Kurioser Fall

Drei Jungen verkaufen Limonade für ein Mofa – dann steht die Polizei vor der Tür

Drei Jugendliche aus Pradamano bei Udine verkauften Limonade für ein Piaggio Ciao. Nach dem Polizeieinsatz bekommen sie jetzt drei Mofas.

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Ein Limonadenstand mit selbst gemalter Preistafel: In Pradamano bei Udine endete ein solches Ferienprojekt mit einem Besuch der Polizei. (Symbolbild)

Ein Limonadenstand mit selbst gemalter Preistafel: In Pradamano bei Udine endete ein solches Ferienprojekt mit einem Besuch der Polizei. (Symbolbild)

© Imago

Es war ein Plan, wie ihn nur Dreizehnjährige in den Sommerferien fassen: Limonade verkaufen, bis das Geld für ein Mofa zusammen ist.

Zwei Zwillingsbrüder und ihr Freund Raul aus Pradamano, einem kleinen Ort bei Udine im Nordosten Italiens, stellten dafür einen Tisch auf. „Ai tre amici“ nannten sie ihr Unternehmen, zu den drei Freunden.

Am Ende bekamen sie mehr, als sie sich erhofft hatten. Aber der Reihe nach.

„Ai tre amici“: Limonade, Kaffee und Kuchen für 1,50 Euro

Im Angebot standen selbst gemachte Limonade, kaltes Wasser, Kaffee und Kuchen. Der empfohlene Beitrag: eineinhalb Euro.

Die Nachbarn spielten mit. Innerhalb weniger Tage kamen rund hundert Euro zusammen, berichtet das Nachrichtenportal Virgilio.

Für ein gebrauchtes Piaggio Ciao reicht das nicht annähernd. Aber die Sommerferien sind lang.

Die Anzeige und der Besuch der Polizei

Dann meldete sich ein Bürger beim Kommando der örtlichen Polizei. Der Vorwurf: Ausgabe von Lebensmitteln ohne die vorgeschriebenen Genehmigungen.

Am 4. August rückten die Beamten aus. Am gemeldeten Haus fanden sie weder einen Verkaufstisch noch Kinder beim Verkaufen, wie Sky TG24 berichtet. Es war der Vater eines der Dreizehnjährigen, der den Beamten erzählte, was sein Sohn und dessen Freunde in den Tagen zuvor getan hatten.

Danach ging die Geschichte durch die sozialen Netzwerke – in einer Version, die deutlich härter klang. Von Anzeigen war die Rede, von Verwarnungen, von einem Bußgeld gegen Kinder.

Die Behörden dementieren: kein Bußgeld, keine Anzeige

Die Gemeinde Pradamano und die Polizia Locale der Comunità del Friuli Orientale stellten sich daraufhin gemeinsam vor ihre Beamten. In einer Mitteilung wiesen sie zurück, dass gegen die Minderjährigen Bußgelder verhängt oder Anzeigen erstattet worden seien.

Stattdessen habe es ein etwa zwanzigminütiges Gespräch mit dem Vater gegeben, in dem die Beamten die Hygienevorschriften erklärten und auf die Risiken bei hohen Sommertemperaturen hinwiesen. Der Einsatz sei rein vorbeugend gewesen.

Mehrere italienische Medien hatten zu diesem Zeitpunkt bereits geschrieben, die Jungen seien verwarnt worden. Belegt ist das nicht.

Piaggio Ciao: Warum dieses Mofa in Italien Kult ist

Um zu verstehen, warum das Land daraufhin kollektiv gerührt war, muss man wissen, wovon die drei träumten.

Das Piaggio Ciao, seit Ende der Sechzigerjahre gebaut und millionenfach verkauft, ist in Italien das, was hierzulande die Simson oder die Kreidler ist: erstes Fahrzeug, erste Freiheit, erste Fahrt zur Freundin.

Ein Kult, der Generationen verbindet. Und der offenbar sehr wehrhaft ist, wenn jemand die eigene Jugend angreift.

Zwei Mofas vom Motorradclub, das dritte per Spendenaktion

Der Moto Club Morena aus Udine bot zwei Piaggio Ciao an. Der Ciao Club Italia startete eine Spendenaktion auf GoFundMe, die über 3000 Euro einbrachte – genug für das dritte Fahrzeug.

Aus Aosta schickte ein 30-jähriger Sammler eines seiner eigenen Ciao einfach per Paket los.

Die Familien nahmen die Geschenke an. Jeder der drei bekommt ein Mofa. Als Dankeschön planen sie ein Fest für alle, die sich gemeldet haben, meldet die Zeitung Il Gazzettino.

Der Regionalpräsident lädt in den Palazzo

Auch die Politik meldete sich. Massimiliano Fedriga, Präsident der Region Friaul-Julisch Venetien, kündigte an, die drei in den Palazzo della Regione einzuladen.

Ihn habe die Botschaft der Geschichte beeindruckt: einen Wunsch zu haben und sich selbst dafür ins Zeug zu legen, sagte er nach übereinstimmenden Berichten. Er wolle sich von den Jungen erzählen lassen, wie die Idee entstanden sei.

Der Präsident des Handelsverbands Confcommercio in Udine, Giovanni Da Pozzo, lobte die drei ebenfalls: eine Idee haben, mit den Eltern darüber sprechen, die Ärmel hochkrempeln.

Fahren dürfen sie noch nicht alle

Ein kleiner Haken bleibt. In Italien braucht man für ein Mofa den Führerschein AM, und den gibt es erst ab 14.

Die Ciao stehen also erst einmal in der Garage. Bei einem Fahrzeug, das seit Jahrzehnten gesammelt und geschraubt wird, dürfte das kein Problem sein.

Und in Deutschland? Der Limonadenstand ist auch hier Behördensache

Wer jetzt denkt, so etwas könne nur in Italien passieren, sollte das deutsche Gewerberecht nicht unterschätzen.

Wer regelmäßig verkauft, um Gewinn zu erzielen, betreibt streng genommen ein Gewerbe. Für einen Verkaufsstand im öffentlichen Raum, auch auf dem Gehweg vor dem eigenen Haus, ist theoretisch eine Genehmigung des Ordnungsamts nötig, erklärt die Deutsche Anwaltauskunft unter Berufung auf einen Familienrechtler des Deutschen Anwaltvereins. In der Praxis, so der Anwalt dort, verlangt das von Kindern niemand.

Bei selbst gemachten Lebensmitteln kommen Hygienevorschriften dazu. Ein Becher Limonade an einem heißen Julitag ist juristisch eben kein Becher Limonade, sondern die Abgabe eines Lebensmittels an Dritte.

Das Paradox am Ende

Bleibt die schönste Pointe dieser Geschichte, und die schrieb der Zufall.

Die drei hatten Limonade verkauft, weil sie sich ein Ciao leisten wollten. Bekommen haben sie es, weil jemand sie gemeldet hat.

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