Ukraine-Krieg

Diese russischen Verschwörungsmythen werden von immer mehr Deutschen geglaubt

Gehört die Ukraine eigentlich zu Russland? Gibt es eine Elite, die im Hintergrund die Fäden zieht? Immer mehr Deutsche glauben pro-russischen Erzählungen.

Sophie Barkey Team News sba
3 Min
Eine Teilnehmerin einer pro-russischen Kundgebung hält eine russische Fahne. 

Eine Teilnehmerin einer pro-russischen Kundgebung hält eine russische Fahne. 

© dpa/Roberto Pfeil

Pro-russische Verschwörungserzählungen zum Ukraine-Krieg verfangen bei immer mehr Menschen in Deutschland. Das geht aus einer Umfrage des Centers für Monitoring, Analyse und Strategie (Cemas) hervor, über die das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Mittwoch berichtet. Besonders hoch sei demnach die Zustimmung in Osten von Deutschland.

„Unsere Umfrage zeigt, dass die Verbreitung von Verschwörungserzählungen seit April signifikant angestiegen ist“, sagte die Sozialpsychologin und Cemas-Geschäftsführerin Pia Lamberty gegenüber dem RND. Die verwendeten Daten basieren dem Bericht zufolge auf einer bevölkerungsrepräsentativen Erhebung des Meinungsforschungsinstituts Bilendi & Respondi, das dafür zwischen dem 3. und dem 11. Oktober 2022 insgesamt 2228 Personen für die Studie befragt hat.

Diese Verschwörungstheorien sind hoch im Kurs

In der Umfrage stimmten 18 Prozent der bundesweit Befragten der Aussage zu, der russische Präsident Wladimir Putin gehe gegen eine globale Elite vor, die im Hintergrund die Fäden ziehe. Im April waren es noch 12 Prozent. Zudem glaubten 12 Prozent, die Ukraine habe zusammen mit den USA geheime Biolabore zur Herstellung von Biowaffen betrieben. Diese Erzählung wird von staatlichen russischen Stellen verbreitet, wurde aber nie belegt. Im April stimmten dieser Aussage noch sieben Prozent der Befragten zu. Außerdem glaubten mehr Befragte, dass der Krieg in der Ukraine notwendig geworden sei „um dort die faschistische Regierung zu beseitigen“ (von 5 auf 9 Prozent).

Der Unterschied zwischen Ost- und Westdeutschland zeigt sich etwa an der Frage, ob die Nato Russland „so lange provoziert“ habe, dass Russland „in den Krieg ziehen musste“. Dieser Aussage stimmte in Ostdeutschland etwa ein Drittel der Befragten zu. Im Westen des Landes sahen dies nur 16 Prozent so. Außerdem glaubten 14 Prozent der Ostdeutschen Umfrage-Teilnehmer, dass der Ukraine-Krieg zur Ablenkung von der Corona-Pandemie diene. Sieben Prozent der befragten Westdeutschen sahen dies so. 

Aufgeschlüsselt nach Parteiwählern zeigte sich überdies, dass besonders viele AfD-Wähler für pro-russische Verschwörungserzählungen empfänglich sind. Von ihnen stimmte fast die Hälfte den Aussagen zu, dass die Ukraine eigentlich ein Teil Russlands sei und Russland wegen der Provokationen der Nato in den Krieg habe ziehen müssen. Linke-Wähler erzielten bei diesen Fragen die zweithöchsten Zustimmungen. Bundesweit stieg die Zustimmung zur Aussage, dass Russland einen historischen Anspruch auf die Ukraine habe von acht auf 14 Prozent.

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