Das ukrainische Parlament hat am Donnerstag eine Sitzung vorzeitig beendet, nachdem zahlreiche Abgeordnete über plötzliche Krankheitssymptome geklagt hatten. Nach mehreren gescheiterten Abstimmungsversuchen, bei denen von den erforderlichen 226 Stimmen nur rund 200 erreicht wurden, vertagte der Erste Vizepräsident Oleksandr Kornienko die Sitzung, wie aus der Übertragung der Sitzung im Livestream der Werchowna Rada hervorging.
Nach Informationen der Ukrainska Prawda sollen zunächst zwischen zehn und dreißig Abgeordnete betroffen gewesen sein sein. Die Abgeordnete Galina Tretjakowa von der Regierungsfraktion „Diener des Volkes“ schrieb in den sozialen Medien am Freitag, dass mehr als 38 Parlamentarier ihrer Fraktion gleichzeitig erkrankt seien. Einige müssten sogar mit Infusionen behandelt werden.
Die Symptome ähneln sich bei den meisten Betroffenen: hohes Fieber, Erschöpfung, Magen-Darm-Beschwerden und Durchfall. Einige Abgeordnete vermuten laut Ukrainska Prawda, dass sie sich in der Parlamentskantine vergiftet haben könnten. Allerdings aßen offenbar nicht alle Erkrankten dort.
Außenpolitiker zweifelt Kantinenessen als Erklärung an
Der Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses, Oleksandr Merezhko, sagte gegenüber dem Portal Liga.net, die Ursachen seien noch unklar. „Sie sagen, es sei ein Virus oder eine Vergiftung. Ich glaube nicht, dass es die Kantine ist – wenige Abgeordnete gehen dorthin“, erklärte er. Sehr unterschiedliche Personen seien erkrankt, was eine gemeinsame Infektionsquelle schwer erkennbar mache.
Tretjakowa äußerte in ihrem Beitrag auf Facebook ebenfalls Zweifel an der Darstellung. Sie fragte, warum Kantinenmitarbeiter und Reinigungskräfte gesund seien und warum Angehörige der erkrankten Abgeordneten keine Symptome zeigten – was gegen eine Rotavirus-Infektion sprechen könnte.
Der Abgeordnete Jaroslaw Schelesnjak von der Partei Holos relativierte die Situation gegenüber dem Portal Liga.net. Die Zahl der Erkrankten sei gering, zudem seien viele Parlamentarier auf Dienstreisen. Der Pressedienst der Werchowna Rada teilte laut Ukrainska Prawda mit, dass endgültige Schlussfolgerungen erst nach Laboruntersuchungen möglich seien.
Die nächste Plenarsitzung ist in Kiew für den 24. Februar angesetzt.
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