Er lächelt, trägt eine dunkle Lederjacke, dazu eine hellblaue Hose, ein weißes Hemd, einen weiß-rot-blau-gestreiften Schlips und stets ist er umringt von einer dichten Menschentraube: Egon Krenz hält Hof. Freundschaftlich schüttelt er Hände, umarmt alte Weggefährten. Beim gestrigen "Aktionstag gegen Rassismus und Neonazismus" im Lustgarten hat sich der ehemalige SED-Partei- und DDR-Staatschef erstmals seit seiner Haftentlassung am Donnerstag in der Öffentlichkeit gezeigt."Gefängnisse sind keine Sanatorien", antwortet er auf die Frage, wie es ihm gehe. Er habe während seiner Haftzeit viel Solidarität erfahren. In den 18 Tagen habe er 780 Briefe, Postkarten und Telegramme bekommen. Viele gratulieren Krenz im Lustgarten zur Haftentlassung. Immer wieder wird ihm das Büchlein "Ich war und bin Sozialist" für ein Autogramm hingehalten. Zur Entscheidung des Landgerichts, das den Kaufvertrag für sein Pankower Bungalow für ungültig erklärte, sagt er: "Wenn sich bundesrepublikanische Richter im DDR-Recht nicht auskennen, ist das nicht mein Problem." Er wolle jetzt seine Erinnerungen schreiben in Berlin und an der Ostsee. Auf die Frage, wovon er lebe, antwortet er: "Ich habe eine Frau, die arbeitet." (tom)
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