Nato-Ostflanke

Drohne explodiert nahe Transbalkan-Gaspipeline an Bulgariens Grenze zu Rumänien

Eine Drohne explodierte nahe einer Gaspipeline in Bulgarien. Niemand entdeckte sie im Anflug. Wer sie steuerte, ist unklar.

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Bulgariens Premierminister Rumen Radew bestätigte einen Zwischenfall mit einer Drohne an der bulgarisch-rumänischen Grenze.

Bulgariens Premierminister Rumen Radew bestätigte einen Zwischenfall mit einer Drohne an der bulgarisch-rumänischen Grenze.

© IMAGO/Marek Ladzinski

Eine Drohne ist am Samstagmorgen an der Grenze Bulgariens zu Rumänien detoniert – im Anflug erfasst hatte sie offenbar weder das bulgarische noch das rumänische Radar. Der Aufschlagort liegt rund 1000 Meter von einer Gaskompressorstation entfernt. Ministerpräsident Rumen Radew bestätigte den Vorfall bei Kardam noch am selben Tag.

Verletzte gab es nach seinen Angaben nicht. Für die Nato-Ostflanke bleibt der Zwischenfall dennoch heikel.

Was geschah bei Kardam an der Grenze zu Rumänien?

Nach Darstellung von Radew drang die Drohne aus Richtung Rumänien etwa 100 Meter weit auf bulgarisches Gebiet vor. Das berichteten übereinstimmend auch die bulgarischen Medien dir.bg und bTV Novinite sowie die staatliche Nachrichtenagentur BTA.

Die Drohne stürzte in ein Sonnenblumenfeld – rund 200 Meter vom ehemaligen Grenzübergang Kardam und etwa 1000 Meter von der bulgarischen Kompressorstation der Transbalkan-Gaspipeline entfernt.

„Es wurden Maßnahmen ergriffen, das Gebiet wurde abgesperrt, es sind keine Schäden an Personen oder Infrastruktur entstanden“, sagte Radew nach einer Sitzung des Sicherheitsrats laut bTV Novinite.

Wie wurde die Drohne bemerkt?

Zuerst registrierte die rumänische Grenzpolizei ein Geräusch. Kurz darauf hörte die Grenzpolizeiwache im bulgarischen General Toschewo eine laute Explosion, wie Radew schilderte.

Die Absturzstelle sei umgehend lokalisiert worden. Vor Ort waren Einheiten der Grenzpolizei, der Nationalpolizei und des Verteidigungsministeriums.

„Weder im rumänischen noch in unserem Luftraum wurde eine unidentifizierte Drohne entdeckt“, sagte Radew laut bTV Novinite. Auch vom „Combined Air Operations Center“ für Südeuropa habe es keine Informationen gegeben. Beide Länder hätten die Drohne nicht erfasst, berichtete Euronews.

Welcher Drohnentyp war es – und woher kam sie?

Der Typ der Drohne ist bislang offen – eine Untersuchung soll ihn klären.

Die Angabe, die Drohne sei „aus Rumänien“ gekommen, beschreibt nach derzeitiger Quellenlage vor allem die Flugrichtung – nicht den Startort.

Radew verwies auf jüngste Vorfälle: „Infolge der Ereignisse vor zwei Wochen in Rumänien, bei denen drei Shahed-Drohnen von der rumänischen Luftwaffe abgeschossen wurden, haben wir umgehend reagiert“, sagte er laut bTV Novinite. Mindestens eine dieser Ende Juli abgeschossenen Drohnen war laut Euronews vom Shahed-Typ, wie ihn russische Streitkräfte einsetzen.

Warum ist der Standort Kardam so bedeutend?

Die Transbalkan-Gaspipeline, in deren Nähe die Drohne niederging, verbindet laut der Nachrichtenagentur AFP die Türkei mit der Ukraine.

Lange floss durch das System vor allem russisches Gas nach Südosteuropa. Mit dem Ende des russischen Transits durch die Ukraine zum 1. Januar 2025 kehrte sich die Richtung um: Die Trasse wird laut einer Studie für das Energy Community Secretariat nun als Süd-Nord-Korridor für Flüssiggas genutzt.

Kardam gilt als Schlüsselstelle des „Vertikalen Gaskorridors“, der nicht-russisches Gas von Griechenland bis in die Ukraine bringen soll – so der Oppositionsabgeordnete Iwajlo Mirtschew laut Euronews. Der Netzbetreiber Bulgartransgaz baut den Punkt derzeit aus. Die Arbeiten sollen laut SeeNews bis zum 1. Oktober 2026 abgeschlossen sein.

Wie reagiert Bulgarien auf den Vorfall?

Radew kündigte an, die Überwachung auszuweiten. Grenzpolizei-Kräfte zur Erkennung und Bekämpfung von Drohnen sollen künftig entlang der gesamten Grenze stationiert werden – „von der Grenze zur Türkei bis zur Grenze zu Rumänien“, so der Regierungschef laut bTV Novinite.

Schuldzuweisungen vermied er – stattdessen betonte Radew, dass es keine Opfer gegeben habe, wie AFP berichtete.

Diese neutrale Haltung passt zum Kurs seiner Regierung: Bulgarien tritt der Unterstützungskoalition für die Ukraine nicht bei und stoppte Waffenlieferungen an Kiew. Radew war nach der Wahl im April 2026 vom Präsidenten- ins Ministerpräsidentenamt gewechselt.

Was geschah zuvor an der Nato-Ostflanke?

Schon vor der Explosion am Samstag hatte sich die Lage zugespitzt. Am 7. August unterzeichneten Rumänien, Bulgarien und Spanien nach Angaben des bulgarischen Verteidigungsministeriums ein trilaterales Abkommen zum Schutz des Nato-Luftraums. Spanische Kampfjets in Rumänien dürfen damit bei Bedarf auch bulgarischen Luftraum sichern.

Zwei Tage zuvor hatte Rumäniens Verteidigungsminister Radu-Dinel Miruță im Interview mit Table.Media eine Stärkung der Drohnenabwehr gefordert. Zuvor hatte Rumänien mehrfach Drohnen abgeschossen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen nannte solche Vorfälle wie zuletzt in Bulgarien laut Euronews „eine direkte Folge von Russlands Krieg gegen die Ukraine“.

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