Auch wenn die Eisheiligen gern ein bisschen dazwischenfunken, Anfang Mai ist es höchste Zeit, sich um die Möblierung des Gartens, Balkons oder Hinterhofs zu kümmern. Denn selbst wenn die Temperaturen noch einmal kurzfristig absacken: Es beginnt die Phase der Feier-, Brücken-, und Ferientage, der Freiluft-Spargelessen und lauen Grillabende. Möbel gibt es für jede Geschmackslage: Man kann seine Dachterrasse mit wetterfesten Lounge-Sesseln und Outdoor-Teppichen ausstatten, auf Bänken aus Recycling-Kunststoff entspannen, Tische, Stühle und Liegen aus Metall, Rattan, Plastik oder Holz aufbauen, in den Baumarkt oder ins Designfachgeschäft gehen. Aber egal, was und wo gekauft wird, ein paar Grundsatzüberlegungen vorher sind hilfreich.
Es widerspricht zwar allen Frühlingsimpulsen, dennoch sollte als Allererstes geklärt werden, wohin die Neuerwerbungen im Winter verschwinden. Gartentische und -stühle halten zwar Wind und Wetter aus, strengen Frost aber eher nicht. Außerdem sind sie im Dezember ein seltsamer Anblick und oft genug einfach im Weg. Deshalb ist es immer gut, wenn sich die Möbel platzsparend verstauen lassen – auch im Sommer kann das nicht schaden, besonders, wenn kein weitläufiges Anwesen, sondern vielleicht nur ein Sonnfleckchen im Hinterhof zu Verfügung steht. Die Buchenvollholzliege mit extradickem Polster mag noch so einladend sein, die leichte Alu-Alternative hat oft nicht nur Griffe, sondern lässt sich auch zusammengefaltet wie eine Strandtasche auf jeden Rasen (und Dachboden) tragen. Nicht zufällig sind die Klassiker der Gartenmöblierung Künstler im Sich-Kleinmachen, beispielsweise der in den USA und Kanada unverzichtbare Adirondack-Chair. So wuchtig er aussieht, zusammengeklappt hängt er zierlich an der Wand.
Natürlich müssen Draußenmöbel robust sein. Die Antwort darauf hieß lange Tropenholz, doch wer mag das noch kaufen? Auch wenn die großen Umweltverbände es für vertrauenswürdig halten, finden viele Menschen, dass wir Teak und Co. lieber im Urwald lassen sollten. Immerhin gibt es ja einheimische Alternativen (die auch nur mit FSC-Siegel gekauft werden sollten!). Aus Robinienholz werden sogar Bootsstege gebaut, Lärchen halten eine Menge aus und wachsen quasi vor der Tür. Und das Ende der Neunzigerjahre in Mode gekommene Polyrattan ist zwar Geschmackssache und seine Haltbarkeit kann je nach Hersteller auch ziemlich variieren.
Diese Klassiker kosten
Es ersetzt aber die Faser der Rattanpalme, die ebenfalls in ökologisch sensiblen Gegenden Südostasiens wächst. Allerdings trocknet mancher Flechtstuhl (egal, ob Polyethylen oder Natur) schlecht ab – und das ist nach einem Gewitterguss manchmal wichtiger als alles andere. Das Wasser muss gut ablaufen und komplett abwischbar sein.
Wie anderswo ist es auch im Garten nicht verkehrt, sich an Bewährtem zu orientieren – die schlichte Biergartenmöblierung mit Klapptisch und -bank beispielsweise ist lange und unter harten Bedingungen erprobt worden. Genauso solide ist ein gemütlicher Deckchair aus Holz – er eignet sich zum Sitzen und Liegen, lässt sich zusammenklappen und mit flexiblen Fußteilen vergrößern. Ursprünglich stand er auf Ozeandampfern, führte ein Leben in feuchter Salzluft mit intensiver Sonneneinstrahlung und trug Nutzer aller Gewichtsklassen.
Der gute alte Liegestuhl hat die gleiche Vorgeschichte. Unpraktische Menschen kämpfen zwar öfter mit ihm und klemmen sich dabei die Finger ein, dafür ist er von unschlagbarer Schlichtheit und braucht kaum Lagerplatz. Und dann wäre da noch, seit einigen Jahren wieder im Kommen, der unübertroffene Spaghetti-Stuhl. Mit einfarbigen oder bunten PVC-Schnüren bespannt, ist er ein leichtes, gut abwischbares, bequemes, stapelbares, schnell trocknendes und ausgesprochen formschönes Sommermöbel. Glückliche finden ihn in Gärten, die sie pachten, erben oder erwerben, einfach vor – immerhin überschwemmten die filigranen Sitzgelegenheiten in den Fünfziger- bis Siebzigerjahren alle Terrassen.
Wer ein neues Stück kaufen möchte, muss schon ein bisschen was hinblättern – der absolute Klassiker ist der 1949 entworfene Altorfer Stuhl Modell 1114. Er wird wieder von den Schweizer Embru-Werken hergestellt, ebenso wie der vielleicht noch schönere Spaghetti-Liegestuhl aus dem Jahr 1948. Wer darin liegt, fühlt sich mindestens wie am Lago Maggiore. Offenbar wird dieses Möbel in seinem Herkunftsland besonders geliebt, in der Schweiz gibt es Schreiner, die nicht nur Holz bearbeiten, sondern Spaghetti-Stühle aufarbeiten und neu bespannen.
Spagettischnüre zum Selberweben
In Berlin helfen Möbelrestaurateure und Stuhlflechter weiter, aber nur noch wenige, hier konzentriert man sich eher auf Holz und Gusseisen. Früher ersetzten die Leute ausgeleierte Bespannungen einfach selbst – wahrscheinlich gab es in den Sechzigern und Siebzigern in jedem Supermarkt Ersatzschnüre. Heutzutage findet man sie mit ein bisschen Glück noch im Internet. Ebenso wie alte Spaghetti-Stühle, die dort (sofern es sich nicht gerade um einen Altdorfer handelt) noch zu erschwinglichen Preisen angeboten werden.
Wem das alles zu aufwendig ist, der stelle einfach einen Bierkasten vor die Tür, breite eine Picknickdecke auf dem Rasen aus oder schwinge sich in die Hängematte – ein paar Bäume finden sich in jedem Park. Das ist bequem, handlich, preiswert. Und klassisch sowieso.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de