Die Flüsse in Brandenburg führen weiterhin außergewöhnlich wenig Wasser. Nach Daten des Landesamtes für Umwelt vom Freitag unterschreiten 17 von 26 Kontrollpegeln der Niedrigwasserampel die Warnstufe, an weiteren sechs Messstellen ist die Vorwarnstufe unterschritten.
Besonders betroffen ist die Spree: Am Pegel Leibsch lag der gleitende Mittelwert des Abflusses bei 3,39 Kubikmetern pro Sekunde und damit deutlich unter dem ökohydrologisch begründeten Mindestwert von 4,85. Auch weiter flussabwärts an der Spreeschleuse Beeskow wird die Warnschwelle unterschritten, am Pegel Hohenbinde die Vorwarnstufe.
An kleineren Gewässern ist die Lage teils gravierender: Am Fredersdorfer Fließ meldet die Behörde einen gleitenden Mittelwert von nur 0,001 Kubikmetern pro Sekunde, an der Buckau bei Neue Mühle 0,005. Auch an der Schwarzen Elster bei Bad Liebenwerda, an der Nuthe bei Babelsberg und an der Stepenitz liegen die Werte unterhalb der Warnschwelle.
Halbleere Speicher und ausbleibender Regen
Geringe Niederschläge im Winter und Frühjahr haben nach Angaben des brandenburgischen Ministeriums für Land- und Ernährungswirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz seit Jahresbeginn dazu geführt, dass die Flüsse in Südbrandenburg deutlich weniger Wasser führen als üblich. Besonders trocken sei es im sächsischen Teil des Spreeeinzugsgebiets.
Zu Sommerbeginn seien die Talsperren im Spreegebiet nur zur Hälfte gefüllt gewesen, teilte das Ministerium Ende Juli mit. Die für Brandenburg und Berlin wichtige Stützung der Abflüsse in Trockenphasen könne daher nur eingeschränkt geleistet werden. Um die verbliebenen Reserven zu bewirtschaften, habe das Landesamt für Umwelt eine länderübergreifende Arbeitsgruppe einberufen. Seit Juni gilt zudem die erste Stufe des Niedrigwasserbewirtschaftungskonzeptes für das mittlere Spreegebiet.
Ruf nach Grundgesetzänderung
Angesichts anhaltender Hitze und Trockenheit im Bundesgebiet forderte der Deutsche Städte- und Gemeindebund einen nationalen Kraftakt für Wasserversorgung und Klimaanpassung. Verbandspräsident Ralph Spiegler sagte der Rheinischen Post, bereits jetzt sei die Hälfte aller Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland von akutem oder strukturellem Grundwasserstress betroffen. Deutschland müsse Wasser künftig als strategische Ressource begreifen.
Berlins Trinkwasser hängt an der Lausitzer Kohle – das wird zum Problem
Berlin: Jeder vierte Notwasserbrunnen funktioniert nicht
Städte und Gemeinden könnten die Herausforderungen nicht allein bewältigen, sagte Spiegler. Nötig sei eine im Grundgesetz verankerte Gemeinschaftsaufgabe für Klimaschutz und Klimaanpassung und damit eine dauerhaft gesicherte Finanzierung durch Bund und Länder.
Knappes Wasser in der Lausitz
Grundsätzliche Kritik am Umgang mit der knapper werdenden Ressource kommt aus Wirtschaft und Landwirtschaft. Mit dem Auslaufen des Braunkohletagebaus entfalle in der Lausitz ein künstlicher Stabilitätsanker für das Wassersystem, teilte die Industrie- und Handelskammer Cottbus im Juni in einem Beitrag zur regionalen Wasserlage mit.
Dorit Köhler, Leiterin des Geschäftsbereichs Innovation und Nachhaltigkeit, verwies auf ungeklärte Nutzungskonkurrenzen: Es sei nicht geklärt, wer bei knappem Wasser Priorität habe. Einige Industrieansiedlungen scheiterten bereits am fehlenden Wasser."
Der Landesbauernverband Brandenburg hatte bereits zum Weltwassertag im März Investitionen in Regenwasserspeicher, geschlossene Wasserkreisläufe und eine bessere digitale Erfassung der Grundwasserstände gefordert.
Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de