Die Zahlen des Umfrageinstituts Forsa für den Dezember bekräftigen das, was sich schon länger abzeichnet: Die ehemals großen Volksparteien haben in Berlin keine deutlichen Mehrheiten mehr, Grüne und Linkspartei machen CDU und SPD den jahrzehntelangen Machtanspruch nachhaltig streitig. Für die nächste Abgeordnetenhauswahl 2011 zeichnet sich ein Wettbewerb zwischen vier annähernd gleich starken Parteien um die Senatsbildung ab, die alle - FDP ausgenommen - jeweils um die 20 Prozent der Wählerstimmen für sich beanspruchen. Die aktuellen Zahlen ermittelte Forsa zwischen dem 14. und dem 22. Dezember im Auftrag der Berliner Zeitung repräsentativ unter 1 005 Berlinern:Wäre nächsten Sonntag Wahl zum Abgeordnetenhaus, würde die CDU mit 25 Prozent stärkste Partei. Die SPD käme auf 21 Prozent. Drittstärkste Kraft würden die Grünen mit 19 Prozent, gefolgt von der Linkspartei mit 18 Prozent. Die FDP bliebe deutlich kleiner und käme auf sieben Prozent.Keine Mehrheit für Rot-RotRot-Rot hat mit zusammen 39 Prozent damit erneut keine Mehrheit mehr unter den Wählern. Dieser Trend zeichnete sich bereits in früheren Umfragen und bei den letzten Wahlen ab. Die Oppositionsparteien müssten sich mit CDU, Grünen und FDP zu einem sogenannten Jamaika-Bündnis zusammenschließen, dann hätten sie - rein rechnerisch - die Mehrheit mit 51 Prozent. Rot-Rot-Grün käme sogar auf 58 Prozent. Das käme dem linken Flügel der Berliner Grünen entgegen, der größere inhaltliche Übereinstimmungen mit Rot-Rot sieht als mit den Konservativen in der CDU. Viele Grüne haben andererseits wenig Lust, als "Stützrad" einem geschwächten rot-roten Bündnis über die Runden zu helfen.Zwar haben viele in der CDU-Führung mittlerweile erkannt, dass die Grünen in großen Teilen eine bürgerliche Partei geworden sind, die zum Beispiel in Mitte oder Prenzlauer Berg mit den Christdemokraten um das gleiche Wählerklientel werben. Nach dem Sturz des bekennenden Jamaika-Freundes Friedbert Pflüger setzt der jetzige CDU-Partei- und Fraktionschef Frank Henkel jedoch vor allem darauf, der infolge interner Machtkämpfe Ende 2008 abgestürzten CDU ein eigenständiges Profil zu geben. Bislang ist es ihm so gelungen, die zerstrittene Partei zu konsolidieren und wieder, wie er betont, zur "stärksten politischen Kraft" in Berlin zu machen. Doch diese Stärke ist ohne Koalitionspartner wenig wert.Henkel stellt Bedingungen: Die Grünen müssten sich entscheiden, ob sie die eher bürgerlichen Kräfte wie den Fraktionsvorsitzenden Volker Ratzmann unterstützen, oder Linke wie den Bundestagsabgeordneten Hans-Christian Ströbele. Dieser ist in der Mitgliedschaft der CDU als möglicher Herausforderer Klaus Wowereits nicht gut gelitten. Auf die Frage, welchem namhaften Grünen-Politiker sie eine erfolgreiche Kandidatur ums Amt des Regierenden Bürgermeisters zutrauen, nannten 35 Prozent der CDU-Anhänger Ströbele. Von allen befragten Berlinern können sich dagegen immerhin 47 Prozent vorstellen, dass Ströbele bei einer Kandidatur ein gutes Ergebnis einfährt. Damit liegt er gleichauf mit dem Grünen-Bundespolitiker Cem Özdemir, der einen türkisch-schwäbischen Migrationshintergrund besitzt und in Kreuzberg wohnt.Klare Spitzenreiterin bei den Befragten für eine erfolgreiche Kandidatur um Wowereits Amt ist die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast. 60 Prozent trauen ihr eine erfolgreiche Kandidatur zu. Künast ist vielen West-Berlinern noch gut bekannt, sie hat dort als Mitbegründerin der Alternativen Liste seit Beginn der 80er-Jahre Landespolitik gemacht. 85 Prozent der Grünen-Anhänger, 74 Prozent der SPD-Wähler und sogar 57 Prozent der CDU-Wähler können sich eine erfolgreiche Künast-Kandidatur vorstellen. Für den Fraktionsvorsitzenden Volker Ratzmann entschieden sich 35 Prozent der Befragten, für den früheren Justizsenator und Bundestagsabgeordneten Wolfgang Wieland 31 Prozent. Ratzmann hat besonders viel Zuspruch unter den FDP-Anhängern (65 Prozent), eher wenige in der eigenen Partei (36 Prozent).Es wurde anhand der Liste nach dem Potenzial für eine erfolgreiche Kandidatur gefragt, nicht danach, ob man sich eine Kandidatur wünsche. In einer früheren Umfrage war mit dem gleichen Wortlaut nach einer Einschätzung über mögliche CDU-Spitzenkandidaten gefragt worden. Klar vorn lag der ehemalige Bundestagsabgeordnete Friedrich Merz. Für die Linke hatte Gregor Gysi kürzlich eine Kandidatur von Wirtschaftssenator Harald Wolf als Regierender Bürgermeister ins Gespräch gebracht. Zu diesem Zeitpunkt belegte Wolf Platz eins in der Liste der bekanntesten und beliebtesten Politiker der Stadt - das hat sich inzwischen aber wieder geändert. Seite 22------------------------------Andere MehrheitenGrafik: Umfrage (Grünen). Ginge es nach dem Willen der Berliner, wäre Renate Künast 2011 Spitzenkandidatin der Grünen - diese entscheiden aber erst im Herbst 2010 darüber.Grafik: Umfrage (Sonntagsfrage). Eine Jamaika-Koalition aus CDU, Grünen und FDP wäre laut der Forsa- Umfrage im Berliner Abgeordnetenhaus denkbar - aber auch eine rot-rot-grüne Koalition hätte derzeit eine Mehrheit.
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