EADS

In Verteidigungsstellung

Die Gewerkschaften trommeln zum Protest gegen den geplanten Jobabbau bei Europas größtem Luftfahrt- und Rüstungskonzern EADS. Dabei kommt die wichtigste Tochter Airbus mit der Flugzeugproduktion kaum nach - doch in der Rüstungssparte läuft es schlecht.

Thomas Magenheim
3 Min
Beschäftigte von EADS protestierten am Donnerstag bundesweit, so auch bei Airbus in Hamburg, gegen einen massiven Stellenabbau im Rüstungsgeschäft.

Beschäftigte von EADS protestierten am Donnerstag bundesweit, so auch bei Airbus in Hamburg, gegen einen massiven Stellenabbau im Rüstungsgeschäft.

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Eine Sparrunde nach der anderen

„Hier schlägt's am stärksten ein, das wird das Zentrum des Grauens“, schätzt ein anderer aus der Gruppe. Seine Kollegen aus der Serienproduktion des Kampfjets Eurofighter nicken stumm. „Es läuft gerade noch der letzte Stellenabbau“, erklärt Thomas Pretzl. Er ist Betriebsratschef nicht nur in Manching sondern auch von EADS Deutschland. 850 Stellen koste die laufende Runde europaweit bei der EADS-Rüstungstochter Cassidian.


Ziviljets: Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS benennt sich 2014 nicht ohne Grund in Airbus um. Die Tochter für Passagierjets ist das alles dominierende Zugpferd. Zivile Geschäfte bringen vier Fünftel des Jahresumsatzes.

Wehrtechnik: Das Rüstungsgeschäft dagegen ist auf dem Rückzug. Kürzungen der Wehretats treffen vor allem bayerische Standorte, traditionell der Schwerpunkt deutscher Wehrtechnik. Gut ein Drittel aller rund 200 deutschen Rüstungsfirmen sind im Freistaat angesiedelt. Die Rüstungstochter Cassidian sitzt in München. Ihr größter Standort ist Manching bei Ingolstadt mit 4 500 Beschäftigten. Cassidian soll mit der Raumfahrttochter Astrium fusionieren.


Das Werk Manching, wo nicht nur Eurofighter sondern auch die Drohne Euro Hawk gebaut und Militärflugzeuge aller Art für die Luftwaffe gewartet werden, ist mit 223 Arbeitsplätzen dabei, also gut einem Viertel der aktuellen Sparrunde. „Und jetzt kommt der nächste Abbau oben drauf und wir müssen mit unseren Familien zu Weihnachten um unsere Existenzen bangen“, sagt Pretzl. Dann ertönt Blaskapellenmusik, ein Werkstor öffnet sich und rund 1500 Beschäftigte, ein Drittel der Manchinger Belegschaft, fluten auf das Protestareal. Das geschieht an diesem Donnerstag zeitgleich auch in Augsburg und Donauwörth, Bremen und Hamburg.

Bundesweit hat die IG Metall die hierzulande die 50.000 EADS-Beschäftigten zu einem Aktionstag gegen den befürchteten Kahlschlag aufgerufen. Bis zu 8000 Stellen werden europaweit gestrichen, wird spekuliert. Am 9. Dezember will EADS-Chef Tom Enders die bitteren Wahrheiten verkünden.

Aber auch die Politik könne sich nicht zurücklehnen, sagt Bayerns IG Metall-Chef Jürgen Wechsler. Schließlich seien es vor allem Politiker gewesen, die eine Fusion von EADS und dem britischen Rüstungsriesen BAE Systems verhindert haben, und es sei die Politik, die Beschaffungsprogramme für die Streitkräfte zusammenstreicht. Die Belegschaft in Manching gibt sich wehrhaft. Wenn ohne Augenmaß gestrichen werde, sei das an diesem Donnerstag erst der Anfang des Widerstands gewesen, warnt Betriebsrat Pretzl.

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