Diskussion über Haus der Gesundheit

Patienten wollen ihre Ärzte behalten

Mehr als 6000 Anwohner und Patienten haben sich bereits auf Unterschriftenlisten eingetragen. Ihre Forderung: Das Haus der Gesundheit an der Karl-Marx-Allee 3 muss erhalten bleiben.

Uwe Aulich
3 Min
Das Haus der Gesundheit an der Karl-Marx-Allee.

Das Haus der Gesundheit an der Karl-Marx-Allee.

© imago Lizenz

Der Klinikkonzern Sana will den traditionsreichen Standort aufgeben. Die 20 Ärzte, 60 Schwestern und Mitarbeiter sollen zum 1. Juli nach Marzahn umziehen, in ein neues Gesundheitszentrum neben dem Unfallkrankenhaus Marzahn (UKB).

Die meist älteren Patienten im Haus der Gesundheit – von den etwa 30.000 Anwohnern im Wohnviertel Karl-Marx-Allee sind zwei Drittel älter als 60 Jahre – sind beunruhigt. Der Weg nach Marzahn sei ihnen zu beschwerlich, sagen sie. Und sie glauben nicht daran, Ärzte in Mitte zu finden, die auch alte Patienten behandeln.

Das Gebiet Karl-Marx-Allee/Alexanderplatz ist unterversorgt

„Es wird schwierig, die Schließung noch zu verhindern“, sagt die Abgeordnete Carola Bluhm (Linke). Aufgeben will sie nicht. Am Haus der Gesundheit ließen sich exemplarisch die regionalen Besonderheiten bei der Berechnung von Arztstellen pro Bezirk nachweisen. Vor allem, dass trotz einer generellen Überversorgung mit Fachärzten im Bezirk Mitte das spezielle Gebiet Karl-Marx-Allee/Alexanderplatz unterversorgt sei. Zwei Ärztehäuser im Viertel sind schon geschlossen.

Über die Zukunft des Gesundheitshauses soll am heutigen Montag im Kino Babylon debattiert werden. Dazu wird auch Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) erwartet. Czaja ist mit dem Chef des UKB, Axel Ekkernkamp, eng befreundet, sogar „eng verbandelt“, wie es Bluhm ausdrückt. Beide kennen sich bestens durch die Parteiarbeit in Marzahn-Hellersdorf. Der UKB-Chef hat Czaja im Wahlkampf öffentlich unterstützt, Ekkernkamp selbst war mehrfach als möglicher Gesundheitssenator im Gespräch und als ausgewiesener Gesundheitsexperte in Schattenkabinetten etwa von Friedbert Pflüger vertreten.

Ekkernkamp war bis zu diesem Jahr im CDU-Landesvorstand und Parteivize. Czaja ist CDU-Chef in Marzahn-Hellersdorf und war viele Jahre gesundheitspolitischer Sprecher der Abgeordnetenhausfraktion. Bemerkenswert ist nun, dass Sana sein Gesundheitszentrum nicht nur verlagert, sondern die Arztstellen an Ekkernkamps UKB übertragen will, die Klinik soll das neue Zentrum betreiben. „Solch eine undurchschaubare und intransparente Situation zugunsten der wirtschaftlichen Lage des UKB ist nicht hinnehmbar“, sagt die Abgeordnete Carola Bluhm. Zumal es in unmittelbarer Nähe bereits ein großes Ärztezentrum am Elsterwerdaer Platz gibt. „Warum kooperiert das UKB nicht mit diesem Zentrum“, fragt die Abgeordnete.

KV will sich für Patienten einsetzen

Wie Susanne Roßbach, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), sagt, sei der Antrag des Hauses der Gesundheit auf Verlegung der Arztstellen beim zuständigen Zulassungsausschuss gestellt worden. Der KV liegen inzwischen auch zahlreiche Schreiben von Patienten aus Mitte vor, die sich für den Erhalt des Hauses der Gesundheit einsetzen. „Die Kassenärztliche Vereinigung Berlin ist zuversichtlich, dass die Mitglieder des Zulassungsausschusses sich bei ihrer Entscheidung davon leiten lassen, eine Lösung zu finden, die dem Wohl der Patienten in Berlin dient“, sagt Roßbach. Die KV wolle sich dafür einsetzen, könne aber dem Ausschuss keine Entscheidung vorgeben.

Eigentümerin des Hauses der Gesundheit ist die Krankenkasse AOK. Der Mietvertrag von Sana läuft noch bis zum Jahr 2015. Die Krankenkasse selbst betreibt in dem Haus ein Servicecenter sowie einen Pflegestützpunkt. Diese Einrichtungen sollen weiter bestehen bleiben. „Durch die strategische Entscheidung von Sana müssen wir nun prüfen, wie das Haus weiter genutzt werden kann“, sagt Sprecherin Gabriele Rähse. Dabei stünden alle Optionen offen. Auch ein Verkauf des Hauses wird nicht ausgeschlossen.

Debatte zum Gesundheitshaus: 15 Uhr, Kino Babylon, Rosa-Luxemburg-Str. 30.

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