Die US-Notenbank wird am Mittwoch voraussichtlich das Ende der Niedrig-Zinsphase einläuten

Kredite werden wieder teurer

Stephan Kaufmann
4 Min

BERLIN, 28. Juni. Die Ära des leichten Geldes ist vorüber. Noch in dieser Woche wird die US-Zentralbank Fed voraussichtlich die Leitzinsen erhöhen - und damit das offizielle Ende der Niedrigzinsphase markieren. Das bedeutet höhere Zinsen für Unternehmen, Konsumenten und Häuslebauer in den USA und auf Dauer in der ganzen Welt. Ökonomen rechnen damit, dass die Fed am Mittwoch die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte auf 1,25 Prozent anheben wird - die erste Leitzinserhöhung seit vier Jahren. Ende 2000 startete die Fed angesichts von Börsencrash und Konjunkturschwäche ihren langen Zinssenkungszyklus, neun Mal drückte sie die Sätze bis auf das Rekordtief von 1,0 Prozent. Niedrigere Leitzinsen, so die Kalkulation, sollten die Kreditkosten für Unternehmen und Verbraucher drücken, Investitionen und Konsum anregen und so die Flaute überwinden.Ökonomen beunruhigtHeute sieht die Konjunkturlage in den USA wieder rosig aus. Die Wirtschaft boomt, Verbraucher konsumieren, Firmen investieren und stellen mittlerweile sogar wieder Arbeitnehmer ein - außerhalb der Landwirtschaft sind von Januar bis Mai per saldo mehr als eine Million neue Stellen geschaffen worden. In den vergangenen zwölf Monaten wuchs die Wirtschaft um rund fünf Prozent. Die Kehrseite der Medaille: Firmen nutzen den Boom, um die Preise heraufzusetzen. Die Inflation zieht an. So erwartet die Commerzbank, dass die Verbraucherpreise in den USA 2004 um etwa 2,75 Prozent steigen werden. Das bedeutet: Die Zeit ist reif für "einen Abschied vom Krisenzins in Höhe von einem Prozent", so Patrick Franke von der Commerzbank. Die US-Zentralbank werde per Zinserhöhung den Boom drosseln. Unmittelbar werden die Kapitalmärkte kaum auf die Leitzinsänderung reagieren, sie ist bereits in den Kursen enthalten. Wichtiger sind jedoch die langfristigen Folgen. Bis Ende 2005 wird die US-Zentralbank den Leitzins bis auf rund vier Prozent anheben, erwarten die meisten Volkswirte. Dies gehe einher mit einer massiven Steigerung des gesamten Zinsniveaus. Ende kommenden Jahres sollen US-Staatsanleihen wieder Renditen von über sechs Prozent bringen. Derzeit liegen sie bei 4,7 Prozent, im März waren es noch 3,7 Prozent. Ökonomen sind beunruhigt. Sie verweisen darauf, dass in den USA Staat und Unternehmen, aber auch die Haushalte massiv verschuldet sind. Mit steigenden Zinsen steigt auch ihr Schuldendienst und sie fahren Konsumausgaben - die treibende Kraft hinter dem US-Aufschwung - zurück. So rechnet die Deutsche Bank bei einer Erhöhung der US-Leitzinsen um einen Prozentpunkt mit Einbußen beim Wirtschaftswachstum von 0,9 Prozent nach zwei Jahren. Das träfe auch andere Länder, schließlich hängt die Konjunktur in Deutschland und anderen Ländern an der Wachstumslokomotive USA.Weitere Negativeffekte der Zinserhöhung sieht Andreas Rees von der HypoVereinsbank. Da der US-Kapitalmarkt der größte der Welt ist, strahlt er auf die Märkte aller anderen Länder aus. Auch dort, wo die Konjunktur vielleicht nicht boomt, könnten die Zinsen steigen. So ist in den vergangenen drei Monaten die Umlaufrendite am deutschen Anleihemarkt von 3,5 auf rund vier Prozent gestiegen. Der Grund: Investitionen und Konsum gingen zurück, "das kostet Wachstum", so Drees.Am härtesten treffe es die Tigerstaaten Südostasiens. Hier errechnet er Verluste beim Bruttoinlandsprodukt von 1,6 Prozent. In den USA führt die Zinserhöhung zu BIP-Verlusten von 1,4 Prozent, in Lateinamerika von 1,2 Prozent. Die Euro-Zone komme mit einem BIP-Minus von 0,4 Prozent noch glimpflich davon. Denn die Zinserhöhung mache Dollar-Anlagen attraktiver, dies führe zu einer Aufwertung der US-Devise, und diese wiederum helfe dem europäischen Export, der Wachstumsstütze Europas.------------------------------Wie die Kapitalmärkte reagieren // Eine Änderung der Leitzinsen in den USA oder der Euro-Zone schlägt sich in der Regel schnell auch auf die Kapitalmarktzinsen nieder. Die Entwicklung der jüngsten Zeit zeigt allerdings auch, dass die Kapitalmärkte erwartete Zinsänderungen auch schon vorwegnehmen können.------------------------------Grafik: Noch sind die US-Leitzinsen auf einem Rekordtief.------------------------------Foto: Alan Greenspan auf dem Weg in die US-Notenbank: Erstmals seit vier Jahren könnte er die Zinsen wieder anheben.

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