Die Olympiabewerber für die Winterspiele 2018 ringen in Mexiko um die Gunst der IOC-Mitglieder

Tibbs übernimmt das Kommando

Jens Weinreich
4 Min

ACAPULCO Münchens Olympiabewerbern steht der bisher wichtigste internationale Auftritt bevor. In der Nacht zum Freitag (MESZ) müssen sich die drei Interessenten für die Olympischen Winterspiele 2018 zum ersten Mal einem großen Kreis von Sportfunktionären präsentieren, seit sie im Juni vom IOC-Exekutivkomitee in den Rang von Candidate Cities erhoben wurden. Auf der Vollversammlung aller 205 Nationalen Olympischen Komitees nehmen im Fairmont Acapulco Princess Hotel einige Dutzend IOC-Mitglieder teil. Für München, den Favoriten Pyeongchang (Südkorea) und Annecy (Frankreich) geht es um mehr als Sympathiepunkte. Es ist bei derlei Offerten stets wichtig, die Stimmungslage im Internationalen Olympischen Komitee auszuloten und von Beginn an einen professionellen Eindruck zu hinterlassen.Die harten innerdeutschen Auseinandersetzungen mit der Olympia-Opposition blieben dem Wahlvolk nicht verborgen. Die Schwedin Gunilla Lindberg ist Chefin der IOC-Evaluierungskommission, die Anfang 2011 die Bewerberstädte besucht. "In Demokratien sind derartige Diskussionen selbstverständlich", sagt Lindberg dieser Zeitung. "In einer freien Gesellschaft werden sie nie hundertprozentige Zustimmung haben." Für die Visite im März in München, Garmisch-Partenkirchen und Schönau kündigt sie an: "Natürlich treffen wir uns mit den Olympiagegnern."Für München gehen in Acapulco Eiskunstlauf-Olympiasiegerin Katarina Witt, Chefin des Olympia-Kuratoriums, IOC-Vizepräsident Thomas Bach (FDP), Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Olympia-Geschäftsführer Bernhard Schwank in die Bütt. Die Aufgaben sind 20 Minuten lang klar verteilt: Witt ist für Emotionen zuständig, Bach fürs Sportpolitische, Ude für Lokalkolorit, Schwank für den sporttechnischen Aspekt. Bei der Präsentation mit Video-Einlagen wird auch der neue Bewerberslogan vorgestellt. National wirbt München seit einigen Wochen mit dem Claim "die freundlichen Spiele". International soll nun der Slogan "Festival of Friendship" beeindrucken. Ein Festival der Freundschaft.Eigentlich war am Dienstag die Generalprobe angesagt. Der Engländer Jon Tibbs, der als Berater einst mit Peking (Sommerspiele 2008) und Sotschi (Winterspiele 2014) Olympiasiege feierte, übernahm im Sitzungssaal schon das Kommando. Doch als Münchens Delegation proben wollte, wurde sie von mexikanischen Technikern vertröstet. Der Saal war noch nicht fertig hergerichtet. Der Test musste um 24 Stunden verschoben werden. München passt das durchaus, denn dadurch konnte auch Christian Ude noch an der Generalprobe teilnehmen. Ude wurde am Mittwoch in Acapulco erwartet.Charme-Duell fällt ausUde hatte auf der ersten internationalen Pressekonferenz der Bewerbergesellschaft im Februar 2010 in Vancouver einen Fauxpas begangen, als er einen englischen Text vortrug und dabei behauptete, es habe auf dem Oktoberfest niemals einen ernsthaften Zwischenfall gegeben. Die Verantwortung für den Fehler, das Bombenattentat von 1980 zu unterschlagen, übernahm der Amerikaner George Hirthler. Er fertigt nicht nur die englische Version des Bewerbungsbuchs, das München im Januar 2011 beim IOC in Lausanne abgeben muss, sondern schreibt alle wichtigen Reden der Bewerber. In Acapulco choreographiert er auch die Präsentation. Es ist Hirthler etwas unangenehm, an Vancouver erinnert zu werden. "Das passiert uns nicht noch einmal", verspricht der Mann aus Atlanta, der an drei siegreichen Bewerbungen mitwirkte: Atlanta 1996, Peking 2008 und Vancouver 2010.Im Nachbarhotel probte die Konkurrenz aus Pyeongchang mehrere Stunden lang, gecoacht von Terrence Burns, einem ehemaligen Geschäftspartner von Hirthler. Auch Burns führt gleich drei Olympiasiege im Portfolio: Peking, Vancouver und Sotschi 2014. Je zwei davon errang er mit Hirthler und Tibbs, die jetzt auf der Gegenseite für München werkeln.Die Koreaner verzichten in Acapulco nun doch auf ihre Nationalheldin Kim Yu-Na. Die Eiskunstlauf-Olympiasiegerin von 2010 war eigentlich im Charme-Duell gegen Katarina Witt erwartet worden. Diese Auseinandersetzung wird es erst im Frühjahr geben: bei den Präsentationen im April auf der Branchen-Messe Sportaccord in London, vor dem IOC im Mai in Lausanne - und auf der entscheidenden IOC-Vollversammlung am 6. Juli 2011 in Durban.------------------------------Zum Rodeln nach La PlagnePyeongchang: Nach zwei gescheiterten Bewerbungen für die Austragung der Spiele 2010 und 2014 kann sich Südkorea diesmal gute Chancen ausrechnen. Für die aktuelle Bewerbung hat Kandidat Pyeongchang sein Konzept noch einmal nachgebessert. Um den Erfolg nicht zu gefährden, begnadigte die Regierung sogar den wegen Steuerhinterziehungverurteilten Lee Kun Hee, IOC-Mitglied und früher Samsung-Chef.Annecy: Ursprünglich wollte Frankreichs Nationales Olympisches Komitee für die Sommerspiele 2024 kandidieren. Vor anderthalb Jahren wurde dann jedoch Annecy als Bewerber benannt. Die Alpen-Stadt , als Außenseiter gehandelt, soll einen Teil der Wettbewerbe beherbergen. Die übrigen Veranstaltungen würden in der Mont-Blanc-Region stattfinden, die Bob- und Rodel-Rennen zum Beispiel in La Plagne.------------------------------Foto: Acapulcos Attraktion: Ein Felsenspringer demonstriert, wie der erfolgreiche Bewerber für die Spiele 2018 das olympische Feuer entfachen könnte.

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