Ditte Kotzian

Vom Turm auf die Matte

Die Wasserspringerin Ditte Kotzian hat ihre Profikarriere beendet. Weil sie ohne Sport nicht sein will, gibt sie nun Yogakurse in Mitte – Hot Yoga bei 38 bis 40 Grad Celsius.

Karin Bühler
4 Min
Früher sprang Ditte Kotzian den Auerbach-Salto, heute beschäftigt sie sich mit der Adlerhaltung und der Kobra.

Früher sprang Ditte Kotzian den Auerbach-Salto, heute beschäftigt sie sich mit der Adlerhaltung und der Kobra.

© Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann Lizenz

Während der Olympischen Spiele hat Ditte Kotzian viel Fernsehen geschaut: Rudern, Hockey, Tischtennis – und Wasserspringen. Natürlich. Vor vier Jahren stand sie bei den Sommerspielen in Peking selbst auf dem Dreimeterbrett. Damals krönte sie ihre Sportkarriere mit der Bronzemedaille im Synchronspringen. Olympia ist für die Berlinerin Vergangenheit. Im Mai 2009 beendete die 33-Jährige ihre Profikarriere.

Gerade steht Ditte Kotzian in einem großen Fitnessstudio mit einem dunkel-lila Smoothie-Mix aus Apfel, Banane und Rote Bete in der Hand vor dem Programm ihrer Zukunft. Es erscheint auf einem Wand-Bildschirm. Ditte Kotzian braucht bloß den Touchpoint zu berühren, dann taucht dort ihr Hot-Yoga-Stundenplan auf. „Klasse, nicht?“, findet sie.

Das Fitnessstudio in Mitte feiert Wiedereröffnung. Zwischen Beinpressen, Ergometern und Laufbändern spielt das Mitte-Publikum Indoor-Golf. Kotzian weist darauf hin, dass dieses Fitnessstudio in Berlin das einzige mit integriertem Hot-Yoga-Raum sei. Der Boden dort drinnen glänzt neu und weiß, an der Wand sind Spiegel angebracht. Kotzian hat den Yoga-Bereich hier aufgebaut. Am 1. Oktober wechselte sie als Generalmanagerin in den 2500 Quadratmeter großen Fitnesstempel an der Friedrichstraße.

Wie in der Biosauna

In ihrem Sport wollte sie nicht bleiben. Ohne Sport wollte sie nicht sein. Sie hat sich für eine sportive Trendvariante entschieden, die aus den USA importiert wurde. „In Deutschland kommt Hot Yoga gerade erst so richtig an“, sagt Kotzian. „Es ist wie Yoga in der Biosauna.“

Und es ist umstritten, weil die Serie von 26 Yoga-Übungen bei kreislaufbelastenden 38 oder gar 40 Grad Celsius erfolgt. Kotzian sagt, Hot Yoga sei für gesunde Menschen ungefährlich; beim Hot Yoga werde der Körper leer, „man kommt in den Geist rein. Es ist die einzige körperliche Betätigung, bei der man nachher viel mehr Energie hat als davor.“

In der Hitze rechtzeitig Pause zu machen, das habe viel mit dem Ego der Menschen zu tun. „Ob man sich überwindet. Sich eine Pause gönnt. Der Ehrgeiz steht nicht an erster Stelle.“ Besonders für Männer sei das eine Herausforderung.

Kotzian hatte zuletzt in einem Hot-Yoga-Studio in Friedrichshain gestresste Geschäftsleute und Manager mit Burn-out-Syndrom in ihren Kursen. „Denen hat das sehr gut getan.“

So wie ihr selbst die Yogalehrer-Ausbildung, die mit Persönlichkeitstraining und Business-Coaching verbunden war. Einer neuen Art, sich dem eigenen Körper und den Fragen zu stellen, die sie beschäftigen. Vor allem nach 25 Jahren Leistungssport, nach 30 deutschen Meistertiteln, nach etlichen Medaillen bei Europa- und Weltmeisterschaften und nach der immergleichen Mühle aus Training, Schule, Wettkampf, Training, Studium, Wettkampf – nach 10.000 Sprüngen bei 1400 Trainingsstunden Jahr für Jahr beim Berliner TSC.

Hot Yoga von Bikram Chaudry

Kotzian hat neben dem Wasserspringen Sportwissenschaften studiert, dazu ein paar Jahre Englisch. Sie hätte als Trainerin im Wasserspringen arbeiten können. „Aber die Trainer im Leistungssport sind für das, was sie leisten, nicht gut bezahlt“, sagt sie. Früher, zu DDR-Zeiten, da habe sich die Nation über Sport definiert, Sport sei ein Kulturgut gewesen. „Trainer war ein großer Beruf.“ Mittlerweile sieht Kotzian ihre Zukunft eher im Fitness- und Gesundheitssport, im privatwirtschaftlich organisierten Bereich. „Ich musste einfach aus dem System raus, in dem ich 25 Jahre drinnen war“, sagt sie.

Auszeiten hat sie schon immer gebraucht: Als DJane Rubina Pink legte sie bei Partys auf. „Ich wollte mich nicht auf den Sport reduzieren. Ich wollte herausfinden, was mir gefällt.“ Also fuhr sie Motorrad, ging Snowboarden, erlebte London während eines Auslandsjahres. Jetzt setzt sie sich mit Hot Yoga auseinander, das der Inder Bikram Chaudry für Menschen entwickelt hat, die an Zivilisationskrankheiten leiden.

Demnächst reist Ditte Kotzian für fünf Wochen nach Bali. Sie will dort einen Workshop besuchen. Yoga natürlich. Sie will sich sammeln, um ihre neuen Aufgaben mit hundert Prozent Engagement anzugehen.

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