Die Zukunft der Marken (20): Lotus

Der Schalk im Nacken

Clemens Niedenthal
3 Min

Eigentlich geht es in dieser Serie um Automarken, die -wie man so schön sagt -das Stadtbild prägen. Um Modelle, die man für einen Inspektionstermin in der Vertragswerkstatt nicht erst bis nach Dresden überführen müsste. Wenngleich die Fahrt dorthin mit diesem Auto zweifellos eine große Freude wäre, eine intakte Bandscheibe und die ausschließliche Benutzung von Landstraßen vorausgesetzt. Eigentlich also hat diese exzentrische Manufaktur (Jahresproduktion knapp 5000 Fahrzeuge) in dieser Serie nichts verloren.Genauso eigentlich aber steht die Marke Lotus gleich im doppelten Sinne für Antworten auf die Fragen, die die Automobilität in diesen Tagen so lauthals aufwirft. Der Tesla Roadster etwa -jenes kalifornische E-Auto mit der Lizenz zum ökoluxuriösen Statussymbol -ist nichts anderes als eine Lotus Elise mit Elektromotor.Und das hat eben einen triftigen Grund. Die Manufaktur aus der britischen Grafschaft Norfolk sorgt sich traditionell um zwischenzeitlich fast vergessene Tugenden des Automobil- und vor allem Sportwagenbaus: die Straßenlage, die Gewichtsreduktion, den funktionalen Minimalismus.Nun wird die Zukunft des Autos aller Wahrscheinlichkeit nach nicht in 1,20 Meter flachen Zweisitzern liegen, die in gut fünf Sekunden die 100-km/h-Marke knacken und aufgrund einer vorbildlich ausbalancierten Gewichtsverteilung (Mittelmotor!) wieselflink durch die Kurven wedeln -um dabei ein Handschuhfach-großes Kofferräumchen spazieren zu fahren.Wohl aber tut der Gegenwart des Automobils eine Marke gut, die solch ein Fahrgefühl nicht durch immer exzentrischere Achtzylinder mit womöglich gar doppelter Turboladung erzielt -sondern in erster Linie durch ein auf rund 750 kg reduziertes Fahrzeuggewicht. Für den sportiven Vortrieb reicht da ein kleiner und von Toyota zugekaufter Vierzylinder mit 1,6 Litern Hubraum und 136 Pferdestärken. Das sind, wohlgemerkt, Leistungsdaten aus der Golfklasse.In Zeiten des ökologischen Klima- und Stimmungswandels ist die kleine Manufaktur Lotus gewissermaßen der Schalk im Nacken der konventionellen Autokonzerne.Und ist es nicht tatsächlich so, dass plötzlich alle von der Gewichtsreduktion reden? Hier investiert BMW in ein Kohlefaserwerk, um künftig auch in der Großserie Karosserieteile aus dem leichten Rennsportmaterial einzusetzen. Dort modifiziert Citroën das Lenkrad des neuen C4, um dem dann immer noch 1270 Kilogramm schweren Kompaktklässler sieben Pfund abzutrotzen.Leicht ist also der neue Luxus. Und Lotus ist eben die Marke, die nicht wie Ferrari oder Porsche immer schwerere Luxuswagen gebaut hat, sondern mit Leichtigkeit in eine Nische gefahren ist.Schade allerdings, dass die 1952 als Rennwagenbauer und Rennstall gegründete Marke Lotus derweil die eigene Philosophie Lügen straft und etwa mit dem neuen Evora (1382 Kilogramm) einen mindestens für Lotus-Verhältnisse gewichtigen Sportwagen produziert. Ist das Grüne an Lotus am Ende also am Ende doch vor allem das "british racing green" des Firmenlogos?------------------------------Foto: Für Elise: Der Einstieg in den 750 Kilogramm leichten Lotus beginnt bei 37500 Euro.

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