Dogan Akhanli: Angela Merkel sieht Missbrauch von Interpol

Auch nach der Entlassung des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli aus spanischem Gewahrsam hält in Deutschland die Empörung über das Vorgehen der Türkei gegen den Regimekritiker und Menschenrechtsaktivisten an.

BLZ
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Köln/Berlin - Auch nach der Entlassung des Kölner Schriftstellers Dogan Akhanli aus spanischem Gewahrsam hält in Deutschland die Empörung über das Vorgehen der Türkei gegen den Regimekritiker und Menschenrechtsaktivisten an.

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kritisierte die auf Betreiben der Türkei erfolgte Festnahme Akhanlis während seines Urlaubs in Granada. „Aus meiner Sicht geht das nicht“, sagte Merkel im Sender RTL.

Sie sprach von einem „Missbrauch internationaler Organisationen“ durch die Türkei. Die spanische Polizei hatte Akhanli am Samstag auf Grundlage eines Vermerks der internationalen Polizeibehörde Interpol festgenommen. Mit einer „Red Notice“ kann ein Staat andere Länder um eine Festnahme bitten.

Akhanli kam am Sonntag in Madrid frei, darf die Stadt aber vorerst nicht verlassen. Eine Auslieferung an die Türkei gilt zwar als unwahrscheinlich, ist aber nicht vom Tisch. Das Verfahren kann sich über Wochen hinziehen. Akhanli lebt seit 25 Jahren in Deutschland und hat nur den deutschen Pass.
Merkel sagte, sie sei „sehr froh“ über Akhanlis Freilassung. Die Bundesregierung sei mit Spanien im Kontakt. „Ich würde auch jederzeit den Ministerpräsidenten anrufen.“

NRW-Ministerpräsident Armin Laschet sagte dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ nach einem Telefonat mit Akhanli am Sonntagnachmittag, er hoffe auf eine baldige Rückkehr nach NRW. „Dogan Akhanli ist ein Schriftsteller der Freiheit – und dort gehört er auch hin. Wir wenden uns entschieden gegen Versuche der türkischen Regierung, regimekritische Stimmen mundtot zu machen.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz griff den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan scharf an. Dessen Verhalten trage „inzwischen paranoide Züge“. Auf Empörung quer durch die Parteien stießen überdies erneute Ausfälle Erdogans gegen deutsche Politiker nach seiner Einmischung in den Wahlkampf am Ende der vorigen Woche.

Die Kölner OB Henriette Reker nannte es „unerträglich“, wenn Schriftsteller und Journalisten wegen ihrer kritischen Haltung vom türkischen Staat in die Nähe von Terroristen gerückt würden.

Das weitere Vorgehen liegt zunächst bei der spanischen Justiz. Nur falls diese eine Auslieferung an die Türkei für zulässig hält, entscheidet die spanische Regierung. Die Bundesregierung dringt darauf, einbezogen zu werden. Deutschland kann aber nur diplomatisch vorgehen. Die Türkei habe 40 Tage Zeit für einen Auslieferungsantrag, so eine Sprecherin des Justizministeriums.

Was Akhanli vorgeworfen wird, ist unklar. Ein Freispruch in einem fragwürdigen Raubmord-Prozess wurde 2013 aufgehoben. In seinen Werken befasst sich der 1957 geborene und vor seinem Gang ins Exil politisch verfolgte Autor häufig mit dem Völkermord an den Armeniern vor 100 Jahren. Die Schriftstellervereinigung PEN bewertete das aktuelle Vorgehen Ankaras als „eindeutig politisch motiviert“. (mit dpa, afp)

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