Tattookünstler aus Kreuzberg

Durga tätowiert mit zwei Hölzern und Tinte

Der Künstler stammt aus Indonesien, dort hat er seine Technik gelernt.

Paul Linke
3 Min
„Jedes Motiv, jedes einzelne Element hat einen Bezug zum Leben“: Durga, Tattookünstler aus Indonesien.

„Jedes Motiv, jedes einzelne Element hat einen Bezug zum Leben“: Durga, Tattookünstler aus Indonesien.

© Sabine Gudath

Durga, so sein Künstlername, hat sich eine Stirnlampe umgeschnallt, mit einem orangefarbenen Stift malt er geschwungene Linien auf den Rücken seines ersten Kunden an diesem Morgen. Da ist eigentlich schon mehr schwarze Tinte als weiße Haut. Vor zwei Jahren hat Durga, 46, mit diesem Motiv begonnen. „Wir machen jetzt hier Stückchen für Stückchen weiter“, sagt er. Seit drei Monaten im Kreuzberger Wrangelkiez. Davor hatte Durga ein Studio in Indonesien. Seine Frau ist Berlinerin. Er habe es einfacher in Deutschland als sie auf Borneo. Die Bürokratie.

Durga ist regelmäßig auf Siberut, einer Mentawai-Insel, westlich von Sumatra gelegen. Dort hat er vor zehn Jahren von den Stammesältesten und Schamanen gelernt, wie man Tinte mit zwei Hölzern und in einem rhythmischen Klopfen aufträgt; wie man ein Tattoo an die Physiognomie eines Menschen anpasst; wie Motiv und Motivträger zu einer Einheit verschmelzen und wie ästhetische und spirituelle Erfahrungen zusammenhängen.

Tattookünstler Durga ist Meister in seinem Fach 

„Jedes Motiv, jedes einzelne Element“, sagt Durga, „hat einen Bezug zum Leben eines Mentawaier.“ Wie wird ein Junge zu einem Mann? Nach der ersten Jagd, nach dem ersten Tattoo. Und dann geht es erst richtig los.

Die Tattoos – florale Bänder, häufig Auberginenblüten und Sago-Palmen oder einfach nur geometrische Figuren – heißen Titi. In der Sprache der Inselbewohner und als Ausdruck seiner Meisterschaft darf sich Durgan offiziell Sipatiti nennen. In seinem Studio kann man fairerweise einen sachdienlichen Hinweis auf Englisch und auf Deutsch lesen: „ ... obwohl es ein durchaus schmerzhafter Prozess sein kann“.

Jeder fünfte Deutsche weiß das ohnehin schon. Die anderen Nichttätowierten hierzulande ahnen es bestimmt und wundern sich auch nicht, dass es neben einer boomenden Tattooindustrie auch eine nicht minder boomende Tattooentfernungsindustrie gibt – nicht selten an einem Ort vereint.

Tattookünstler Durga will, dass Körperkunst Mentawai nicht ausstirbt 

Tätowieren ist wie Geschichtenerzählen. Und Durga ist ein weltweit bekannter Geschichtenerzähler, Buchautor, Illustrator, Stammgast bei – Erfurt, London, Florenz – internationalen Tattoo-Events.

Urlaubsgefühl: Dekoration in Durgas Studio. Der Tattookünstler tätowiert nur mit Hölzern und Tinte. 

Urlaubsgefühl: Dekoration in Durgas Studio. Der Tattookünstler tätowiert nur mit Hölzern und Tinte. 

© Sabine Gudath

In Jakarta hat er Visuelles Design und Kommunikationsdesign studiert, er setzt sich dafür ein, dass die Körperkunst der Mentawai nicht ausstirbt. Was die Kolonialherren nur fast geschafft hätten, soll der Moderne nicht gelingen. „Es gibt zurzeit ein Revival“, sagt Durga.

Das Bedürfnis nach alten Traditionen werde immer größer in Indonesien. In Berlin wohl auch. Der Nächste wartet schon. Und zum Abschied sagt Durga einen Satz, der wie ein in die Haut gestochenes Garantieversprechen klingt: „Die meisten Tätowierer haben selbst Scheißtattoos, die Kunden aber nicht.“

Durga Tattoo Oppelner Straße 37, Kreuzberg. Mo–So 11–20 Uhr. Terminvereinbarung unter info@durgatattoo.com

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: briefe@berliner-zeitung.de

Lesen Sie mehr zum Thema