen. Und noch vor seiner Aufnahme in die Bruderschaft vom Freien Hoffnungsschacht hat er mitansehen müssen, dass die von ihm geliebte Gesellin Franzi (Lisa Maria Potthoff) seinen Wanderbegleiter Gerry (Maximilian Brückner) bevorzugt. Und dann ist Mario plötzlich tot. Marios kurze Walz wird in rasender Geschwindigkeit dargeboten. Sobald aber die Kommissare Ivo Batic (Miroslav Nemec) und Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) ihre Ermittlungen beginnen, kehrt eine entspannte Gemächlichkeit in diesen "Tatort" des Bayerischen Rundfunks ein. Während die Münchner Polizisten langsam die Fäden entwirren, bleibt viel Zeit zum Staunen über die fremde Welt der Wandergesellen. Sie pflegen seltsame Bräuche und einen Hang zum Pathetischen. Wenn sie nicht schaffen, sitzen sie am Seeufer und lesen Verse des "oalten Hermann Hesse". Oder begehen im Wirtshaus von Kolo Koydl (Elmar Wepper) ein zünftiges Gelage. Nichtbayrischen Zuschauern wird der Zugang zum exotischen Reich der Handwerksleute durch deren ganz eigene Sprache und vor allem durch ihren exzessiven Dialektgebrauch gelegentlich stark erschwert.Die Milieustudie ist streckenweise unterhaltsam. Aber um für eine fesselnde Geschichte zu sorgen, bleibt das Personal dieses "Tatorts" letztlich zu unglaubwürdig. Die Handwerksleute, die hier präsentiert werden, scheinen nicht nur vom hintersten Hinterland, sondern nicht einmal von dieser Welt zu kommen. Das gilt vor allem für die Walzschwester Franzi, einen empfindsamen Charakter voller naiver Weltfremdheit.Franzi glaubt, dass sie verflucht sei. "Es gibt keine Flüche, Franzi. Es gibt nur Leute, die daran glauben", beruhigt sie der einfühlsame Kommissar Leitmayr. Er nimmt beschützend ihre Hand und entdeckt auch sonst seine väterlichen Gefühle für die junge Frau, die so viel durchgemacht hat. Die abgeklärten Münchner Kommissare haben überhaupt ihre Probleme mit dem skurrilen Landpersonal - mit dem hundenärrische Ausbeuter Pirner wie den Bewohnern von Marios Heimatdorf, die allesamt an Hexerei zu glauben scheinen.Dass es sich bei dem Mord um schwarze Magie handelt, schließen die Stadtpolizisten natürlich von Anfang an aus. Und machen sich daran, die verflucht umständlich konstruierten, aber ganz diesseitigen Konflikte aufzudecken, die zum Tod des Tippelbruders führten.Tatort: Tod auf der Walz; So. 20.15 ARD------------------------------Foto: Aufbruch zur Walz: Mario (r.) und Gerry machen sich auf den Weg.
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