An Landgericht Berlin beginnt am Donnerstag der Prozess in einem der spektakulärsten Raubüberfälle der Hauptstadt der vergangenen Jahre. Vor Gericht stehen drei junge Männer, die mit weiteren Komplizen am 20. Dezember 2014 das Kaufhaus des Westens überfallen haben sollen.
Die Tat geschah an einem Samstagvormittag in der Vorweihnachtszeit. Um kurz vor 10 Uhr wurde das gut besuchte Kaufhaus plötzlich zu einem Tatort. Ein dunkler Audi raste auf den Bürgersteig, fünf Maskierte stürmten aus dem Wagen. Die Männer trugen eine Machete, eine Axt und Hämmer bei sich.
Beute im Wert von mehr als 800.000 Euro
Mitten im Shoppingtrubel zertrümmerten sie mit den Waffen die Vitrinen von zwei Juwelier-Geschäften im KaDeWe. Sie schnappten Uhren und Schmuck im Wert von rund 817.000 Euro. Um potenzielle Verfolger abzuwehren, versprühten sie Reizgas. 16 Angestellte und Kunden - darunter eine Mutter mit Kind - wurden verletzt. Die Gangster eilten zu ihrem Wagen und rasten davon. Ihnen gelang die Flucht. Zumindest vorläufig.
Wochenlang tappte die Polizei im Dunkeln, fand keinen verwertbaren Hinweis, keine Spuren zu den Räubern. Erst die Veröffentlichung von Fahndungsfotos und eines Überwachungsvideos, das deutlich das dreiste Vorgehen der Männer zeigte, brachte Bewegung in die Sache.
Festnahmen in Deutschland und Griechenland
Drei Monate nach dem Überfall vermeldete die Polizei den ersten Erfolg: Das Fluchtauto - ein gestohlener Audi - konnte in Hilden in Nordrhein-Westfalen ausfindig gemacht werden. Die Polizei machte einen 27-jährigen Berliner dingfest. Der Mann sagte umfassend aus, Details des Coups und Namen von Komplizen kamen ans Licht. So konnte die Polizei bald weitere Verdächtige aufspüren. Einen der mutmaßlichen Gangster schnappten die Beamten im baden-württembergischen Aalen. Eine weitere Spur führte die Ermittler nach Griechenland. Dort hielt sich einer der genannten Mittäter auf, er wollte sich von dort aus mit gefälschten Papieren in die Türkei abzusetzen.
Die drei Männer - alle im Alter zwischen Mitte und Ende 20 - sind nach Angaben des Gerichts vorbestraft. Raub, Bandendiebstahl, Einbrüche stehen unter anderem in den Akten. Einer der mutmaßlichen Täter soll zudem auf der Flucht nach einem anderen Ladenüberfall am Kurfürstendamm ein zweijähriges Mädchen überfahren und schwer verletzt haben.
Schmuck und Uhren bleiben verschwunden
Auch elf Monate nach der Tat ist die Beute weiterhin spurlos verschwunden. Vermutet wird, dass Uhren und Schmuck schnell über Mittelsmänner verkauft wurden. Zudem sollen drei weitere Personen in den Fall verwickelt sein. Die Namen der mutmaßlichen Komplizen sind der Staatsanwaltschaft bekannt.
Für den Prozess am Berliner Landgericht wurden zunächst 25 Verhandlungstage angesetzt. (mit dpa)
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de