Die sonderbare Geschichte der Herz-Jesu-Kapelle in der Pankower Parkstraße: Butzmanns Heimatkunde

Mag die Kunstszene sich verändert haben, vom Angepaßten, gar Gefälligen ist der Berliner Grafiker Manfred Butzmann weit entfernt. Der 56jährige hält es nicht für die Aufgabe des Künstlers, Wohlgefallen zu erzeugen, er betreibt "Heimatkunde", weil er überzeugt ist, daß unser Gedächtnis, unsere sinnliche Aufnahmefähigkeit und unser Erkenntnisvermögen dieses Unterrichtsfach ziemlich nötig haben. Butzmanns Grafiken und Plakate zur Heimatkunde galten zu DDR-Zeiten vor allem Mißständen in der Gesellschaft und in der Umwelt. In Bildserien zeigte er grobschlächtige Modernisierung oder Verfall, machte er scheinbare Kleinigkeiten augenfällig. Diese originellen Kunstkommentare brachten ihm etlichen Ärger mit den Funktionären ein, und für den Druck seiner Plakate muße er oft Schleichwege zu guten Druckerfreunden gehen. Die Blätter wurden dann aber Objekte der Sammlerbegierde.Für Butzmann gibt es keinen Grund, mit dem Heimatkundeunterricht aufzuhören. Noch heute entwirft er Plakate gegen den Auto-und Überflußwahn. An historischen Gemäuern reibt er in der alten Technik der Frottage Spuren der Geschichte ab, um sie auf Grafiken als "Spuren und Zeichen" von Gewesenem in Erinnerung zu rufen. Seit einigen Jahren gilt das Interesse des Künstlers einem Bauwerk an der Parkstraße am Schloßpark Niederschönhausen. In einer Bilderchronik von 1997 führte Butzmann die Herz-Jesu-Kapelle als ein vom Denkmalschutz zu Unrecht unbeachtetes und unterschätztes Bauwerk vor Augen. Zusammen mit Freunden Historikern, Chronisten und Schriftstellern aus Pankow untersuchte er die Geschichte der kleinen Kapelle. Sie vermuteten, daß das Ensemble in den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts ursprünglich als etwas völlig anderes denn als Kirche gebaut worden ist.Dokumente der SucheButzmann verfolgte die These, das flache Haus mit dem Türmchen sei dereinst als Gartenhaus für eine Höflingsfamilie nahe dem Schloß angelegt worden. Etliche bauliche Merkwürdigkeiten des heutigen katholischen Gotteshauses die Pankower Kapellengemeinde wurde 1904 Eigentümerin bestärkten seine Vermutung. Nun hat er das reichhaltige Material an Meßbilddokumenten, alten Karten sowie historischen und auch neueren Fotografien in einer Broschüre zusammengestellt: "Heimatkunde. Bilderchronik der Parkstraße". Darin feiern die couragierten Heimatkundler um Butzmann ihren kleinen Triumph. Der Denkmalschutz bestätigt ihnen in einem langen Aufsatz, dem in Archiven gefundene, aufschlußreiche Grundrißzeichnungen beigegeben sind, daß die Kapelle tatsächlich etwa um 1809 ein Gartenhaus, Jahre später umgebaut zum Sommerhaus sogar mit Eiskeller war. Offenbar ist diese bauliche Veränderung der Laune der damaligen königlichen Witwe zu verdanken. Das Wichtigste erfährt der Leser dieser Broschüre fast nebenbei: Die Nachforschungen von Butzmann und seinen Partnern über dieses Relikt der Residenzlandschaft und Gartenkultur im vorigen Jahrhundert nämlich sichert der Kirche endlich den Platz in der Liste denkmalgeschützter Pankower Bauten. Manfred Butzmann malte für dieses Heft den Gegenstand seiner vielen Heimatkunde-Stunden hinter uralten Bäumen im letzten ...

BLZ
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Mag die Kunstszene sich verändert haben, vom Angepaßten, gar Gefälligen ist der Berliner Grafiker Manfred Butzmann weit entfernt. Der 56jährige hält es nicht für die Aufgabe des Künstlers, Wohlgefallen zu erzeugen, er betreibt "Heimatkunde", weil er überzeugt ist, daß unser Gedächtnis, unsere sinnliche Aufnahmefähigkeit und unser Erkenntnisvermögen dieses Unterrichtsfach ziemlich nötig haben. Butzmanns Grafiken und Plakate zur Heimatkunde galten zu DDR-Zeiten vor allem Mißständen in der Gesellschaft und in der Umwelt. In Bildserien zeigte er grobschlächtige Modernisierung oder Verfall, machte er scheinbare Kleinigkeiten augenfällig. Diese originellen Kunstkommentare brachten ihm etlichen Ärger mit den Funktionären ein, und für den Druck seiner Plakate muße er oft Schleichwege zu guten Druckerfreunden gehen. Die Blätter wurden dann aber Objekte der Sammlerbegierde.Für Butzmann gibt es keinen Grund, mit dem Heimatkundeunterricht aufzuhören. Noch heute entwirft er Plakate gegen den Auto-und Überflußwahn. An historischen Gemäuern reibt er in der alten Technik der Frottage Spuren der Geschichte ab, um sie auf Grafiken als "Spuren und Zeichen" von Gewesenem in Erinnerung zu rufen. Seit einigen Jahren gilt das Interesse des Künstlers einem Bauwerk an der Parkstraße am Schloßpark Niederschönhausen. In einer Bilderchronik von 1997 führte Butzmann die Herz-Jesu-Kapelle als ein vom Denkmalschutz zu Unrecht unbeachtetes und unterschätztes Bauwerk vor Augen. Zusammen mit Freunden Historikern, Chronisten und Schriftstellern aus Pankow untersuchte er die Geschichte der kleinen Kapelle. Sie vermuteten, daß das Ensemble in den Anfangsjahren des 19. Jahrhunderts ursprünglich als etwas völlig anderes denn als Kirche gebaut worden ist.Dokumente der SucheButzmann verfolgte die These, das flache Haus mit dem Türmchen sei dereinst als Gartenhaus für eine Höflingsfamilie nahe dem Schloß angelegt worden. Etliche bauliche Merkwürdigkeiten des heutigen katholischen Gotteshauses die Pankower Kapellengemeinde wurde 1904 Eigentümerin bestärkten seine Vermutung. Nun hat er das reichhaltige Material an Meßbilddokumenten, alten Karten sowie historischen und auch neueren Fotografien in einer Broschüre zusammengestellt: "Heimatkunde. Bilderchronik der Parkstraße". Darin feiern die couragierten Heimatkundler um Butzmann ihren kleinen Triumph. Der Denkmalschutz bestätigt ihnen in einem langen Aufsatz, dem in Archiven gefundene, aufschlußreiche Grundrißzeichnungen beigegeben sind, daß die Kapelle tatsächlich etwa um 1809 ein Gartenhaus, Jahre später umgebaut zum Sommerhaus sogar mit Eiskeller war. Offenbar ist diese bauliche Veränderung der Laune der damaligen königlichen Witwe zu verdanken. Das Wichtigste erfährt der Leser dieser Broschüre fast nebenbei: Die Nachforschungen von Butzmann und seinen Partnern über dieses Relikt der Residenzlandschaft und Gartenkultur im vorigen Jahrhundert nämlich sichert der Kirche endlich den Platz in der Liste denkmalgeschützter Pankower Bauten. Manfred Butzmann malte für dieses Heft den Gegenstand seiner vielen Heimatkunde-Stunden hinter uralten Bäumen im letzten Herbst.

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