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Neuwahl

Die Verzweiflung vor der Neuwahl: Wen soll ich bloß wählen?

50 Prozent sind Wechselwähler, doch die extreme Polarisierung auf links und rechts macht es schwer. Ist Scholz ein Rassist, Merz ein Nazi und Wagenknecht eine Kommunistin?

13 Min
Ein Waehler geht mit seinem Hund Jogi zur Stimmabgabe in einem Wahllokal in Berlin am 12. Februar 2023.

Ein Waehler geht mit seinem Hund Jogi zur Stimmabgabe in einem Wahllokal in Berlin am 12. Februar 2023.

© Emmanuele Contini/Berliner Zeitung

„Mensch Mama, da ist doch rot“, ruft die Tochter und bleibt mit ihrem kleinen Fahrrad ängstlich an der Ampel am Bersarinplatz stehen. Dass eine Fünfjährige die eigene Mutter auf offener Straße wegen eines Fehlers anbrüllt, passiert auch in Berlin-Friedrichshain nicht ständig. Die etwa 40-Jährige könnte glatt als Filmbesetzung für eine klischeehafte Berliner Helikoptermutter durchgehen, doch bei Rot bleibt sie nicht etwa vorbildlich stehen wie ihre Tochter, sondern fährt einfach weiter. Sie ruft: „Na und! Das ist doch egal. Jetzt regiert doch dieser Trump, dieser Trottel.“ Die Tochter brüllt noch einmal: „Mensch, Mama!“, aber die Mutter ruft von der anderen Straßenseite genervt: „Nun komm schon!“

Es gibt dieses berühmte Zitat, das fälschlicherweise Kurt Tucholsky zugeschrieben wird: „Wenn Wahlen etwas ändern würden, wären sie längst verboten.“ Falsch: Auch demokratische Wahlen können radikale Veränderungen bringen – das zeigt Donald Trump gerade in den USA. Und auch in Deutschland geht gehörig die Angst um: Vor der Neuwahl reden die einen so, als drohe der Untergang der Demokratie und als könnte Alice Weidel von der AfD tatsächlich schon bald Kanzlerin werden. Andere fürchten den baldigen Untergang der heimischen Wirtschaft, wenn die Grünen erneut mitregieren sollten.

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