Inmitten des anhaltenden Handelskonflikts hat US-Präsident Donald Trump nach Angaben Pekings mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping telefoniert. Das berichtete Chinas staatliche Nachrichtenagentur Xinhua. Näheres war zunächst nicht bekannt. Es war das erste bekannte Telefonat der beiden Präsidenten seit Trumps Amtsantritt im Januar. Sie hatten wenige Tage vor Trumps Vereidigung miteinander gesprochen, nicht aber danach – soweit öffentlich bekannt ist.
Trump war Berichten zufolge sehr daran interessiert, mit Xi zu sprechen, da sich die angespannten Handelsbeziehungen zwischen den beiden Ländern in der vergangenen Woche weiter verschlechtert hatten. Am Vortag hatte der US-Präsident auf seiner Plattform Truth Social erklärt, dass er Xi möge, es aber „außergewöhnlich schwierig“ sei, mit dem chinesischen Amtskollegen einen „Deal“ zu machen.
Während Washington und Peking nach konstruktiven Gesprächen in der Schweiz im vergangenen Monat die Zölle auf die Waren des jeweils anderen Landes vorübergehend senkten, ist diese vorläufige Vereinbarung inzwischen in Gefahr. Die Trump-Regierung warf Peking öffentlich vor, seine Zusage, den Export kritischer Mineralien zu genehmigen – ein Ergebnis der Verhandlungen in Genf – zu verschleppen. Dies habe zu Engpässen geführt, die Teile der US-Industrie lahmzulegen drohten. China warf den USA „schwere Verstöße“ gegen das Genfer Abkommen vor, indem sie neue Warnungen vor der weltweiten Verwendung von Huawei-Chips herausgegeben, den Verkauf von Chip-Design-Software an chinesische Unternehmen gestoppt und Visa für chinesische Studenten annulliert hätten.
Spannungen zwischen USA und China haben sich verschärft
Ein direkter Austausch der beiden Präsidenten hat wegen des schweren Handelskonflikts beider Länder besonderes Gewicht. Trump fährt seit seinem Amtsantritt einen harten handelspolitischen Kurs gegenüber China und hat den seit Jahren schwelenden Konflikt beider Staaten noch einmal deutlich verschärft – auch wenn er regelmäßig betont, ein gutes Verhältnis zu Xi zu haben. Zwischenzeitlich hatte der Republikaner Strafzölle auf Einfuhren aus China in die USA in mehreren Schritten auf schwindelerregende 145 Prozent erhöht, worauf Peking wiederum mit Gegenzöllen reagierte.
Zwar hatten beide Seiten Mitte Mai eine Pause in der Eskalationsspirale eingelegt und sich zumindest vorübergehend auf eine gegenseitige Senkung von Strafzöllen geeinigt. Zuletzt war der Ton jedoch wieder rauer geworden – und die zugrundeliegenden Meinungsverschiedenheiten sind keineswegs gelöst.
Im US-Senat wird zudem ein neues Sanktionspaket gegen Russland vorbereitet, das sich laut dem republikanischen Senator Lindsey Graham gezielt gegen Länder richtet, die weiterhin russisches Öl, Gas und andere Energieprodukte abnehmen. China wäre demnach von den geplanten Strafmaßnahmen besonders betroffen. (mit dpa)
Chinas „Manhattan-Projekt“: Xi Jinping treibt Hightech-Industrie voran – „USA werden irrelevant“
Trumps XXL-Haushalt empört Musk – Präsident kontert Kritik seines Ex-Beraters
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de