Leder im Auto ist so alt wie das Auto selbst und liegt dochmehr denn je im Trend. Etwa fünf Prozent aller Fahrzeuge, schätzen Branchenexperten, würden heute entsprechend ausgestattet an die Kunden ausgeliefert. „Das Material ist atmungsaktiv, passt sich sehr schnell der Haut an und ist leicht zu reinigen“, hebt Florian M. Schrey, Designchef beim Zulieferer Seatonautoleather in Mühlheim an der Ruhr einige der Vorzüge hervor. Nach seiner Überzeugung gewinnt Leder auch in unteren Autoklassen an Bedeutung. „Da passiert etwas. Wir beobachten schon jetzt, dass immer mehr Teilleder angeboten wird, ein Vorgriff auf künftige Vollausstattungen, mit denen die Hersteller ihre Margen ausbauen.“
An einigen Beispielen ist Schrey selbst beteiligt. So stammt das Leder im Citroën DS3 Ultra Prestige aus seinem Haus und gilt als großerWurf. Der DS3 sei dasweltweit erste Serienauto mit einem Farbverlauf von Schwarz nach Weiß auf seinen Ledersitzen. Das Sitzmuster wurde einem Metallarmband nachempfundenen und gilt laut Schrey als stilbildend. Und tatsächlich, mit einem vertrauten Kleinwagensitz sind Fahrerund Beifahrerposition im DS3 kaum vergleichbar. Neben der attraktiven Oberfläche bieten die Polster festen und ungewohnt komfortablen Seitenhalt. Längere Fahrten hinterlassen keine kleinwagenüblichenVerspannungen.Und selbst das Geräuschniveau – Lederstrukturen wirken je nachMachart auch als Schallschlucker – ist bemerkenswert. Die Optik ist ohnehin eine Einladung. Das DS-Logo prangt zentral auf beiden Sitzlehnen und ziert den mitweißem Leder überzogenen Armaturenträger. Anfassen erwünscht. Ikone für den Trend ist für Florian M. Schrey allerdings der Aston Martin Cygnet, der eigentlich der iQvon Toyota ist. Der britische Hersteller veränderte ihn an Front und Heck und schlug ihn innen komplett mit feinstem Leder aus. Effekt: Aston Martin verlangt das Dreifache(!) des Preises (38 000 Euro) eines normalen iQ.
Doch muss Leder nicht in jedem Fall als purer Luxus daherkommen. Es geht auch dreistellig. Fündig wird man ausgerechnet bei Dacia. Schon für 600 Euro extra erhält man eine Teillederausstattung (Lenkrad und Sitze) im Dacia Sandero Stepway (10 590 Euro). Sie dämpft den minimalistischen Charme der üblichen Ausstattung und zaubert durch eine Spur Exklusivität in den Sitzpolstern selbst in solche Autos, die sich sonst eher der Basismobilität verpflichtet fühlen.
Indes, dass Leder künftig den Autoinnenraum dominieren könnte, erstreben selbstBranchenvertreter nicht. Dafür sei die Rohstoffbasis gar nicht gegeben, sagt Thomas Strebost, Inhaber
des Porsche-Lieferanten Heller Leder aus dem niedersächsischen Hehlen.Und auch dieUmweltauswirkungenwären zu bedenken. Andererseits habe sich bei Herstellung und Qualität vieles verändert. „Das Autoleder von heute ist um viele Klassen besser, als jenes das in historischen Autos verarbeitet wurde“, weiß Strebost.
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