Carsharing für Profis

Zehn praktische Tipps für Drivenow, Car2go & Co. in Berlin

In Berlin tummeln sich viele Anbieter, jeder mit eigenen Stärken und Schwächen.

Thomas Kutschbach
6 Min
Drivenow und Car2go sind nur zwei Anbieter in Berlin.

Drivenow und Car2go sind nur zwei Anbieter in Berlin.

© imago/Horst Galuschka

App öffnen, Auto finden, reinsetzen und losfahren. Carsharing ist ziemlich einfach. Und ziemlich praktisch für alle, die sich die monatlichen Fixkosten und die oft schwierige Parkplatzsuche in Berlin ersparen wollen.

Aber wie immer steckt der Teufel im Detail, jeder Carsharing-Anbieter hat seine Stärken und Schwächen. Deshalb geben wir Ihnen ein paar kleine, völlig subjektive Tipps für den Berliner Carsharing-Dschungel. Kurzzeit-Automieten für Profis sozusagen.

Der beste Minuten-Preis

Die drei bekanntesten Carsharing-Anbieter, die ohne feste Stationen arbeiten, sind Drivenow, Car2go und Multicity. Den besten Minutenpreis bietet Car2go. Dort kostet die Minute nur 24 Cent, allerdings im kleinen Smart. Wer mehr als einen Beifahrer hat oder Platz braucht, sollte auf andere Anbieter ausweichen. Der Citroen C1 von Multicity und sein strombetriebener Bruder C-Zero bieten immerhin vier Sitzplätze und etwas mehr Stauraum für die täglichen Besorgungen. Und mit 28 Cent pro Minute sind die Citroen immer noch recht günstig.

Die besten Autos

Teurer, dafür aber auch hochwertiger, sind die Autos bei Drivenow. Der Großteil der Flotte besteht aus Mini Cooper und 1er BMW. Kostenpunkt: 31 Cent pro Minute. Größere BMW wie der Active Tourer oder der strombetriebene i3 kosten schon 34 Cent. Das ist immerhin 10 Cent teurer als für den Smart, aber für das Geld kann man auch etwas mehr erwarten. Ein Mini-Cabriolet zum Beispiel, einen 2er BMW oder den geräumigen SUV X1.

Dass Carsharer gern auch mal Autos fahren, an die sie als potentielle Käufer niemals denken würden, hat auch Car2go inzwischen erkannt. Und neuerdings Mercedes-Modelle im Programm: Die A-Klasse als Kleinwagen, die B-Klasse als kompakten Van und für die Oberklasse ein CLA-Coupé und den Mercedes GLA - ein SUV der Stuttgarter Premiummarke.

 Zeitpakete buchen

Rund 30 Cent pro Minute - das kann auf Dauer ganz schön ins Geld gehen. Daher bieten sich für Vielfahrer Preispakete an. Drivenow bietet etwa drei Stunden für 29 Euro, sechs Stunden für 59 und 9 Stunden für 79 Euro an. Nachteil: Die Zeit muss am Stück genutzt werden.

Car2go bietet lediglich Tagesmieten an. Ab 79 Euro für einen Smart bis 109 Euro für einen sportlichen CLA. 200 Freikilometer sind inklusive. Ein besonderer Tipp für Tagesausflüge ist aber Multicity. Denn ein Citroen C-Zero kostet nur maximal 40 Euro am Tag. Auch hier sind 200 Kilometer inklusive – das reicht für eine schöne Fahrt nach Brandenburg allemal.

Wer nicht auf "free floating"-Angebote angewiesen ist, sondern eine Flinkster-Station in der Nähe kennt, kann ebenfalls Geld sparen. Die Kleinwagen der Bahn-Tochter sind ab fünf Euro pro Stunde zu haben. Zusätzlich werden 18 Cent pro Kilometer fällig. Das Angebot lohnt sich also für nicht ganz so weit entfernte Ausflüge.

Prepaid spart Geld

Alternativ bietet Drivenow verschiedene Prepaid-Pakete zwischen einer Stunde oder 500 Minute an. Je mehr Minuten Nutzer vorher bezahlen, desto günstiger der Preis. Auf bis zu 25 Cent pro Minute lassen sich die Kosten so reduzieren – da ist dann auch egal ob man einen Mini fährt oder einen größeren BMW. Noch günstiger geht's mit Multicity; 500 Freiminuten kosten 100 Euro – 20 Cent pro Minute.

Flughafen-Anbindung

Günstiger als Taxi, schneller als Bus oder S-Bahn, rund um die Uhr verfügbar: Gerade für Vielflieger sind Carsharing-Angebote ein Segen. Sowohl Drivenow als auch Car2go dürfen an den Berliner Flughäfen angemietet und abgestellt werden. Dafür berechnet Car2go 4,90 Euro extra, Drivenow sechs Euro. Multicity-Autos dürfen zumindest am Flughäfen Tegel abgestellt werden, sogar ohne Gebühr.

Geschäftsgebiet

Damit sind wir schon beim Thema Geschäftsgebiet. Bis auf wenige Ausnahmen haben die drei "Freefloating"-Anbieter ihr Geschäftsgebiet in etwa auf den S-Bahn-Ring begrenzt. Wer zumindest in Ringnähe wohnt, zum Beispiel im nördlichen Wedding oder in Weißensee, sollte überprüfen auf welchen Anbieter er in seiner Nähe zurückgreifen kann. Generell gilt: Die Autos müssen im Geschäftsgebiet abgeholt und auch dort wieder abgestellt werden. Gefahren werden darf aber auch außerhalb.

Alternative: Feste Stationen

Klar, das "Freefloating"-Modell ist praktisch: Autos von Drivenow, Multicity und Car2go kann man einfach vor der eigenen Haustür (sofern im Geschäftsgebiet) abstellen. Man muss aber vor der Fahrt auch hoffen, immer ein Auto in der Nähe zu finden. Diesen Nachteil haben Anbieter mit festen Stationen oder Parkplätzen nicht. Cambio hat viele solcher Anlaufstellen in Kreuzberg, Friedrichshain, Schöneberg und Prenzlauer Berg.

Die Tarife bei Cambio sind allerdings etwas komplexer. Sie bestehen aus Grundgebühr, Zeit- und Kilometerkosten. Das ist aber nur auf den ersten Blick ein Nachteil: Denn Cambio erklärt genau, ab welcher Kilometerzahl im Monat sich welcher Tarif lohnt – und lockt so gleichzeitig Vielfahrer wie auch Gelegenheitsfahrer.

Außerdem kooperiert Cambio mit Stadtmobil, einem anderen Berliner Carsharing-Anbieter mit festen Stellplätzen. Beide Anbieter haben gegenüber Drivenow und Co. den Vorteil, das sie eine größere Fahrzeugauswahl bieten. Da kann für den Wochenende-Trip das Audi A3 Cabrio gebucht werden, ein Kleinbus für den Familienausflug oder ein großer Transporter für den nächsten Baumarkt-Großeinkauf.

Ein weiterer Anbieter mit festen Stationen ist die schon erwähnte Bahn-Tochter Flinkster. Mit der übrigens Multicity kooperiert. Wer hier schon Kunde ist, für den ist keine weitere Anmeldung nötig. Wer Flinkster gut findet und eine Bahnnard sein eigen nennt, kann übrigens auf Rabatte hoffen.

Alternative: Privates Carsharing

Wer sagt eigentlich, dass von Carsharing nur Menschen profitieren, die kein eigenes Auto haben? Drivy oder Tamyca sind nur zwei Anbieter, die zwischen potentiellen privaten Auto-Mietern und -Vermietern vermitteln. Einfach den eigenen Pkw mit Foto und Zeitraum inserieren, den Rest machen die Anbieter. Mieter auf der Suche nach einem Auto können über eine Suchmaske bestimmen, für welchen Zeitraum und wo sie ein Fahrzeug benötigen.

Ein kleiner Test: Im nördlichen Prenzlauer Berg finde ich über die Tamyca-Webseite fast so viele Angebote wie bei Drivenow. Ein VW Golf für vier Stunden und 100 Kilometer würde mich 35 Euro kosten. Darin enthalten sind Mietkosten und Versicherung. Tanken muss der Mieter zusätzlich.

Roller-Freunde können auch teilen

Es wird bald Sommer. Und damit Freiluft-Zeit - entweder im Cabrio von Drivenow und Stadtmobil. Oder auf dem Roller, denn das Carsharing-Modell gibt es auch für die schnellen Flitzer auf zwei Rädern. Emmy und das von Bosch betriebene Coop haben in verschiedenen Berliner Stadtteilen Elektroroller auf die Straßen gestellt. Coop verlangt 3 Euro für die ersten 30 Minuten, danach je 1 Euro pro 10 Minuten. Bei Emmy kostet die Minute 19 Cent - oder der angefangene Kilometer 59 Cent. Der Anbieter berechnet nach eigener Aussage die jeweils günstigste Variante für den Kunden. Die Tageshöchstsätze sind mit 20 Euro bei Coup bzw. 24 Euro bei Emmy für jeden attraktiv, der viel unterwegs ist.

Apps zum Vergleich

Bei der Masse an Anbietern wird es für den Laien ziemlich kompliziert, den Überblick zu behalten. Gerade bei den "Freefloating"-Anbietern kann es ärgerlich sein, wenn genau im falschen Moment das nächste Auto kilometerweit entfernt steht. Um das zu vermeiden, sollte man sich bei mehreren Anbietern anmelden – und Apps wie "Free2move" nutzen. Damit kann man sich auf einer Karte die Fahrzeuge verschiedener Standorte anzeigen lassen.

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