GÖTEBORG. Überall in der Stadt haben sie das Motto dieser U21-Europameisterschaft plakatiert. "Hur laddar du?" steht auf den Reklametafeln, darunter lächeln Gesichter, die mit den Farben der teilnehmenden Nationen bemalt sind. "Wie bereitest du dich vor?", kann man diesen mehrdeutigen schwedischen Satz übersetzen - die Anhänger sollen sich für ein Fußballfest herrichten, während die Fußballer sich in Schweden für eine große Karriere präparieren. Gleich im ersten Spiel von Göteborg trafen mit Deutschland und Spanien zwei Teams aufeinander, die zu den meist genannten Favoriten auf den Turniersieg zählen. Insofern kann das 0:0 als Enttäuschung gelten. "Beide Mannschaften können mit dem Ergebnis zufrieden sein", widersprach jedoch Torhüter Manuel Neuer dieser Deutung.Offenkundig ging es beiden Nationen auch darum, den Turnierverlauf nicht mit einer frühen Niederlage zu belasten. Der Wille zum schnellen Spiel, zum zügigen Überbrücken der Mittelfeldzone, zu einem modernen Fußball war in vielen Phasen klar zu erkennen. Allerdings gibt es nur einen schmalen Grat zwischen Tempo und Hektik, bisweilen fehlte die nötige Präzision. Und ein zu hohes Risiko wollte hier keiner eingehen. Besser als in den meisten Qualifikationsspielen war die Leistung der Deutschen in jedem Fall.Zumal die Mannschaft noch nie in dieser Zusammensetzung aufgelaufen war, besonders die Sturmformation war gewöhnungsbedürftig. Dort hatte Trainer Horst Hrubesch mit Ashkan Dejagah und Mesut Özil zwei Spieler aufgestellt, die von ihren Klubtrainern eigentlich für Mittelfeldspieler gehalten werden, der Trainer hatte den Plan, die groß gewachsenen spanischen Innenverteidiger "unten rum auszuspielen", wie er im Vorfeld erklärt hat.Das klappte dann aber erst nach einem doppelten Weckruf durch die Spanier. Zunächst musste Manuel Neuer in höchster Not gegen Chico retten (32.), und wenige Sekunden später köpfte Marc Torrejón einen Eckball an die Latte des deutschen Tores. Das DFB-Team beantworte diese Aktionen mit einem tollen Dribbling des immer stärker werdenden Özil, der aus spitzem Winkel abzog. Torhüter Sergio Asenjo konnte gerade noch eine Hand nach oben reißen (35.).Nach der Pause entwickelte das Team dann eine Dominanz, die viele ihm nicht zugetraut hätten. "In der ersten Halbzeit haben wir zu verhalten gespielt", sagte Hrubesch, "das funktioniert gegen die Spanier nicht. In der zweiten Halbzeit war es wesentlich besser." Der großartige Jerome Boateng bremste fast jeden Angriff der Iberer, und die deutschen Stürmer wurden immer gefährlicher. In der 61. Minute bediente Dejagah Özil, dessen Ball Torhüter Asenjo mit einer akrobatischen Fußabwehr von der Linie kratzte. Und nach 80 Minuten lief Özil völlig frei aufs spanische Tor zu, verlor jedoch die Nerven und schoss Asenjo an. "Ich musste unbedingt ein Tor machen", ärgerte sich der Bremer später.Es ist aber gut möglich, dass sich dieses Unentschieden in der Rückschau als Erfolg entpuppt. Verhindert zu haben, dass Spanien gewinnt, besitzt auch einen gewissen Wert, und sollte die DFB-Elf am Donnerstag gegen die Finnen gewinnen, hat sie beste Chancen, erstmals seit 1982 das Halbfinale einer U21-EM zu erreichen.------------------------------Foto: Rücken an Rücken: Andreas Beck (r.) mit José Manuel Jurado.
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